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Divinity: Original Sin Enhanced Edition

Bis vor kurzem hatte ich von der Divinity-Reihe noch gar nichts gehört, ist mit Original Sin doch nun bereits der fünfte Teil erschienen, der sogar zum Teil über Crowdfunding finanziert wurde und Mitte 2014 bereits für die drei großen Betriebssysteme erschien. Nun hat es das Spiel auf die aktuelle Generation der Videospielplattform gebracht und hat dafür auch direkt noch den Zusatz „Enhanced Edition“ verpasst bekommen. Und nachdem ich hörte, dass das Spiel ähnlich dem Klassenprimus Diablo 3 ist und demgegenüber sogar einen verbesserten Couch-Coop bietet, sollte dieses Spiel für mich ein Blindkauf sein. Ob das eine gute Idee war?

Divinity?

Die Reihe Divinity beginnt auf dem PC im Jahre 2002, wo Divine Divinity der erste Ableger der Reihe sein sollte. Trotz meiner langjährigen Spieleerfahrung, gerade im Rollenspielbereich, war die komplette Reihe bisher unter meinem Radar verblieben. So folgten 2004 das Rollenspiel Beyond Divinity (Windows), 2009 Divinity 2: Ego Draconis (Windows, X360), welches auch ein Rollenspiel war und 2013 der Echtzeit-Strategieableger Divinity: Dragon Commander (Windows, X360), bevor es 2014 zurück zu den Rollenspielwurzeln Divinity: Original Sin (Windows, OSX, Linux) ging.

Obwohl diese Spielereihe somit eine lange Tradition um die Fantasywelt Rivellon, einer Welt voller Drachen und Magie, besitzt, konnte ich mit Original Sin nun die ersten Schritte wagen. Wie passend, dass es sich bei diesem Teil um das Prequel zu Divine Divinity, dem ersten Kapitel der Reihe, handelt.

Divinity OS Adventure begins

Original Sin

Zu Anfang erfährt man nicht viel vom Spiel und dessen Hintergrundgeschichte. Deshalb werde ich diese kurz für Euch umreißen.

Ihr spielt zwei sogenannte Quellenjäger, Kämpfer auf der Jagd nach Anwendern verbotener Magie. Ja, ihr habt richtig gelesen, zwei Quellenjäger. Direkt zum Start können wir uns zwei Charaktere erstellen, die unserer, maximal 4 Personen starken Party angehören und auch beide von uns gespielt werden können, wobei natürlich nur ein Charakter zur Zeit unseren Befehlen gehorcht und der zweite Protagonist hinterher trottet. Doch wir sind nicht zwangsweise auf uns allein gestellt, denn das Spiel unterstützt Coop und so können wir auch mit einem menschlichen Partner sowohl online als auch auf der Couch, in diesem Fall im Splitscreen, gemeinsam in die Welt eintauchen.

In einer der Hauptstädte ist ein Mord mittels verbotener, dunkler Magie passiert, den unsere beiden Charaktere natürlich auch aufklären und den Mörder der Gerechtigkeit zuführen sollen. Leichter gesagt als getan, denn was nach einem simplen Ziel klingt verstrickt sich mit fortlaufender Spielzeit in eine immer umfangreichere Geschichte rund um eine große Bedrohung, der es gilt die Stirn zu bieten. Dabei werden wir nicht, wie heutzutage gewohnt, an die Hand genommen und immer wieder auf den richtigen Weg geschubst. Stattdessen verhält sich Divinity: Original Sin sehr klassisch und lässt Euch alle Freiheiten innerhalb der wirklich sehr großen Spielwelt. Wer sich nun an dieser Stelle schon über die offene Welt freut, sei nur kurz gewarnt. Dies kann auch negative Seiten haben, denn so könnt ihr auch ganz schnell Gegnern in die Hände fallen, die mit Euch kurzen Prozess machen. Solltet die Gegner nicht Euer Problem werden, so könnt Ihr Euch an den unzähligen Nebenquests und -geschichten erfreuen. Wer nun an die üblichen „Sammel 5 Äpfel/Birnen/Brote/Gegnerköpfe/etc. und bringe Sie Granny Ladis“ denkt, wird auch hier wieder im positiven Sinne enttäuscht. Die Quests bieten große Abwechselung und bestechen mit Charme und einer guten Prise Humor. Humor erwartet uns in einem gesunden Maße durchweg im ganzen Spiel, denn wer erwartet schon einen Kampf mit Roboterhühnern oder Schneemännern?

Divinity OS Tactical Fight

Auf in den Kampf!

Das Kampfsystem ist in meinen Augen eine Klasse für sich. Erwartete ich noch vor dem ersten Einlegen des Spiels ein Hack & Slay System musste ich diese Erwartung auch ganz schnell beiseitelegen, denn falscher konnte ich nicht liegen. Das Spiel besticht durch ein sehr ausgeklügeltes und taktisches Kampfsystem auf Rundenbasis, welches nahtlos aus der Expedition in Echtzeit hervorgeht, sobald wir auf einen Gegner treffen. Mittels Aktionspunkten führen wir mit unseren Charakteren Handlungen wie Bewegung, Zauber, Angriff oder Nutzung von Gegenständen aus. Diese können bzw. müssen taktisch klug eingesetzt werden, um den Sieg davonzutragen. Die dynamische Umgebung kann den geschickten Strategen jedoch hervorragend unterstützen. So vollführen zB. Elektrizitätszauber gegen Gegner, die in Pfützen oder Gewässer stehen wahre Wunder, nicht nur bei den Monstern, auch bei der Umwelt. Wenn unsere Helden in der Schlacht stehen, merkt man dies der Umgebung nach kurzer Zeit an, denn was eben noch eine grüne Wiese war, verwandelt sich schnell in ein Schlachtfeld, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Generell zeigt sich vieles um die Charaktere in unterschiedlichen Arten sehr veränderbar. Wenn Ihr zB durch ein Tor wollt, bleibt es Euch überlassen, ob ihr das Schloß geschickt knackt oder mit dem bulligen Kopf voran einfach durch das Tor hindurchbrecht. Auch Gegenstände wie zB Fässer und Kisten lassen sich anheben, abstellen, werfen und/oder zerstören. Eine erfrischende Abwechslung zum linear designten Einheitsbrei anderer Spiele.

Divinity OS Areal

Diskussionsbedarf

Doch in einem echten Rollenspiel ist der Kampf ja eigentlich immer nur schmückendes Beiwerk. Story und Charakterentwicklung stehen eigentlich immer im Vordergrund und auch hier kann Divinity: Original Sin punkten. Die Story wird von Spielstunde zu Spielstunde größer und kann mit ca. 60 Stunden für die Kampagne veranschlagt werden, wobei dies nur den Hauptstorystrang ohne die unzähligen Nebenmissionen bemisst. Dabei müsst Ihr immer wieder Entscheidungen treffen, die sich auch im Spiel auswirken, wobei dies keine so großen Tragweiten hat, wie es zB. ein Witcher 3 vorgemacht hat. Dafür haben diese Entscheidungen auch Auswirkungen auf die Charakterentwicklung, die auch sehr umfangreich gestaltet ist und so die Möglichkeit gibt, beide Charaktere in unterschiedliche Richtungen zu entwickeln, was natürlich immer wieder für Diskussionen untereinander sorgt. Können sich die beiden Protagonisten an einer Stelle nicht einig werden, so wird mittels Stein, Schere, Papier die Entscheidung ermittelt. Ein durchaus witziger Ansatz um abschließend schnell eine Entscheidung herbeizuführen. Schnell geht sonst nämlich eher selten, schließlich erwarten die Kämpfe durchdachten Einsatz der Aktionspunkte, die langen, komplett in Deutsch vorhandenen, Texte wollen gelesen und viele weite Strecken gelaufen werden. Gerade letzteres kann zu Beginn des Spiels frustrieren, denn die Spielwelt ist groß, die Wege weit, das Schritttempo eher Schneckentempo und die Schnellreisepunkte noch in nur geringer Anzahl vorhanden.

Divinity OS Text

Enhanced Edition?

Im Gegensatz zum 2014er Original erhalten wir in der Next-Gen Konsolenfassung eine komplette englische Vertonung – nichts ausschlaggebendes, sondern eher nettes Beiwerk. Die frei drehbare und verbesserte Kameraführung, das komplexere und erweiterte Charaktersystem macht sich da schon deutlicher beim Spielen bemerkbar.

Ganz und gar nicht Enhanced ist dafür die Grafik, der man meiner Meinung nach schon deutlich die vergangene Zeit ansieht, was jedoch den wirklichen Rollenspieler nicht weiter stört. Gewünscht hätte ich mir noch ein paar freie Änderungen am Interface, sozusagen einen Editor um das HUD sowie die Inventar-/Charakterfenster einmalig platzierbar zu machen. Dies war meiner Recherche nach im begrenzten Maße in der Computerversion möglich, schaffte jedoch nicht den Sprung auf die Konsole.

Divinity OS Interface

Fazit

All die genannten Faktoren machen deutlich, dass es sich bei Divinity: Original Sin Enhanced Edition um ein doch recht klassisches Rollenspiel mit allen seinen Vor- und Nachteilen handelt. Wer also auf ein RPG für Anfänger hoffte, wird hier sehr schnell frustriert die Flinte ins Korn werfen – zu niedrig der Komfort, zu groß der Anspruch. Wer jedoch Lust auf Taktik sowie Erkundung und Ausprobieren der Umgebung hat, der kann mit dem Spiel sehr glücklich werden und eine Zeitreise in die goldenen Rollenspielzeiten erleben. Story- und Questdesign sind stimmig und machen Lust auf mehr, so dass Abstriche bei der Grafik verschmerzbar sind.

Divinity: Original Sin Enhanced Edition gibt es für die PS4 und Xbox One bei Amazon für 35€ – 40€ und im digitalen Store von Sony und Microsoft zu kaufen.

– Gestestet wurde die Playstation 4 Version –

Kanntet Ihr die Divinity-Reihe? Habt Ihr das Original gespielt? Was haltet Ihr von Rollenspielen dieser Art?

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Sven Schmidt

Hi, ich bin Sven, Baujahr 81, wohne im Umland des schönen Hamburgs und würde mich wohl selbst Geek nennen. Ich bin Videospiel-addicted seit dem GameBoy, Fan von Apple seit einem iPhone 3G, fasziniert von Gadgets aller Art und bezeichne mich selbst auch gern als Film- und Serienjunkie.