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Hitman

Oh Mann! Hitman vom Entwickler IO Interactive ist gerade erst am 11. März als sechsteiliges Episoden-Spiel erschienen und ich habe schon jetzt eine absolute Hass-Liebe dazu entwickelt. Mit dem sechsten Teil der Serie rund um den markanten, glatzköpfigen Agent 47 mit dem tätowierten Barcode am Hinterkopf geht Verleger Square Enix mit dem Schleichspiel im Action-Adventure denselben Weg wie bereits mit Life is Strange von  DONTNOD Entertainment. Dem Spieler werden Häppchenweise weitere Teile der Geschichte mit unterschiedlichen Missionen angeboten. Ich habe mir die erste Episode von Hitman ausführlich angesehen, um mir ein Bild zu machen, ob Hitman als Serie funktionieren kann, ob sich der Griff zu Intro-Pack lohnt oder man wirklich die Katze im Sack kaufen soll. Oder sollte man vielleicht ganz die Finger von dem AAA-Titel lassen?

Enter a World of Assassination

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Hitman beginnt ab dem ersten Moment stimmungsvoll. Ich bin sofort voll von der Atmosphäre gepackt, alles sieht für mich dazu auch noch unfassbar fantastisch aus. Das wird sich auch zu keiner Zeit im Verlauf des Spiels ändern. Hitman sieht immer toll aus. Auch wenn riesige Menschenmassen zusammenkommen, habe ich keine Ruckler oder Kantenflimmern feststellen können. Die erste Zwischensequenz dürfte besonders Veteranen der Hitman-Serie begeistern. An dieser Stelle will ich nicht spoilern und gehe nicht detailliert darauf ein. Es ist das erste Aufeinandertreffen von 47 mit der ICA, der International Contract Agency. Diese unterzieht dem Assassinen erstmal einige Tests, ob er als Auftragskiller gut genug für die Agentur ist.

Tutorials

Hitman 10Neben den Storyfetzen, die in einer kurzen Sequenz zu sehen sind und was man zwischen den Zeilen heraushören kann, erwartet mich anschließend als Spieler das erste Tutorial, was mir als simulierte Sequenz vorgestellt wird. Hierbei geht es um die Nachstellung eines bereits erfolgten Attentats auf den „Sperling“ genannten Kalvin Ritter in Australien. Unser Auftrag ist den größten Kunstdieb um die Ecke zu bringen und dann unbemerkt zu entkommen. Bei dem Szenario handelt es sich um eine Party der Reichen und Schönen auf einer mondänen Yacht. Da es sich aber lediglich um eine Simulation handelt, befinden wir uns jedoch nicht tatsächlich in Australien, sondern innerhalb der ICA-Einrichtung im Innern einer Art riesigen Kühlturm wie man sie von Kraftwerken kennt. Rundherum sind Planen aufgehangen, die mit einer Art Sonnenuntergangsstimmung beleuchtet werden. Die Yacht ist lediglich ein Dummie aus Holzbrettern, der Betonboden, auf dem sie steht, ist lediglich blau gestrichen. Trotz der Palmen, die stimmungsvoll aufgestellt wurden, stehen noch Werkzeugwagen, Kisten und ähnliches im fiktiven Meer. Und ich muss wirklich sagen, dass diese Simulation einer Simulation so toll und detailverliebt umgesetzt ist, dass es mich wahnsinnig begeistert.

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Ist das schon alles?

Und meine Begeisterung setzt sich während des ganzen Spiels immer weiter fort. Es lohnt sich so sehr, wie ich es noch nie in einem anderen Spiel erlebt habe, stehen zu bleiben, die Umgebung zu betrachten, Gespräche zu verfolgen und wirklich aufmerksam zu sein. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken. Und auf eine sehr angenehme Art und Weise wird einem dadurch auch der hohe Wiederspielwert der Missionen nahegelegt. Denn davon lebt Hitman tatsächlich ausschließlich. Bei dem Inhalt in der ersten Episode ist nämlich gar nicht so viel zu machen, wenn man schlicht und einfach die Story erleben will. Denn nach dem ersten Teil des Tutorials „Die Ankunft“, der Zwischensequenz „Ein unbeschriebenes Blatt“ und dem zuvor erwähnten Tutorial „Trainingseinsatz“ kommen lediglich noch „Freies Training“ und „Abschlussprüfung“ und drei Videoclips als letzte Teile des Tutorials. Danach gibt es die erste und aktuell einzige große Mission „Showstopper“ mit einer finalen Zwischensequenz namens „Die Geheimnisse der globalen Elite“. Kümmert man sich nur um die primären Ziele dieser Story-Teile, kann man tatsächlich in Windeseile in etwa zwei Stunden einen Haken bei Erledigt hinter der ersten Episode machen. Und ärgert sich vermutlich nach sehr wenigen Stunden über einen spannenden Cliffhanger zur nächsten Episode. Denn das ist und war nie Teil der Hitman Spiele.

Finde den perfekten Weg!

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Wer sich dagegen dem Spiel hingibt und es so spielt, wie es eigentlich konzipiert ist, hat noch etliches vor sich. Denn, wie gesagt, lebt Hitman davon zu erkunden, zu probieren und Herausforderungen anzunehmen. Diese Herausforderungen sind enorm zahlreich und auf vier Bereiche verteilt. Im freien Training trifft man zum ersten Mal auf sie und da sind es lediglich relativ einfach zu lösende und teilweise gut kombinierbare 13 Meisterleistungen. In der Abschlussprüfung warten bereits 12 Attentate, 12 Entdeckungen und 2 Meisterleistungen auf den Spieler. In der Mission „Showstopper“ in Paris warten dann 24 Attentate, 34 Entdeckungen und 10 Meisterleistungen auf unseren Agenten, der diesmal gleich zwei Zielen möglichst raffiniert den Garaus machen muss. Manche der Herausforderungen lassen sich kombinieren, andere schließen sich partout gegenseitig aus. Bei meinem ersten Durchgang der Mission konnte ich direkt insgesamt 11 der 70 Herausforderungen abschließen. Aber ich habe auch wahnsinnig oft gespeichert, neu geladen und neue Wege probiert. Die Mission war tatsächlich nach einer Gesamtdauer von einer Dreiviertelstunde erledigt. Dafür habe ich allerdings knapp über dreieinhalb Stunden in Echtzeit mit wiederholtem Laden der Speicherstände gebraucht. Aber es war wahnsinnig berauschend und befriedigend als ich das Missionsgebiet erfolgreich verlassen habe.

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Möchten Sie ein Häppchen?

Nicht ganz so zufrieden und glücklich ließ mich dann die abschließende Zwischensequenz zurück. Hier gab es nochmal einen entscheidenden Mindfuck-Moment und man bleibt wirklich mit einem unstillbaren Drang nach einer sofortigen und umgehenden Fortsetzung zurück. Ich vermute, müsste ich nicht bis April auf das nächste Häppchen warten, ich hätte sofort weitergespielt nur um die Geschichte weiter zu erleben und möglichst alles zu erfahren. Stattdessen bleibt mir gar nix anderes übrig, als mich weiter an dem vorhandenen Spiel zu ergötzen. Auch wenn ich manchmal über gelegentlich repetitive Abläufe oder Aufgaben ärgere, zu guter Letzt ist es jedes Mal ein echtes Hochgefühl, eine Herausforderung erfolgreich abgeschlossen zu haben. Und wer öfter speichert, kann einfach mehr probieren. Wobei auch die Ladezeiten noch fast als moderat einzustufen sind.

Herausforderungen, Aufträge, Eskalationen

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Ich habe dann auch sofort angefangen meine nächsten Herausforderungen zu kombinieren, um meinen Agent 47 zum möglichst effizientesten und raffiniertesten Auftragskiller der Welt zu machen. Und tatsächlich sind die Möglichkeiten so abwechslungsreich und so abenteuerlich, die muss man wirklich erlebt haben. Dazu gibt es in der ICA-Einrichtung noch die Auftragserstellung mit eigenem Tutorial sowie aktuell „Der Snorrason-Aufstieg“ bei denen man auf dem kubanischen Stützpunkt der Abschlussprüfung 5 Stufen einer Eskalation spielt. Hierbei häufen sich die Ziele, Einsatzziele und zusätzlich Komplikationen von Stufe zu Stufe und machen einem den Abschluss immer schwerer. Durch den Modus Auftragserstellung erhält man auch ganz neue Ziele, die man eliminieren soll. Die zuvor genannten Aufträge als User Generated Content sorgen für zusätzlichen Zeitvertreib. Hierbei suche ich mir selbst ein Ziel aus, markiere es und stelle den Auftrag online, so dass andere User diese Mission lösen können. Dabei ist sehr gut umgesetzt, dass wir Spieler nicht willkürlich unmögliche Situationen zusammenstellen, sondern markierte Ziele erst nach der selbst durchgeführten Erledigung des Auftrags bereitstellen können. Gelingt es mir selbst nicht, meine Phantasie im Spiel erfolgreich zu umzusetzen, wird der Auftrag nie online verfügbar sein. Es muss also doch irgendwie zu schaffen sein. Dabei hilft, dass scheinbar wirklich jeder NPC seine eigene Vita zu haben scheint.

Bekommen wir Probleme?

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Einziges echtes Ärgernis ist der Online-Zwang. Zwar kann man alles auch offline spielen. Jedoch werden erledigte Herausforderungen dann nicht auch als erledigt markiert, man erhält keine Punkte, erhöht dadurch nicht seinen Rang bzw. Level, bekommt natürlich auch keine User-Aufträge. Und es erfolgt keine Abschlussbewertung und keine Zusammenfassung der erbrachten Leistung. So kann man auch keine neue Ausrüstung, Gadgtes oder Startpunkte freischalten. Zu Beginn kam es gelegentlich zu spielunterbrechenden Verbindungsabbrüchen zu den Servern, das wurde mittlerweile durch ein Update vollständig behoben. Hat man mal irgendwann einen Bereich absichtlich oder versehentlich offline absolviert, führt eine einfache erneute Verbindung nicht dazu, dass die erledigten Bereiche einfach nachträglich gezählt werden. Das ist schade. Daher is wichtig, dass ihr wirklich darauf achtet, ob ihr tatsächlich online seid. Aber in der Regel wird man sehr gut und prägnant vor Beginn einer Aufgabe darauf hingewiesen und gespeicherte Spielstände werden deutlich mit dem Schriftzug offline versehen.

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Bis auf die bereits gefixten Verbindungsabbrüche zu Beginn hatte ich keine weiteren Bugs in meinen bisher knapp 15 Spielstunden. Dennoch habe ich von nicht getriggerten Events oder verhakten Leichen gehört, kann das aber persönlich nicht bestätigen. Einzig die Waffenauswahl, deren Wechsel und die etwas komplizierte Zielerfassung ist selbst mit aktiver Unterstützung etwas fummelig geraten, was mich definitiv davon abhält Hitman außerhalb des ersten Tutorials wie einen Shooter zu spielen. Ich finde die Gegner-KI ansprechend clever und teils sehr herausfordernd. Wobei jeder frei ist, sich seinen eigenen Schwierigkeitsgrad selber zu kreieren. Sämtliche Hilfen und Anzeigen, wie die Mini-Map oder aufmerksamere Gegnertypen, lassen sich komplett deaktivieren bis es tatsächlich keinerlei HUD mehr gibt.

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Richtig ärgerlich ist dann noch für PC-User und Xbox Spieler, dass ausschließlich exklusiv auf PlayStation eine eigenständige sechsteilige Story „The Sarajevo Six“ im Spielmodus „exklusive Ziele“ enthalten ist. Direkt zum Start kann man die Jagd auf die ehemaligen Mitglieder einer paramilitärischen Einheit namens CICADA beginnen. Solche Ziele sind nur für eine kurze Zeit verfügbar, Spieler der anderen Plattformen mussten jedoch ein Wochenende lang gedulden, bis ihnen andere wöchentliche Live-Events die Wartezeit auf die nächste Episode verkürzen.

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Live-Inhalte

Mit wöchentlichen Live-Events rechtfertigt Hitman andererseits auch wieder die Online-Verknüpfung. Darunter gibt es exklusive Aufträge, die nur ein einziges Mal zu einem bestimmten Zeitraum auftauchen und anschließend nie wieder verfügbar sind. Zusätzlich werden Aufträge und Challenges vom Io-Interactive-Entwicklerteam entworfen und die besten Community-Aufträge prominent vorgestellt. Ebenso werden neue Gegenstände, wie Waffen und Verkleidungen, verfügbar gemacht.

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Welche Giftspritze nehme ich bloß?

Schlussendlich muss ich dringend davon abraten, nein, sogar davor warnen, das Intro-Pack zu Hitman zu kaufen. Denn eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, dass jemand damit allein glücklich wird, der das Spielprinzip der Hitman-Serie zu schätzen weiß. Zumal der Preis von knapp 15 € nur dann gerechtfertigt ist, wenn man tatsächlich nicht weiterspielt. Wer noch nie Hitman gespielt hat und sich neugierig auf das Spiel einlassen möchte, für den ist der kurze Einblick ideal. Wobei es, wie ich glaube, aber  nicht bleiben wird. Ich denke, jeder, der weiß worauf er sich einlässt, muss dann eigentlich anschließend zum Upgrade-Pack für 49,99 € greifen oder jede Episode einzeln zum Preis von 9,99 € erwerben. Stattdessen kann man entweder auch sofort die digitale Vollversion für 59,99 € kaufen und spielt dann die kommenden Missionen sobald sie verfügbar sind. Oder, wenn man der typische Bingewatcher wie ich bei TV-Serien ist, wartet man vielleicht am Besten bis die komplette Season, wie bereits angekündigt, im Januar 2017 in einem Gesamtpaket erscheint und kann dann das Spielerlebnis in seiner (hoffentlich) gesamten Pracht in einem Rutsch erleben. Was für mich auf die in meiner Einführung erwähnten Hass-Liebe zurückkommen lässt. Der Anfang von Hitman ist schlicht und einfach fantastisch. Die Wartezeit bis April zur zweiten Sandbox-Episode ist mir einfach viel zu lang. Selbst die angekündigten einmaligen Aufträge, die teilweise nur für kurze Zeit verfügbar sein und einmalige Ziele an besonderen Orten der Welt enthalten sollen, trösten mich nicht.  Denn wenn die Geschichte und der weitere Aufbau der Missionen auf der grandiosen Qualität bleiben, wie es jetzt der Anfang verspricht, dann hat Hitman definitiv ein glühend heißes Eisen für mein persönliches Spiel des Jahres im Feuer. Allerdings erst für 2017, wenn alle Episoden komplett verfügbar sind und tatsächlich dieses Niveau halten können.

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Hitman ist als Download-Titel im Marktplatz für Xbox One und PC z. B. im Square Enix Online Store erhältlich erhältlich, mit zusätzlichen exklusiven Inhalten für PlayStation. Darüber hinaus gibt es für beide Konsolen auch noch eine Collector’s Edition bei Amazon, die neben dem Download-Code der Vollversion eine Statue von Agent 47, die bekannte Krawatte von Agent 47 mit die passender Krawattenklammer sowie ein 60-seitiges Artbook enthält.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.