Anova Precision Cooker Wi-Fi

Ist der Sous-Vide Trend eigentlich vorbei? Gefühlt gab es vor einiger Zeit einen Hype um diese Kochmethode. Interessiert hat es mich schon immer. Viele schwärmten von den Ergebnissen aber wenn man sich Sous-Vide Kochgeräte anschaut, wirken sie klobig und nehmen viel Platz ein.

Irgendwann stolperte ich bei Kickstarter über den Anova Precision Cooker und war von dem simplen Konzept beeindruckt. Ein größerer Tauchsieder mit integrierter Pumpe und Temperatursensor der sich an jedem beliebigen Topf befestigen lässt. Als Bonus ist er sogar App-gesteuert! Aber lohnen sich fast 200€ für einen Wassererhitzer? Kann Sous-Vide das rechtfertigen? Was ist Sous Vide überhaupt? Meine Reise in diese Welt möchte ich euch hier näher bringen.

Was ist Sous-Vide?

Als Sous-Vide bezeichnet man international das Vakuumgaren von Lebensmitteln. Euer Fleisch oder Gemüse wird in einem Kunststoffbeutel unter Vakuum eingeschlossen und bei Temperaturen unter 100° Celsius in einem Wasserbad gegart.

Auf Grund des vakuumierten Gargutes geht nichts verloren: Es verfliegen keine Aromen und das Wasser kann auch nirgendwo hin. Fügt man in die Beutel direkt die Gewürze mit hinzu können diese über die Garzeit gut einziehen.

Da sich mit dieser Methode aber bei Fleisch und Co keine Kruste bilden kann, wird es nach dem Garen in der Regel für wenige Sekunden scharf angebraten.

Soweit klingt die Methode vielversprechend. Dann wollen wir das Experiment mal wagen.

Die Hardware

In der Verpackung des Anova Culinary versteckt sich nicht viel. Das Gerät selbst, sowie eine Klammer um es an einem Topf oder anderem Behälter zu befestigen und eine Tabelle mit groben Temperaturangaben für unterschiedliche Fleischsorten, Fisch und Gemüse.

Das Gerät selbst besteht zum größten Teil aus Metall und das obere Ende fasst in stabilem Plastikgehäuse zwei digitale Segment-Anzeigen für die aktuelle und die Zieltemperatur ein, sowie ein berührungsempfindlicher Knopf zum starten und stoppen der Heizeinheit. An der Vorderseite findet man noch ein größeres Scrollrad wie man es von Computermäusen kennt, welches im eingeschalteten Zustand blau leuchtet. Hiermit kann die Temperatur eingestellt werden. Nichts klappert, das gesamte Gerät wirkt sehr massiv und wiegt auch entsprechend 1,1kg.

Auf dem Gerät befinden sich zwei Markierungen im Metallgehäuse die den minimalen und maximalen Wasserstand anzeigen. Ihr sucht euch also einen Topf der groß genug für euer Gargut ist, aber auch hoch genug um den Anova Culinary befestigen zu können und füllt ihn soweit mit Wasser, dass der Wasserstand sich zwischen den beiden Markierungen befindet. Zur Sicherheit melden Sensoren, wenn etwas mit dem Wasserstand nicht stimmt.

Es gibt keinen Ein-/Aus-Schalter. Ist der Stecker eingesteckt ist das Gerät eingeschaltet. Allerdings laufen weder Pumpe, noch Heizeinheit sofort los. Dafür muss erst noch auf „Play“ gedrückt werden.

Die App

Das wichtigste zuerst: Man ist nicht gezwungen die App zu nutzen!

Mit der Anova App verbindet sich euer Smartphone zuerst per Bluetooth mit dem Anova Precision Cooker um das Gerät schließlich in euer WLAN zu bringen.

Das praktische an der App: Sie enthält grundlegende Einstellungen der Temperaturen für verschiedene Fleischsorten und deren Gargrad. Das Steak lieber Medium oder Well-Done? Die App unterstützt euch hierbei. Das Problem: Es ist alles in Englisch. Temperaturen können zwar zwischen Fahrenheit und Celsius eingestellt werden, doch tut man sich teilweise schwer mit den Bezeichnungen bestimmter Fleischsorten aus den unterschiedlichen Regionen des entsprechenden Tieres.

Es gibt von Anova sogar noch eine kostenlose Kochbuch App, hier sind die Beschreibungen ebenfalls komplett in Englisch, was bei Gewürzen und Co auch nicht unbedingt jedermanns Sache ist. Viel schlimmer allerdings sind die Mengenangaben in den für die USA gewohnten „Cups“. Einige Autoren machen sich die Arbeit und schreiben noch passende Werte für unser metrisches System dazu. Für Marinaden und Co habe ich meist zu regulären Rezepten aus (Online-)Kochbüchern gegriffen und mich lediglich für die Temperaturen an der App orientiert.

Anova App

Von den beiden Apps aus könnt ihr schließlich die Zieltemperatur einstellen und von eurem Schreibtisch aus die Pumpe und Heizeinheit starten, sowie die aktuelle Temperatur einsehen. Ausserdem werdet ihr per Push-Nachricht informiert wenn die Zieltemperatur erreicht wurde oder der Kochvorgang abgeschlossen ist.

Das ganze funktioniert übrigens nur, wenn ihr euch im selben WLAN befindet wie der Precision Cooker. Leider kann man das Gerät nicht von unterwegs kontrollieren.

Let’s Cook!

Meine erste Wahl fiel auf Hühnerbrust am Knochen. Zieltemperatur wurde mir von der App mit eine Stunde bei 65,6°C angegeben. Also Kochtopf mit Wasser gefüllt, den Anova Precision Cooker angebracht und mit der App gestartet. Da der Vorgang etwas dauert und man das vakuumierte Gargut erst bei erreichter Zieltemperatur im Wasser versenkt werden soll, ging es erstmal wieder zurück an die Arbeit bis die App mich informiert hat, dass das Wasser warm genug ist. Das dauert je nach Start- und Zieltemperatur 15 bis 30 Minuten.

Also wieder ab in die Küche Etwas Salz und Pfeffer dran und in einen Ziploc-Beutel gepackt. Den Beutel beginnt man geöffnet in das Wasser zu senken. Durch den Druck des Wassers wird die Luft automatisch herausgedrückt und kurz bevor der gesamte Beutel im Wasser verschwindet wird er verschlossen. So benötigt man nicht noch eine extra Vakuumiermaschine.

Anova while Cooking

Jetzt heißt es warten. Nach der eingestellten Zeit von einer Stunde gab die App wieder laut und ich habe mich an die Beilage gemacht. Als diese fast fertig war, kam das Fleisch aus dem Topf und dem Beutel kurz in die Pfanne und wurde scharf angebraten um dem ganzen eine schöne Kruste zu verpassen.

Das Ergebnis was großartig. Ich habe selten, vielleicht noch nie zuvor, ein so saftiges Stück Hühnerbrust gegessen. Das erste Experiment war ein voller Erfolg.

Die Tage darauf folgten Steaks und ein Rinderbraten der 12 Stunden lang baden durfte, die ebenfalls ein absoluter Erfolg waren. Alle Kostenproben wurden von Familie und Arbeitskollegen positiv bewertet. Das Fleisch war jedes Mal schön saftig.

Demnächst werde ich auch nochmal weitere Rezepte wie z.B. Käsekuchen (Cheesecake), Gemüse und Pulled-Pork ausprobieren.

Der Kochbehälter kann übrigens stehen wo ihr möchtet. Ihr benötigt keinen zusätzlichen Herd. Ein Stromanschluss in der Nähe ist vollkommen ausreichend. Auch die Lautstärke hält sich in Grenzen. Der Anova Precision Cooker gibt lediglich ein leises Surren der Pumpe von sich.

Fazit

Ich bin vom Anova Precision Cooker sehr angetan. Für mich auch das ideale Gerät wenn man mit Sous-Vide kochen anfangen möchte. Für die Ergebnisse hat es sich schon gelohnt. Es ist einfach zu bedienen und man kann einfach seine Töpfe nutzten, die man in der Regel sowieso Zuhause zur Verfügung hat. Alternativ lassen sich sogar große Kunststoffbehälter nutzen.

Das größte Problem ist das Kochen für mehrere Personen. Wenn z.B. alle ihr Steak medium haben möchten ist alles super, aber wenn jemand es lieber well-done hätte gibt es schon ein Problem. Wie „durch“ das Fleisch ist wird durch die Temperatur vorgegeben, nicht durch die Dauer. Entweder müsste das jeweilige Steak vorher noch in den Ofen, wobei es aber nichtmehr Sous-Vide zubereitet wurde oder man benötigt einen zweiten Topf mit einem separaten Kocher.

Die saftigen Ergebnisse haben mich aber vollkommen überzeugt. Ob man aber 200€ ausgeben möchte muss man selbst entscheiden, mich hat es zumindest in der Kategorie Fleisch vollkommen überzeugt. Bei anderen Gerichten berichte ich hier gerne noch nachträglich darüber.

Wi-Fi und Bluetooth sind ein Gimmick, welches nicht unbedingt wichtig, aber praktisch ist. Oft genug habe ich vorab alles vorbereitet und aus dem Wohnzimmer oder vom Schreibtisch alles eingeschaltet und musste nur aufstehen und die Beutel in das Wasser legen als es die Zieltemperatur erreicht hat.

Für Thermomix-Besitzer übrigens die Info: Das Küchengerät von Vorwerk ist ebenfalls in der Lage Sous-Vide zu garen.

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es bei Anova auf der Webseite beim Einkauf 60€ Rabatt! Bei Amazon findet man Anova nur schwierig. Bei den Sous-Vide Garern dort finden sich aber zum Teil baugleiche Modelle ohne Bluetooth und Wi-Fi

Fragen und Anregungen gerne in die Kommentare.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters.
Informationen zu ethischen Grundsätzen.

5 Kommentare

  1. Jack Beauregard

    Dabke für den tollen Bericht, macht mich verdammt neugierig. Ich glaube ich schlage da auch zu, habe eh mit der Zubereitungsart geliebtäugelt.

    Nur das mit den Ziploc Beuteln war neu für mich. Man verschließt den also kurz bevor er ganz im Wasser verschwunden wäre? Das klappt dann mit dem Vakuum?

    • Hi,
      Ja, das klappt besser als gedacht. Du lässt die Beutel offen, bzw. ziehst ihn noch nicht ganz zu und senkst sie langsam in das Wasser, dass die Öffnung an der Luft bleibt. Und kurz vor dem Versenken schließt du den Beutel vollständig.
      Habe wirklich auch die Original ZipLoc Beutel von Toppits genommen, die hielten auch bei den 12h Test perfekt dicht.

      Es ist kein Ideales Vakuum wie mit einer Vakuumiermaschine, aber es erfüllte in meinen Tests auf jeden Fall seinen Zweck mehr als ausreichend. Die Methode wird auch in vielen Sous-Vide Rezepten oder sogar von Anova selbst als Alternative empfohlen.

    • Jack Beauregard

      Super, vielen Dank für die Info, ich werde es defintiv ausprobieren. Danke nochmals! Über weitere Erfahrungen würde ich mich freuen. Ich finde es einfach Klasse welche Bandbreite hier im Blog herrscht, habe schon gefühlt tausend und eine Anregung mitgenommen.

  2. Hallo

    Schöner Bericht. Ich benutze seit einiger Zeit ein ähnliches Gerät ohne App, habe mir aber dazu eine semiprofessionelle Vakuumiererschublade gegönnt. Dazu noch folgende Anmerkungen:
    Da (semi-)professionelle Vakuumierer eine Vakuumierleistung von bis zu 99.9% aufweisen, ist es ratsam, Rosmarin o.ä. Kräuter und Gewürze nicht direkt auf dem Fleisch in dem Beutel zu platzieren, sondern daneben, da sie sich sonst unschön ins Fleisch eindrücken. Etwas Öl oder wenig andere Flüssigkeit sogt dann für die Verteilung der Aromen im Beutel.

    Bei der Sous-Vide-Zubereitung von Gemüse wird mit höheren Temperaturen gearbeitet (bis zu 95 Grad). Da muss man darauf achten, spezielle kochfeste Beutel zu verwenden. Sie sind dicker und bestehen aus mehreren Kunststoffschichten, so dass bei höheren Temperaturen keine Stoffe aus dem Beutel ausdampfen und ins Gargut eindringen können.

    Und gut wäre noch, wenn man wegen des Wärmeverlustes den Sous-Vide-Kochtopf noch abdecken würde. Dann bleibt die Temperatur stabiler.

    • Hi Uli,
      Danke für deine Hinweise!
      Das mit dem Rosmarin sieht man auch an meinen Steak Fotos. Fand es mit dem Rosmarin aber ganz nett.
      Eine Abdeckung habe ich aktuell nur bei längeren Garzeiten genutzt, aber du hast Recht, es ist auch Stromsparender.

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