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Mafia 3

Als ich damals 2002 die limitierte Special Edition von Mafia des tschechischen Entwicklers Illusion Softworks bekommen hatte, war ich echt fasziniert von dem Spiel. Ich habe das Setting rund um die amerikanische Cosa Nostra geliebt. Über die Jahre wurde aus Illusion Softworks das Unternehmen 2K Czech als Tochter von Take 2 Interactive und veröffentlichte den zweiten, oft kritisierten Teil, den ich allerdings verpasst habe. Nun hat das neu gegründete Hangar 13 die Entwicklung von Mafia 3 übernommen und das zwischenzeitlich aufgelöste 2K Czech hat unterstützend mitgewirkt. Kann Mafia 3 meine Vorfreude stillen und mich erneut faszinieren?

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Vorab muss ich mal festhalten, dass ich grundsätzlich sehr auf das Thema rund um sämtliche Mafiosi stehe und sowohl Literatur als auch Filme zu diesem Thema ungemein unterhaltsam finde. Und dabei ist es für mich absolut unerheblich, ob es sich dabei um amerikanische, italienische, irische oder russische Ableger, Triaden, Yakuza oder eine fiktive Vereinigung im Bereich der organisierten Kriminalität handelt. Deswegen war ich schon sehr früh auf dem Hypetrain, den 2K bei mir ins Rollen brachte.

Wie der zweite Teil hat auch der Dritte nur wenige Überschneidungen mit den Vorgängern und ist keine direkte Fortsetzung. Es wird also sowohl Fanservice für treue Begleiter der Reihe, als auch absolut leichter Einstieg für Neueinsteiger geboten. Die Story zeichnet einen erbarmungslosen Rachefeldzug des afroamerikanischen Vietnam-Veterans Lincoln Clay im fiktiven New Bordeaux. Warum hier eine Umbenennung des zunächst angekündigten und deutlich beeinflussenden New Orleans vorgenommen worden ist, ist nur eine von vielen Fragen, die mir im Zusammenhang unverständlich bleibt.

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Story (Achtung: Spoiler)

Zunächst fängt die Story absolut fantastisch inszeniert an. Unser Protagonist kommt unversehrt zurück aus dem Krieg. Da er nie eine Familie hatte und sein Pflegevater Sammy Robinson den Black Mob anführt, wird er dort sofort mit offenen Armen zurückempfangen. Neben Sammy hat Lincoln nur den katholioschen Pater James Ballard als Vaterfiguren und sehnt sich spürbar danach, zu einer Familie zu gehören. Das kriminelle Oberhaupt New Bordeaux ist allerdings Salvatore “Sal” Marcano, der Don der mächtigen Marcano-Familie, die die Stadt unter ihren Verbündeten in unterschiedlichen Territorien aufgeteilt hat.

Da der Black Mob sich in einem Krieg mit einer neuen, aggressiven Gang von Haitianern befindet, kann Sammy jedoch nicht seine kompletten Abgaben an Marcano zahlen und verschuldet sich zusehends. Lincoln nimmt sich diesem Problem an und tötet das Oberhaupt der Haitianer. Nach der Wiederherstellung der Ordnung soll ein großer Coup unter Leitung von Sals Sohn Giorgi, der mit Lincoln gut befreundet ist, auf die Louisiana Federal Reserve Bank die Schulden von Sammy tilgen. Während der Vorbereitung des Überfalls schlägt Don Sal Marcano vor, dass Lincoln selbst die Führung des Black Mobs übernehmen und Sammy ablösen solle. Dieser lehnt aus Loyalität ab, was Sal respektiert.

Während des Überfalls wird Danny, Sohn des irischen Oberhaupts Thomas Burke, zwar getötet, den anderen Beteiligten gelingt aber die Flucht mitsamt der enormen Beute. Lincoln liefert die gesamte Summe bei Sammy in dessen Bar ab, wo diese mit Sal Marcano inklusive der offenen Schulden geteilt und übergeben werden soll. Bei diesem Treffen handelt es sich aber letztlich um eine reine Exekution der Führungsriege des Black Mobs durch die mächtigen Italiener. Dabei schießt Giorgi persönlich Lincoln in Kopf und die Marcanos stecken die Bar in Brand. Wie durch ein Wunder tötet die Kugel Lincoln nicht, sondern fügt ihm nur eine schwere Schädelverletzung zu. Darüber hinaus wird er glücklicherweise von Pater James gefunden und vor dem Feuer gerettet. Pater James ist es auch, der Lincoln über Monate wieder bis hin zu Genesung pflegt. Was Lincoln Clay anschließend bleibt, ist eine große Narbe am Kopf und erbarmungsloser Rachedurst. Und was uns als Spieler bleibt ist dieser grandiose und abwechslungsreiche Anfang.

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Spielmechanik

Anschließend geht es darum die Marcano-Familie Stück für Stück zu ruinieren mit dem Ziel sie zu vernichten. Und leider bleibt es dann nicht mehr so spannend und abwechslungsreich wie es mir der großartige Anfang suggerierte. So „befreien“ wir zunächst ein Territorium nach dem anderen von den Unterbossen, deren Bossen bis ganz hinauf bis an die Spitze der Familie und verteilen die eroberten Gebieten nach eigenem Ermessen an unsere eigenen drei Unterbosse. Hierbei hat jeder der drei Gangster eigene Interessen und bietet uns dafür individuelle Vorteile. Vernachlässigen wir einen Charakter dabei, ziehen wir uns seinen Unmut zu. Es kann sogar passieren, dass sich einer unser eigenen Leute gegen uns stellt, wenn er sich benachteiligt fühlt.

Das Freischalten der Gebiete läuft immer nach dem selben Prozedere ab. Zunächst schwächt man den Gegner bei seinen Einnahmen und lockt ihn so entweder aus seinem Versteck oder er verrät durch Lieferungen oder ähnliches, wo er sich versteckt hält. Anschließend fährt man dorthin und streckt den Chef nieder. Am einfachsten ist das, wenn man ihn von einer Sniper-Position erschießen kann. Ansonsten gilt es mit dem kampferprobten Lincoln Clay Gegnerhorden bis hin zum Boss zu überwinden. Ob man dabei möglichst unbeschadet vorbeischleicht oder alle niedermetzelt, kann man selbst entscheiden. Hierbei ist es leider auch möglich, sich zu verstecken, einen Gegner anzulocken, einen Stealthkill aus der Deckung auszuführen und wieder zu pfeifen, bis man so alle Hindernisse gefahrlos exekutiert hat und sich die Leichen neben der eigenen Position komplett absurd stapeln. Die KI ist einfach total dumm. Außerdem hat man am Ende der Mission gelegentlich die Wahl den gestellten Unterboss zu töten oder zwangsweise anzuwerben. Anschließend bekommen wir in der Regel eine oder mehrere, fast schon cineastisch wirkenden Zwischensequenzen.

Und exakt dieses Prozedere läuft immer und immer und immer wieder in denselben Bahnen ab. Lediglich die Gebiete und Gebäude ändern sich. Man merkt dem Spiel zwar die gute Idee und die verschiedenen Versuche an, den Kontext abwechslungsreich zu gestalten, aber das gelingt überhaupt nicht und ich langweile mich extrem schnell. Dabei ist es unerheblich, ob man sich um einen Teil der Hauptstory oder eine Nebenmission kümmert. Zum Ende hin nimmt das Ganze nochmal ein kleinwenig Fahrt auf und überrascht auch nochmal durch wirklich tolle Szenarien. Aber es ist spielerisch leider zum größten Teil wirklich unbefriedigend.

Darüber hinaus gibt es die für Open World Spiele üblichen Sammelobjekte. Allerdings wurde bei diesen komplett versäumt Belohnungen dafür zu integrieren. Es gibt wirklich überhaupt keinen Vorteil, ob man jetzt Playboy-Magazine, Schallplatten-Cover, Vargas-Poster, Hot-Rod-Magazine oder die Kirchenzeitschrift Regent sammelt. Auch das Auffinden kommunistischer Propaganda für den Verbündeten Donovan vom CIA bringt spielerisch absolut gar nix. Es ist lediglich ein Abhaken auf der Aufgabenliste. Einzig TL-49-Sicherungen bringen einen Vorteil, mit ihnen können wir an Verteilerkästen die in mehrere Abhörzonen unterteilten Bezirke verwanzen und so alle verfügbaren Sammelgegenstände inklusive weiterer Sicherungen und Verteilerkästen auf der Karte aufdecken. Ehrlich gesagt, ich hätte mir gewünscht, dass man bei Hangar 13 auf die offene Welt verzichtet und sich auf die wirklich gut Erzählung beschränkt hätte.

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Technik

Ich muss zugeben, dass ich zur der Spezies der sogenannten Grafikhuren gehöre. Ich mag es einfach, wenn ein Spiel gut aussieht und feiere es, wenn es mich beeindruckt. Es muss nicht jedes Game so fantastisch wie The Witcher 3 aussehen, ich habe mich auch trotz des sichtbaren Downgrades über Chicago im ersten Watch_Dogs gefreut. Aber wie New Bordeaux in Mafia 3 auf der Xbox One aussieht, ist eine echte Katastrophe für mich. Texturen ploppen wie Dominosteine während einer Autofahrt auf. Eine Weitsicht ist nie gegeben, selbst bei strahlendem Sonnenschein liegt alles vor uns in einem dichten Nebel. Eine angepasste Schärfentiefe hätte hierbei vielleicht eher die Mängel kaschieren können. Insgesamt ist die Performance absolut unterirdisch in meinen Augen. Das Spiel sieht selbst in den inhaltlich toll inszenierten und geschnittenen Videosequenzen nie wirklich gut aus. Gesichter wirken unnatürlich und wachsartig, ganz anders als ich es aus den Trailern gewohnt bin, in denen man Lincoln Clay und den anderen Charakteren mit echter Mimik kennenlernen durfte. Das hier auf meiner Xbox One S sieht eher aus wie ein Emulator für meine ollen PS2-Spiele, wenn ich es freundlich ausdrücke.

Abgesehen davon wurde ich mit zahllosen Abstürzen, Bugs, Glitches und Framedrops beworfen. Es geht ja noch, wenn die Supporter, die ich rufe, den Weg nicht zu mir finden, obwohl ich mitten auf einer vierspurigen Hauptstraße stehe. Aber wenn ich während einer Autofahrt in strömendem Regen urplötzlich mit klarem Himmel und gleißendem Sonnenlicht, das meinen kompletten Fernseher in hellstes Weiß taucht, konfrontiert werde, dann sehne ich den nächsten Absturz schon fast herbei, um nicht zu erblinden. Aber Abstürze erwarten mich nicht nur beim gemütlichen Cruisen oder etwas ärgerlicher während einer Mission. Nein, auch nach einer erfolgreich abgeschlossenen Mission zwischen zwei Videosequenzen der Hauptstory stürzte das Spiel immer und immer wieder ab. Erst eine komplette Neuinstallation behob diesen Fehler in meinem Fall. Aber es sind ja nur knapp 45 GB, dauert ja nicht so lange, wenn man gerade einfach nur entspannt spielen will. Und dann muss man die Mission vor der abschließenden Sequenz auch noch zum zehnten Mal durchspielen.

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Sound

Neben der hervorragend inszenierten Anfangsstory ist der Soundtrack wirklich ein absolutes Highlight dieses Spiels. Oft fahre ich einfach nochmal um den Block bis das aktuelle Lied vorbei ist, ehe ich eine Mission starte. Obwohl das Herumfahren landschaftlich wegen der mauen Grafik keinen echten Anreiz bietet, schafft es das satte Motorengeräusch eines alten V8-Motors in Verbindung mit der epochal genial abgestimmten Musik endlich wieder Emotionen zu wecken. Insgesamt hat man sich beim Soundkulisse, der Musik und auch den Sprechern echt Mühe gegeben, wenn auch ab und zu die Lippensynchronität nicht ganz akkurat ist.

Fazit

In Mafia 3 bekommen wir mit Lincoln Clay einen unfassbar brutalen aber nachvollziehbaren Charakter mit guten Nebenfiguren, eine herausragende Story, ein großartige Atmosphäre, einen perfekten Soundtrack, eine völlig veraltete Grafik ohne Weitsicht, langatmige Wiederholungen in der Spielweise, unnötige Spielelemente in der offenen Welt und eine ganze Reihe technischer Fehler. Bei Mafia 3 hat man am Ende die Möglichkeit eins von drei verschiedenen Enden zu wählen. Bei dem Kauf von Mafia 3 ist es fast genauso. Wer sich wirklich nur auf die Story konzentriert und beharrlich über die ganzen Probleme hinwegsieht, bekommt tatsächlich eine gut gemeinte Unterhaltung mit grandioser Atmosphäre und gutem Storytelling geboten. Derjenige kann sofort zuschlagen. Wer auf der Suche nach abwechslungsreichen Spielelementen oder guter Grafik in einem Open World Spiel ist, der lässt besser komplett die Finger davon. Alle anderen, die neugierig sind, warten besser noch ein paar Updates und Preisdrops ab. Die Spielmechanik ist etwas, was sich nach sehr monotoner und langwieriger Arbeit eines Gangsters anfühlt. Mafia 3 hat unfassbar viele Momente in denen man ein enormes Potential entdeckt. Aber es ist eigentlich kein Titel, der 2016 so noch nicht veröffentlicht werden dürfte. Es scheint als fehle noch so viel Polishing, Bugfixing und einfach mehr Entwicklungszeit. Vielleicht ist auch die Engine noch nicht soweit gewesen und 2K Games hätte vielleicht besser die RAGE engine von GTA V bei Rockstar Games ausgeliehen, schließlich sind beides Töchter von Take-Two Interactive. Mafia 3 ist für PC, PlayStation 4 und Xbox One erschienen und für die aktuell etwa 35,00 € bei Amazon kann man einen Kauf schon mal langsam ins Auge fassen.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

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