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EA SPORTS Rory McIlroy PGA Tour

Nach einem Jahr Pause und der Auswechslung des Coverhelden hat EA Sports mit Rory McIlroy auf dem Cover einen Neustart der virtuellen Golfspiele auf der aktuellsten Konsolengeneration mit PGA Tour gewagt. Electronic Arts verspricht Golf ohne Grenzen durch die Frostbite Engine und will damit eine neue Generation des virtuellen Golfspiels einleiten. Also ist es jetzt wirklich an der Zeit zu überprüfen, ob EA SPORTS Rory McIlroy PGA Tour die Euphorie des perfekten Schlags tatsächlich rüberbringt.

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Vielleicht kennst du das Gefühl aus FIFA: du hast das Gefühl, alles richtig zu machen. Alles läuft nach Plan. Du störst den Gegner im richtigen Moment beim Dribbling im Sturm, deine Verteidigung geht voll auf. Der Konter übers Mittelfeld läuft wie am Schnürchen, der Pass in den Sturm kommt perfekt an, du bist kurz vor dem Strafraum, lässt die Sprinttaste los und musst nur noch mit einem flachen Vollspannschuss verwandeln … und der verdammte Ball knallt mit voller Wucht an den Pfosten, geht übers Tor oder der Torwart hat plötzlich ein Jetpack, das ihn völlig unnatürlich den Schuss halten lässt! Das ist der Moment, in dem man seinen Controller am liebsten wegschmeißen will und laut schreiend vom Sofa aufspringt und den Bildschirm anbrüllt.

Und exakt dasselbe Gefühl bekomme ich bei einem so friedlichen, erholsamen Videopiel wie Golfen in Rory McIlroy PGA Tour. Nachdem ich das Fairway perfekt überwunden habe, weder im Rough, geschweige denn in einem Bunker gelandet bin und mit einem idealen Pitch den Ball weniger als 10 Fuß auf dem Green vor die Fahne schlage und den einfachen Putt verhaue und der Golfball haarscharf vor dem Loch liegenbleibt und partout nicht noch den letzten Inch reinkullert, möchte ich glatt in den Controller beißen! Von einem echten Golfplatz würde ich nach meinem FIFA-Spieler-ähnlichen-Ausraster wahrscheinlich höflich vor die Türe geleitet werden. Zum Glück stehe ich nur daheim mit hochrotem Kopf vor dem Fernseher, vor dem ich nicht mal zehn Minuten vorher noch einen Birdie bejubelt habe und meine Freundin schaut kopfschüttelnd durch die Türe. Das schon mal vorweg: EA SPORTS verlangt mir persönlich mit Rory McIlroy PGA Tour eine enorme Ladung an Emotionen ab.

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EA SPORTS Rory McIlroy PGA Tour ist bereits seit dem 16. Juli 2015 zeitgleich zum 2015 Open Championship in den Handel für PlayStation 4 und Xbox One gekommen, letztere Version durfte ich testen. Die Sportsimulation vom Entwicklerstudio EA Tiburon nimmt knapp 27 GB auf den Festplatten der Konsolen ein. Zum ersten Mal seit 1998 ist nicht mehr Tiger Woods, sondern der nordirische Profi und zum Release tabellenführende Rory McIlroy Namenspatron und Cover-Star. Es gibt ausschließlich englische Sprachausgabe und englische Untertitel. Alle Plätze werden dank der Frostbite 3-Engine einmalig geladen und es gibt anschließend keine weiteren Ladezeiten zwischen den einzelnen Schlägen, oder sie wurden mit sehr schönen Animationen vertuscht. Und tatsächlich sehen die Plätze und die gesamte Natur wirklich wahnsinnig schön aus. Dennoch ist es mir ein Rätsel, warum die aus FIFA oder anderen EA Sports Games bekannte Ignite-Engine nicht verwendet wird, sondern wegen der Landschaftsgestaltung der von Dice für den Shooter Battlefield erstellte Unterbau zum Einsatz kommt. Auch wenn EA dadurch scheinbar neben ursprünglich acht authentischen Kursen wie dem Austragungsort der U.S. OPEN 2015 Chambers Bay, PGA Tour auch zum Teil ungewöhnliche Fantasieplätze bietet, wie zum Beispiel Paracel Storm, der auf einer Map aus eben diesem Battlefield 4 beruht.

Shot und Swing Lessons

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Zu Beginn wird man von einem Prolog in die Welt des Golfs eingeführt und lernt die drei unterschiedlichen Spielstile Arcade, Classic und Tour kennen. In dem Tutorial kann man die unterschiedlichen Varianten erlernen und trainieren. In Arcade wird eine einfache analoge Schwungmechanik, die mit dem linken Thumbstick ausgeführt und über Länge und Stärke des Abschlags entscheidet, verwendet. Dazu kommen Boni wie Power-Boost, Spin oder ein Zielbogen um das Ganze zum einsteigerfreundlichsten Spielspaß zu machen. Bei Classic wird die Länge und Präzision der Schläge mit einer 3-Klick-Anzeige gesteuert, die man schon in vielen älteren Spielen aus der Anfangszeit der virtuellen Golfspiele kennt. Durch den ersten Knopfdruck startet man den Aufladebalken, durch erneuten Druck wird die Stärke bestimmt, der letzte Druck auf den Button bestimmt die Präzision. Der Spin des Golfballs kann im Gegensatz zum Arcade-Modus nachträglich nicht mehr beeinflusst werden. Die Tour-Steuerung will ein möglichst authentisches Gefühl mit voller Kontrolle bieten. Die Länge des Rückschwungs mit dem Stick und das Tempo des Durchschwungs bestimmen die Schlagstärke. Je gerader die mit dem Analogstick beschriebene Linie ist, desto präziser ist der Schlag. Nachträgliche Hilfen sind natürlich nicht implementiert. Allerdings kann man sich aus allen Elementen auch einen eigenen Spielstil selbst zusammenstellen.

Prologue „Rory’s U.S. Open“

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Hat man die Shot und Swing Lessons genug ausprobiert und trainiert, muss man sich für einen Spielstil entscheiden und kann dann mit dem Kurzspiel „Rory’s U.S. Open“ den Prolog abschließen. In diesem Schnellrunden-Feature absolviert man keinen kompletten 18-Loch-Kurs, sondern wiederholt einzelne Stationen der echten U.S. Open im direkten Zweikampf gegen den Sieger der U.S. Open 2014 Martin Kaymer. Basierend auf dem echten Spiel werden die dazwischenliegenden Abschnitte für die Punktetabelle korrekt simuliert. Zunächst bekommt man noch helfende Tips, doch nach und nach ist man immer mehr auf sich selbst gestellt. Zwischen den einzelnen Spielabschnitten bekommt man Interviewantworten des Profis in echten Videoszenen präsentiert, wie er die damalige Situation empfunden hat. Das bietet einen sehr authentischen Blick hinter die Kulissen des professionellen Golfsports. Die letzten beiden Löcher des Turniers liegen dann aber voll mir in meiner eigenen Verantwortung und ich habe den restlichen Spielverlauf frei in der Hand und kann letztendlich entgegen dem echten Ergebnis doch noch mit dem Cover-Helden Rory McIlroy gewinnen oder scheitern. Diese Herausforderung kann man auch später immer wieder starten.

Spielmodi

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PGA Tour bietet nach dem Relaunch unter der neuen Engine einen verkleinerten Umfang, einen beschränkteren Charaktereditor, weniger Plätze, nur noch männliche Tour-Spieler und auch nicht so viele Spielmodi. Nichts desto trotz hat das Spiel mit dem neuen Karrieremodus PGA Tour Pro Career und der Arcademodus im Discoambiente EA Sports Night Club Challenge einiges an Spielspaß zu bieten. In diesen Modi lässt sich der selbst erstellte Spieler durchaus sehr lange verbessern und ausgiebig aufleveln. Darüber hinaus lassen sich in Play Now mittlerweile 14 komplette Golfkurse über alle 18 Löcher meistern, mit einer Auswahl aus 17 unterschiedlichen Golfern, die entweder zwölf realen Profis nachempfunden sind oder verschiedenen Fantasiewelten entspringen. Und wer nach anderen Herausforderungen mit anderen Onlinespielern sucht, kann entweder im Head2Head den direkten Vergleich mit bis zu 3 Kontrahenten oder in täglichen und wöchentlichen Online Tournaments um einen Tabellenplatz antreten.

PGA Tour Pro Career

Mir hat es besonders die PGA Tour Pro Career angetan. Das aus dem Prolog bekannte und bereits zuvor erwähnte Schnellrunden-Feature kommt hier an den vier aufeinanderfolgenden Spieltagen eines kompletten Tourniers erneut zum Einsatz. So lässt sich jedes Turnier in relativ kurzer Zeit abschließen. Hierbei werden erneut die übersprungenen Löcher für eine authentische Herausforderung simuliert. Ein Turnier folgt dem nächsten und mit jeder Runde verbessert man seinen Charakter und spielt Bonusverbesserungen frei. Man muss sich dabei auch gar nicht selbst mit Erfahrungspunkten und deren Verteilung auseinandersetzen, verbessert wird nur, was in den gemeisterten Turnieren tatsächlich auch so umgesetzt wurde. Bei den zahlreichen Punkten, von denen mir nicht mal direkt klar ist, welche Auswirkungen sie haben werden, bin ich persönlich froh, dass ich mich um die Verteilung nicht selber kümmern muss. Dazu kommt, dass man dadurch auch mal schnell zwischendurch eine kurze Partie innerhalb einer halben Stunde einlegen kann, wenn man nicht gerade einen kompletten Kurs mit zwei Stunden Zeitaufwand absolvieren möchte.

Play Now

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Man kann sich jedoch auch jederzeit unter Play Now einen gesamten Kurs nach eigenen Vorlieben oder Herausforderungen für den favorisierten Pro oder eigenen Golfer zusammenstellen. Hier lässt sich so ziemlich alle vorkonfigurieren. Alle 14 bisherigen Plätze stehen zur Auswahl. Will man nur die ersten Neun, die letzten Neun oder alle 18 Löcher spielen? Die Variante des Tees, die Tageszeit, der Zustand des Platzes, die Windrichtung und -stärke lässt sich auswählen. Zu guter Letzt muss man nur noch wissen, ob man alleine oder mit bis zu drei weiteren Mitspielern im Zählspiel (Stroke Play) oder zu Zweit im Lochspiel (Match Play) nacheinander über das Fairway schlagen will.

Head2Head

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Im Head2Head Modus gestaltet sich der Spielablauf exakt wie eine Onlinevariante von Play Now, mit dem Unterschied, dass man nicht nacheinander, sondern gleichzeitig innerhalb weniger Minuten antritt. Spannend ist dabei, dass man den Gegner oder seinen fliegenden Ball gelegentlich auf dem Platz sieht. Man kann sowohl an gewerteten als ungewerteten Spielen teilnehmen oder selbst ein ungewertetes Spiel erstellen, jeweils unter eigenen Vorgaben. Der Spielstil ist hierbei entscheidend. Hat man sich für den Style Arcade entschieden, tritt man nur gegen Gegner des selben Stils an. Ebenso bei Classic oder Tour, die individuelle Zusammenstellung des Spielstils (beispielweise mit Hilfen) wird online nicht unterstützt. Allerdings musste ich feststellen, dass es mittlerweile so lange nach Release relativ schwer ist, jederzeit online Mitspieler zu finden.

Online Tournaments

Darüber hinaus gibt es noch die Online Tournaments, die mit unterschiedlichen täglichen und wöchentlichen Herausforderungen aufwarten. Hat man gestern noch eine der täglichen Herausforderungen gemeistert, kann die nächste schon ganz anders sein und dem eigenen Spielstil gar nicht entsprechen. Da lohnt es sich vielleicht auch mal eine Herausforderung auszulassen (hätte ich bloß mal auf meinen eigenen Ratschlag gehört). Wer es unbedingt aufs Leaderboard schaffen möchte, keinen direkten Zweikampf bevorzugt und sich so viel Zeit wie möglich lassen will, ist hier richtig aufgehoben. Mir persönlich gibt der Modus irgendwie gar nichts.

 

Fazit

Etwas mehr Freiheit hätte ich mir definitiv bei der Charaktererstellung gewünscht. Der Editor ist sehr dürftig und ermöglicht nur das Zusammenstecken einiger verschiedener Köpfe mit einer von vier Körperformen. Dafür wird eine gigantische Auswahl an freispielbaren Schlägern, Schäften, Griffen, Bällen, Shirts, Pullundern, Shirts, Kappen, Handschuhen, Hosen und Golfschuhen zum Freischalten geboten. Die Plätze sehen wirklich wundervoll aus und auch der Arkade-Modus Night Club Challenge bringt ein ganz eigenes Spielgefühl mit Neonlicht in einer Discoatmosphäre gepaart mit einer Schwarzlicht-Golfbahn mit sich. Gelegentliche Pop-Ups bei sehr weiten Schlägen oder ein seltenes Kantenflimmern finde ich indes nicht störend, auch wenn beides ab und zu auftritt.

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Auch die Soundgestaltung ist absolut wundervoll. Die beiden englischsprachigen Moderatoren vom Golf Channel sind sehr unterhaltsam und absolut nie störend. Auch wenn man sich gelegentlich über die Kommentare ärgert, wenn sie einem die eigenen Fehler noch mal unter die Nase reiben, wenn man eine Schlag regelrecht verkackt hat. Die musikalische Untermalung muss ich tatsächlich nochmal separat erwähnen: sie ist herausragend. Es werden viele unterschiedliche Musikstile situationsabhängig eingeblendet und es klingt immer passend. Auch hier unterscheidet sich der Arkade-Modus wieder von dem sonstigen Spiel mit einer eigenen Playlist, die deutlich den Disco-Lounge-Charakter unterstreicht.

Wie schon erwähnt, ist Rory McIlroy PGA Tour ein Relaunch der Serie auf den beiden aktuellen Konsolen PS4 und Xbox One. Und durchaus hatte der direkte Vorgänger von allem mehr. Aber er ist auf der aktuellen Konsolen-Generation nun mal nicht verfügbar. Alternativen bieten nur der etwas dürftige Simulator The Golf Club für erfahrene Golfer und das Xbox One exklusive Arkade-Spiel Powerstar Golf. Rory McIlroy PGA Tour ist dagegen etwas für jeden, der Spaß an dem virtuellen Golfspiel hat und keine Vorgängerkonsole mehr in seinem TV-Rack hat. Ich habe wirklich extrem viel Freude an Rory McIlroy PGA Tour und es entfesselt bei mir wahnsinnig starke Emotionen. Ich habe in diesem Jahr noch bei keinem anderen Spiel so viele Wutausbrüche oder Freudentaumel durchlebt. Von mir gibt es für jeden Golfliebhaber und Minigolfspieler eine absolute Kaufempfehlung für das Spiel.

Rory McIlroy PGA Tour bekommst du bei Amazon für die Xbox One für unter 45,00€, für die Version der PlayStation 4 bei Amazon sind es knapp unter 55,00 €. Als digitalen Download musst du gleich 69,99 € auf den virtuellen Kassentresen blättern.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

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