SPIEL’16

Wieder habe ich es mir nicht nehmen lassen und mit Freunden einen Blick auf die SPIEL’16 geworfen, die auch dieses Jahr (13. – 16. Oktober) wieder in den Messehallen in Essen zu Gast war. Heute gibt es von mir daher einen kleinen Erlebnisbericht und meine persönlichen Empfehlungen von der größten internationalen Gesellschaftsspiele-Messe.

Sie haben ihr Ziel erreicht – zumindest fast

Wir erreichten gegen 10:30 Uhr ein völlig überfülltes Essen und standen erst einmal im Stau. Nachdem wir von einem freundlich winkenden Menschen aus der Stadt heraus zurück auf die Autobahn geführt wurden und sich langsam Irritation und Verwirrung darüber bei uns breit machte, erreichten wir überraschend „Parkplatz 10“ des Parkleitsystems von Essen. Es ist ein riesen großer Parkplatz vor den Toren der Stadt – mit exakt einem kleinen Häuschen, in dem man seinen Parkchip kaufen muss. Whoohoo!

Ihr könnt euch nun sicher vorstellen was passierte: die dort ankommenden Autos parkten ein, die Personen stiegen aus und stellten sich – ohne das zu hinterfragen – in die Schlange vor dem Kassenhaus, während die Shuttlebusse mehr oder weniger leer an ihren Haltestellen standen und darauf warteten endlich losfahren zu können.

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Als wir die Kassenschlange erreichten und realisierten, dass diese bereits mehrere hundert Meter lang war und uns sicherlich noch eine Stunde Zeit rauben würde, wuchs in uns die Frustration.

Gott sei Dank hatten wir aber Daggi dabei! Daggi hat sich – flink wie ein Wiesel – nach vorne duschgeschummelt (während wir verbliebenen drei in entgegengesetzte Richtung an das Schlangenende begaben) und am Kassenhäuschen einfach mal spontan gefragt, ob wir den Chip für die Ausfahrt zwingend jetzt kaufen müssten. Die Antwort war überraschend: Nein! Es war 11:10 Uhr, als wir breit grinsend an der immer länger werdenden Kassenhäuschenschlange vorbei fuhren.

Online Tickets? – Jetzt ja!

Knappe 10 Minuten später erreichten wir mit dem Bus das Messegelände und standen in einer ebenfalls langen Kassenschlange. Neben uns war der Eingang für „Online Tickets“, den kaum jemand nutzte. Eine Mitarbeiterin der Messe klärte uns zickig darüber auf, dass wir nächstes Jahr doch bitte unsere Tickets online kaufen sollen und schnauzte, dass das alles entspannen und ihre Arbeit erleichtern würde. Wir fragten spontan nach, ob wir die Tickets jetzt noch online kaufen könnten… die Dame verneinte und pampte: „Nein, das geht nicht! Das hätten sie früher machen müssen.“.  Wir machten es trotzdem! Wenige Augenblicke später hatte Jan vier Tickets auf seinem iPhone und wir standen am Eingang zur ersten Halle der Messe.

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Welcome to the jungle

Es war ungefähr 11:40 Uhr, als wir, wie Sardinen in der Büchse, in der ersten Halle einige Meter durch den Gang geschoben wurden. Wir gingen unser letztes Jahr auf der SPIEL nochmal gedanklich durch und fragten uns, ob wir letztes Jahr an einem Sams- oder Sonntag dort waren. Neben uns in der Menge stand eine Frau, die sich in unser Gespräch einmischte und uns besserwisserisch wissen ließ: „An einem Samstag ist es hier immer so voll!“. Vielen Dank, gute Frau – diese Info hat uns tatsächlich weitergeholfen. Als wir vom Menschen-Strom einige Meter weitergeschubst wurden, fragten wir uns, warum die Frau sich das an einem Samstag dann überhaupt antut. Aber hey: ihre Entscheidung! Wir waren uns daraufhin jedenfalls schnell einig, dass wir letztes Jahr wohl an einem Sonntag auf der SPIEL waren und auch nächstes Jahr wieder an einem Sonntag dort auflaufen werden.

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Wir ergriffen erst einmal die Flucht und versuchten aus den Menschenmassen zu entkommen. Wir stellten uns – Überraschung! – an das Ende der nächsten Schlange: der Toiletten-Schlange. Kurz die Notdurft verrichtet, tief Luft geholt und ab zurück ins Getümmel. Ich muss wirklich gestehen, dass ich dieses Jahr bereits nach diesen wenigen Metern sehr genervt war. So viele Menschen, die mich durch die Gänge geschoben haben… mit meinen 1.60 Metern hatte ich kaum eine Chance irgendetwas anzusehen oder gar anzufassen (außer natürlich anderen Menschen – von denen habe ich viele angefasst…). So trieben wir – gefühlt eine halbe Ewigkeit – durch den Gang und konnten nur ab und an mal Pausen an Ständen machen und uns Dinge anschauen. Ich brauchte ein wenig Zeit, um mich mit der Situation zu akklimatisieren. Eigentlich mache ich einen riesen großen Bogen um solche Menschenmassen. In der zweiten Halle war ich persönlich dann etwas egoistischer und fuhr bei den rücksichtslosen Leuten schon mal meine Ellenbogen aus, wenn ich an einen Stand wollte. Ich schätze es sah wohl recht witzig aus, als ich Kampfzwerg mir einen Weg von A nach B bahnte.

Spiele spielen? Nicht auf dieser SPIEL!

Von Halle zu Halle wurde ich eigentlich entspannter. Die Atmosphäre war irgendwann sogar ganz faszinierend. Wir schlenderten von einer Halle zur nächsten und hatten irgendwann unseren persönlichen „Groove“ gefunden, um an die Stände ranzukommen. Aber an den Stand rankommen und am Stand ein Spiel spielen waren leider zwei verschiedene Dinge. Bei mir stieg den ganzen Tag die Frustration darüber, dass man eigentlich an keinem Stand wirklich zum Anspielen von Spielen kam. Zwar kamen wir mittlerweile eigentlich immer an die Tische, aber mehr als anderen beim Spielen zuschauen und eventuell noch ein paar Fotos zu machen, war nicht drin. Das war letztes Jahr für uns viel besser. Ich habe die SPIEL’15 sehr positiv in Erinnerung und hatte dort wirklich extrem viele Eindrücke in die Spiele gewinnen können. Letztes Jahr hatten wir eigentlich überhaupt keine Probleme Spiele auszuprobieren. Nur selten mussten wir letztes Jahr Schlange stehen. Es war einfach alles viel entspannter. Dieses Jahr musste man teilweise regelrecht die Krallen ausfahren, um irgendwann mal einen Platz an einem Tisch zu bekommen. Unser großer Vorteil war schlicht weg, dass viele der Spiele die zum Spielen zur Verfügung standen, letztes Jahr schon vorgestellt wurden oder bereits in unserem eigenen privaten Spiele-Sortiment vorhanden sind. Wir kannten somit schon vieles.

Top oder Flop

Neben den diesjährigen ausgezeichneten Spielen (Spiele des Jahres) fanden sich natürlich auch die Gewinner der letzten Jahre vor Ort. Interessant zu sehen war, dass viele der Spiele vom letzten Jahr wieder einen festen Platz auf der SPIEL hatten, andere Spiele aber komplett verschwunden waren. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere daran, dass Anka und ich auf der letzten SPIEL Golem Arkana angespielt und gekauft hatten. Ein interaktives Brettspiel, bei dem man mit seiner Monster-Armee gegen eine andere Armee kämpft und das Spielbrett einnimmt und den Gegner im Erdboden versenkt. Beim Anspielen war das Spiel super und wir freuten uns über unser Schnäppchen. Auf Grund sehr kostspieliger Erweiterungen verflog bei uns die Freude darüber allerdings sehr schnell. Scheinbar ging es auch vielen anderen Spielern so. Das Spiel war auf dieser SPIEL nirgendwo ausfindig zu machen. Dafür gab es aber wieder unzählige Erweiterungen und modifizierte Versionen von Spiele-Klassikern wie z. B. Monopoly, Cluedo, Risiko oder auch Carcassonne, die auch letztes Jahr schon einen festen Platz bei den Herstellern hatten und beim Publikum auch über Jahre hinweg immer noch äußerst beliebt sind.

Schön war auch die Erkenntnis, dass einige Spiele des Jahres 2015 weiterentwickelt wurden. So erspähten wir zum Beispiel eine neue Erweiterung für Colt Express, das in unserer Spielesammlung ebenfalls einen festen Platz gefunden und schon den ein oder anderen Spieleabend bei uns gefüllt hat.

Strategiespiele für Groß und Klein

Richtig interessant fand ich auch, dass es mittlerweile sehr viele Kinder-Versionen der bekanntesten Strategie-Spiele gibt. Wir hatten im Vorfeld und auf der letzten SPIEL bereits die „Siedler Junior“ und „Die Kinder von Carcassonne“ gesehen. Neu war für uns, dass es jetzt auch eine Kinder-Version eines unserer Lieblingsspiele gibt: Stone Age.

Die Kinderversionen funktionieren meist ähnlich, wie die Erwachsenen Versionen. Im Falle von Stone Age Junior gibt es allerdings einige Unterschiede. Selbstverständlich gibt es für die jungen Spieler ein übersichtliches, reduzierteres Spielbrett, weniger Rohstoffe, leichtere Aufgaben und anstatt wie beim Original auf Würfelglück zu hoffen, kommt man bei der Junior-Variante durch Aufpassen, Merken und Kombinieren weiter. Stone Age Junior ist übrigens Kinderspiel des Jahres 2016, was mich persönlich sehr freut, da ich das Original Stone Age einfach großartig finde!

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Spieleentwicklung und Crowdfunding

Cool war auch, dass es in einer Halle unzählige Kickstarter Projekte von Spielen gab. Leider kam man auch hier nur durch Einsatz von schweren Geschützen an die Stände, so dass wir hier keine Spiel-Eindrücke gewinnen konnten. Aber die Masse an neuen (durch Crowdfunding produzierten) Spielen war schon beeindruckend. Es scheint sich auf dem Gesellschaftsspiele-Markt tatsächlich wieder etwas zu tun. Für mich, als begeisterte Brettspiele-Spielerin, ist das natürlich eine schöne Erkenntnis.

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Koop-Spiele

Erstaunlich finde ich, dass sehr viele Koop-Spiele vorgestellt wurden. Ich bin eigentlich überhaupt kein Freund von dieser Spiele-Art und spiele lieber „Jeder gegen Jeden“, damit es einen eindeutigen Gewinner gibt. Ich spiele aus Prinzip eigentlich immer, um zu gewinnen. Die wenigen Koop-Spiele, die ich daher in meinem Leben bisher gespielt habe, fand ich sehr seltsam und an dieser Stelle auch nicht nennenswert.

Wir kamen zum Schluss jedoch noch dazu Pandemic – Schreckensherrschaft des Cthulhu anzuspielen. Abgesehen davon, dass unser junger Erklärbär leider die Hälfte der Regeln vergessen hatte und wir stellenweise das Gefühl hatten, dass wir das Spiel schon besser verstanden hatten als er, fand ich es insgesamt tatsächlich ganz nett und kann mir vorstellen, dass wir es nochmal spielen werden. Natürlich haben wir unser erstes Spiel promt verloren und „die großen Alten“ haben uns in den Wahnsinn getrieben und platt gemacht, aber hey: irgendwie war es trotzdem spannend und hat gefallen. Selbst mir.

Wir konnten außerdem einen ersten Blick auf das nigelnagelneue Kartenspiel zu Arkham Horror werfen, das für das 4. Quartal 2016 angekündigt ist. Arkham Horror wurde mir im Vorfeld mehrfach empfohlen – ich wehrte mich allerdings bisher immer gegen das Spiel, da ich – wie oben erwähnt – kein Koop-Spieler bin. Ich glaube allerdings, dass das Arkham Horror Kartenspiel tatsächlich mein Herz erweichen könnte.

Von Staubfängern und anderen unnützen Dingen

Überwältigt war (vermutlich nicht nur) ich von der Masse an wirklich tollen Merchandise-Artikeln, die es dieses Jahr auf der SPIEL gab. Letztes Jahr gab es hier auch bereits Unmengen, aber dieses Jahr hätte ich wirklich an nahezu jedem Stand etwas mitnehmen wollen. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass viele der Sachen „wertiger“ sind. Natürlich habe ich mich zusammengerissen, aber bei manchen Dingen fiel mir das gar nicht so leicht. Zelda beispielsweise lag wieder einmal sehr hoch im Kurs und war eigentlich überall präsent. Für mich als echtes Zelda-Fangirl eine Herausforderung aus der Halle wieder herauszugehen und noch Geld im Geldbeutel zu haben…

Spannend fanden wir auch einen Händler, der die Zauberstäbe der Charaktere aus Harry Potter verkaufte. Ich muss gestehen, dass ich Voldemorts Zauberstab richtig cool fand und sehr fasziniert von ihm war. Er lag unwahrscheinlich toll in der Hand und fühlte sich so mächtig an. Die anderen Zauberstäbe fand ich recht langweilig. Wenn es stimmt, dass der Zauberstab sich seinen Besitzer aussucht… hat das dann jetzt irgendwas für mich zu bedeuten? Ich konnte nicht anders und sprach direkt einen der unverzeihlichen Flüche aus, während ich den Stab hin- und herwedelte… nichts passierte. War wohl doch nicht mein Stab. Zauberkraft hin oder her. Für Sammler und echte Harry Potter Fans, dürften die Zauberstäbe jedenfalls ein echter Knaller sein! Für mich tat es dann letztendlich auch simpler Einhornstaub vom nächsten Stand, an dem ich mir erstmal ein flauschiges Einhorn zur Brust nahm.

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Pew. Pew. Pew.

Auch für Nerf-Fans gab es auf der SPIEL einen großartigen Stand. Hier konnte man nicht nur eine neue Nerf-Gun testen und erwerben… nein! Man konnte sie sogar vor Ort noch tunen und modifizieren lassen. Interessant fand ich, dass das ganze öffentlich gemacht wurde, so dass jeder zuschauen konnte. Eigentlich sah das alles gar nicht so schwer aus… vielleicht versuchen wir uns ja demnächst mal an einem DIY? Wer weiß…

Mein Fazit

Die SPIEL’16 war für uns dieses Jahr sehr chaotisch und stellenweise auch frustrierend. Mir persönlich war es einfach zu voll und viele der Menschen waren einfach nur rücksichtslos, was mich immer leicht aggressiv macht. Gerade auf einer Messe, bei der es darum geht gemeinschaftlich (vielleicht auch mit Fremden) Spiele zu entdecken, anzufassen und auszuprobieren, finde ich das äußerst negativ. Für uns bedeutet das aber keinesfalls, dass die SPIEL’17 ausfällt – es bedeutet viel mehr, dass wir nächstes Jahr wieder an einem Sonntag fahren werden und darauf hoffen, dass weniger los ist.

Ansonsten ist mein Eindruck von der SPIEL insgesamt aber wieder sehr positiv. Ich mag das grundsätzliche Konzept und die Tatsache, dass man dort Spiele aus den verschiedensten Sparten anspielen und ausprobieren kann. Meistens dann auch unter fachkundiger Anweisung, was das Lesen der Spielanleitung unnötig macht und Zeit spart. Um einen ersten Eindruck von Spielen zu bekommen, ist eine Messe wie diese einfach viel Wert.

Wir hatten insgesamt einen schönen Tag und sind wieder mit einigen Spielen im Gepäck nach Hause gereist. Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen noch einmal tiefer in das ein oder andere Spiel einsteigen und vielleicht demnächst hier über die einzelnen Spiele berichten. Lasst euch überraschen!

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Mein Beruf ist die Mediengestaltung, meine Passion ist das Spielen! Wenn ich nicht gerade mit meiner Hündin die Welt erkunde und unsere Impressionen fotografisch für die Nachwelt dokumentiere, beschäftige ich mich liebend gern mit dem Bespielen von Konsolen und dem Entdecken neuer Gadgets und Gesellschaftsspiele.

  1. Die Spielemesse lohnt sich eigentlich immer!

    Nach Möglichkeit fahre ich immer Donnerstags hin, da ist es einfach noch am entspanntesten und mit ein bisserl Wartezeit kann man noch einiges anspielen. Ich kann auch nur empfehlen so um kurz vor 9 in Münster loszufahren, so dass man kurz vor 10 in Essen ist. Das angenehmste Parkhaus ist aus meiner Sicht P5 auf der Luxemburger Str., und dann Eingang Süd nehmen.

    • Hey,

      Danke für dein Feedback. Donnerstags und freitags sind bei uns arbeitstechnisch meist raus. Letztes Jahr war der Sonntag aber wirklich auch sehr leer. An einem Samstag würde ich definitiv nicht mehr fahren.

      Warst du dieses Jahr auf der SPIEL? Hast du Spiele anspielen können und kannst ggf. noch Spiele als absolutes „Must have“ empfehlen?

      VG, Nancy

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