PlayStation VR

Retrospective

Im Oktober vergangenen Jahres brachte Sony seine eigene VR Lösung auf den Markt und platzierte sich neben HTC und Oculus. Es sind einige Monate ins Land gezogen und es wird Zeit sich einmal anzuschauen ob der VR Hype sich lohnt oder ob es in die Schublade neben die Kinect gehört um Staub anzusetzen.

Hardware und Kosten

Erstmal muss man sagen, dass Sony wohl den günstigsten Einstieg in die VR Welt bietet, wenn man jetzt von den Smartphone Lösungen ala Google Cardboard oder Samsung Gear VR absieht. Würde man sich ein Bundle aus Konsole und VR Headset (plus Kamera) kaufen, käme man schnell an die Preise die man am PC allein für die Headsets bezahlen darf. Die Preise liegen dort zwischen 600 und 900 Euro, während Sony sein Headset für „gerade mal“ 400 Euro anbietet. Dafür wurden jedoch Abstriche in der Technik gemacht und die Auflösung bei Sony ist nicht so hoch wie bei der Konkurenz. Allerdings muss man nicht noch bangen, dass die Konsole oder PC überhaupt mitmacht und man sich ggf. noch eine neue Grafikkarte anschaffen muss. Anschließen, Spiel starten und loslegen.

Den Tragekomfort finde ich immernoch super. Das PlayStation VR Headset wird wie eine Art Stirnband über den Kopf gezogen und verteilt damit sein Gewicht gleichmäßig. Ich hatte nie das Gefühl gehabt ein schweres Objekt vor meinem Gesicht zu tragen, was im schlimmsten Fall noch auf die Nase drückt. Ganz im Gegenteil. Ausser das das einem unter dem Headset etwas warm wird (Gerade unter der Polsterung an der Stirn) kann ich hier nichts bemängeln.

Jetzt sag was zu den Spielen!

Die Hardware steht und fällt natürlich mit der Software. Es gibt im PlayStation Store 70 Titel die VR kompatibel sind. Dazu zählen aber auch Spiele wie Rise of the Tomb Raider, Call of Duty und Battlefront, die aber lediglich einen kleinen VR Exkurs bieten und nicht vollständig in VR spielbar sind.

Zum Start lieferten u.a. VR Worlds, EVE Valkyrie und der Until Dawn Spin-Off Rush of Blood die Grundlage um zu zeigen was mit VR möglich ist. Leider gab es auch einige Spiele die gefühlt nur herausgebracht wurden um Content liefern zu können wie etwa DRIVECLUB VR. Ohne jegliche Verbindung zum Hauptspiel musste man hier eine neue Karriere anfangen und in VR mussten so viele Abstriche in der Grafik gemacht werden, das von dem einst Herzeigetitel der PlayStation 4 nur noch ein Matschhaufen vor den Augen zurückblieb. Andere Titel wie Tumble VR würde ich sogar eher als Tech-Demos beschreiben als vollwertige Spiele.

Spiele in VR geben euch einfach ein etwas anderes Feeling. Ihr seid mitten im Geschehen und gerade Horrorspiele haben mir eine ordentliche Gänsehaut verpasst. Selbst Batman Arkham VR war eine coole Erfahrung im Batcave zu stehen oder auf dem Vorsprung eines Hochhauses über Gotham zu blicken. Leider wurde hier weder eine gute Story implementiert, noch war die Batman Erfahrung sonderlich lang. Letztere Problematik hat auch Cryteks Robinson: The Journey. Es ist einfach beeindruckend vor riesigen Dinosauriern zu stehen und man bekommt ein wesentlich besseres Feeling für die Größenverhältnisse in Videospielen, aber das ist auch das einzige was einem nach dem Spielen in Erinnerung bleibt.

REZ macht in VR hingegen total Sinn. Ein Spiel das ursprünglich für die Dreamcast erschienen ist wurde erneut remastered mit einer Bonus-Stage und das ganze Spiel ist in VR spielbar. Man muss aber schon ein Fan von REZ sein, damit man mehr als einen Durchlauf macht, denn der ist ebenfalls sehr schnell erledigt.

Das erste Spiel welches euch mehrere Spielstunden in VR gefangen nehmen kann und euch eine schöne Story bietet ist Resident Evil 7. Wer ein Angsthase ist und vielleicht schon bei Until Dawn: The Rush of Blood zu viel hatte wird sich hier sehr schwer tun. Eine Ausführliche Review zu RE7 folgt aber noch.

Motion Sickness

Motion Sickness ist wohl das größte Problem bei VR und betrifft nicht nur Sonys Lösung. Wärend ich absolut unempfindlich bin wenn ich ganz normal Spiele auf dem Fernsehr oder Monitor spiele, habe ich das Leid anderer in der VR-Welt erfahren können. Spiele wie DRIVECLUB, Here They Lie und RIGS haben minimalste Eigenbewegungen der eigenen Figur integriert, die einen Seekrank machen. Bei Here They Lie reicht es bei mir schon dass sich der eigene Charakter langsam in die Richtung dreht in die man schaut.

Unter anderem ein Grund warum die PSVR-Review Serie etwas ins stocken gekommen ist ist der, dass sich der Körper zum Teil einfach gegen VR wehrt. Wenn man ein Spiel spielt bei dem einem schlecht wird oder noch schlimmer zu lange in diesem Zustand weitergespielt hat, möchte man entsprechende Spiele auch garnicht mehr anfassen. Allein der Gedanke daran lässt dieses Gefühl wieder aufleben. Noch schlimmer war bei mir aber das Problem, dass ich am Anfang nichtmal andere Spiele (ohne VR) spielen konnte ohne das mir schlecht wurde. Es war wie eine Kettenreaktion der Motion Sickness die mich zum Teil ein paar Tage oder sogar Wochen vom VR-Headset ferngehalten hat.

Erstaunlicherweise befürchten viele ein generelles Problem bei allen Dingen die in der Ego-Perspektive spielen und man sich frei bewegen kann. Während es einige Titel gibt die mit Teleportation arbeiten, also ruckartigen statt flüssigen Bewegungen, kommt Resident Evil 7 ohne zurecht. Es ist einer der wenigen Titel bei denen ich kaum bis keine Übelkeit oder Schwindel empfinde. Es gibt Sequenzen in denen auf Grund von starker Bewegung das Sichtwelt auf schwarz geschaltet oder eingeschränkt wird, aber hier wirken die Methoden am ausgereiftesten.

Man gewöhnt sich mit der Zeit an die ein oder anderen Sachen und jeder empfindet es etwas anders aber für mich blieben entsprechende Spiele aber weiterhin problematisch. Und Obwohl ich Lust darauf hätte z.B. Here They Lie endlich mal zu beenden bin ich mir nicht sicher ob ich mich den möglichen Qualen abseits der Horror-Atmosphäre des Spiels noch einmal aussetzen möchte.

(VR) Filme

Das beste zum Anfang: Netflix und Co können vollständig in VR genutzt werden und werden wie Nicht-VR Spiele auf einer virtuellen Leinwand gestreamt die ihr riesengroß machen könnt. Das Problem dahinter ist allerdings die Auflösung: Ihr habt pro Auge ein halbes HD Bild (960×1080) welches jedoch auch euer komplettes Sichtfeld abdecken muss und nicht vollständig für den Film genutzt werden kann. Entsprechend habt ihr wie bei den Spielen eine pixelige Auflösung.

YouTube unterstützt mittlerweile ebenfalls seine 360° Videos in denen ihr euch frei umsehen könnt. Hier fehlt mir aber der 3D Effekt und frei bewegen wie in einem VR Spiel geht hier auch nicht. Dafür gibt es dann richtige kleine VR-Filme wie INVASION! und Allumette in denen ihr euch soweit es der Bewegungsradius erlaubt umschauen und auch hinter Objekte blicken könnt. Hier kann man sicher mit interessanten Methoden arbeiten muss aber auch vermutlich den Zuschauer etwas an die Hand nehmen, damit er auch in die richtigen Richtungen schaut um nichts zu verpassen.

Mit der kommenden Firmware 4.50 für die PlayStation 4 könnt ihr ausserdem endlich 3D-BluRays über das Headset schauen. Was ich hier ganz schön finde ist, dass ihr ohne die 3D Brillen für das (Heim-)Kino ein deutlich klareres Bild habt, welches nicht durch diese Brillen abgedunkelt wird oder den Kontrast verschlechtert.

Ob man jetzt einen kompletten Film mit dem PSVR-Headset vor den Augen schauen möchte soll jeder selber wissen. Auch wenn gerade Sonys Headset einen sehr guten Tragekomfort bietet ist es im Fall von Filmen nicht meins. Mal abgesehen davon das man Filme und Serien in VR hier nur alleine genießen kann.

Fazit

Würde ich zum PSVR-Headset raten? Aktuell muss ich leider sagen: Nein. Es gibt meiner Meinung nach viel zu wenig hochwertigen Content und soweit ich es aktuell im Blick habe ist auch nicht sonderlich viel für die (nahe) Zukunft angekündigt. Am besten würde ich an eurer Stelle mal schauen ob ihr es irgendwo testen könnt oder euch von einem Freund/einer Freundin das Set für ein paar Tage ausleihen könnt und entscheidet danach selbst. Es ist ohne Frage ein Erlebnis, aber auch (noch) kein sehr günstiges und der Content in den meisten Fällen zu kurzlebig.

Wie sind eure Erfahrungen mit (PS)VR?
Besitzt ihr es selber oder habt es mal ausprobiert?
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