Search and Hit Enter

Forza Horizon 4

Forza Horizon 4 ist der vierte Teil der Open-World-Reihe von Playground Games und Turn10 und wurde von Microsoft Studios am 2. Oktober 2018 für Xbox One und Windows 10 veröffentlicht. Dieses Mal führt uns das Rennspiel ins virtuelle Großbritannien und beschert uns als auffälligste Neuigkeit die vier Jahreszeiten im wöchentlichen Wechsel. Und das soll Spaß machen?

Bisher hatte ich mit keinem Horizon-Teil mehr Spaß als mit dem Zweiten, obwohl auch der letzte Teil viele fantastische Elemente, Strecken, Regionen und auch einige Verbesserungen hatte. Für mich ist es jetzt in Großbritannien wie zuvor in Australien noch unkomfortabel, mich auf den Linksverkehr einzustellen, was allerdings nur in der freien Welt und im Modus der Straßenrennen Relevanz hat. Ansonsten gibt es wirklich kaum etwas zu bemängeln an dem Teil des Spiels.

Jetzt fragt ihr euch sicher, warum es dann so wahnsinnig lange gedauert hat, dass jetzt erst diese Review erscheint. Und natürlich ist diese Frage absolut gerechtfertigt. Es gibt exakt drei Gründe, woran das lag:

  • Ich habe das Spiel erst eine gewisse Zeit nach dem Release erhalten.
  • Als ich endlich das Notwendige freigespielt hatte, um mit anderen zusammen die Online-Funktionen zu spielen, war keiner aus meiner kleinen Freundesliste mehr in FH4. (Zu viele Releases wie in jedem Herbst.)
  • Ich habe mich nicht nur während der Anfangsphase in diesem Spiel verloren als es eventuell clever gewesen wäre, möglichst schnell den Online-Modus freizuschalten, sondern auch danach. Aber ich bereue keine einzige Sekunde.

Denn dieses Spiel ist so atemberaubend, macht so wahnsinnig Spaß, fordert und entspannt in einer Kombination, die an Perfektion grenzt.

Gerade bin ich noch mit einem Offroad-Buggy am Strand lang gebrettert und über Dünen gesprungen, schon fahre ich mit einer Mittelklasse-Limousine durch die City von Edinburgh, knatter im nächsten Rennen in einem Oldtimer durch wunderschöne Landschaften oder krache mit einem Pickup durch die Wälder um im nächsten Moment mit einem Supercar mit weit über 300 km/h über den Motorway zu jagen. Das Ganze passiert in einer gefühlten Viertelstunde, tatsächlich habe ich aber über sechs Stunden meinen Controller nicht aus der Hand gelegt. Der Wechsel der unterschiedlichen Musiksender, die unterschiedlichen Geschwindigkeiten, die tollen Landschaften, das großartige Sounderlebnis machen aber nur einen Teil der enormen Sogwirkung dieses Teils aus.

Denn neben zahlreichen verschiedenen Disziplinen, mehreren hundert Fahrzeugen, Einstellungsmöglichkeiten, Tuningoptionen, Lackierungen und Upgrades gibt es auch jede Menge freizuspielen, zu entdecken und auszuprobieren. Nie fühlt es sich richtig an, zu ignorieren, wenn das Spiel einem sagt, dass man mit Leichtigkeit gewinnt und ein höherer Schwierigkeitsgrad angeboten wird. Der erste Platz ist erst dann befriedigend, wenn man ihn sich hart erkämpft hat.

Leider gibt es hierbei auch die größten Mankos. Zum einen ist gelegentlich ein gewisser Gummibandeffekt deutlich spürbar und fühlt sich je nach Situation falsch oder unfair an, zum anderen ist der Schwierigkeitsgrad teilweise nicht nachvollziehbar. Grade habe ich noch die Einstellungen erhöht, weil ich mir mehr zugetraut habe, da krieche ich beim nächsten Rennen auf dem vorletzten Platz ins Ziel, weil ich plötzlich keine Schnitte mehr habe. Nach mehreren Fehlschlägen versuche ich es nur eine Stufe leichter und brettere fast konkurrenzlos als Erster durchs Ziel. Mal passt die Stufe, mal nicht, mal finde ich einfach nicht die richtige Balance.

Nichtsdestotrotz ist das Drivertar-System von Forza Horizon 4 wie in den Vorgängern grandios für eine KI. Auch das Fahrgefühl passt fantastisch. Die Fahrzeuge klingen zudem auch noch einfach realistisch. Oft habe ich mich dabei ertappt, wie ich das Radio ausgemacht habe und die unterschiedlichen Kamerapositionen des Spiels genutzt habe, um das jeweilige Auto von innen und außen mit seinem Klang zu genießen. Und wer Lust hat sein Traumauto perfekt in Szene zu setzen, wird sich im Fotomodus bis zur Ekstase austoben können. Allerdings ist Forza Horizon 4 nichts für reine Schönwetterfahrer. Denn wöchentlich wechselt die Jahreszeit. Aber jede Woche bietet ihren eigenen Reiz. Und manche Orte sind nur erreichbar oder manche Rennen nur möglich, weil beispielsweise nur im Winter der eine oder andere See zugefroren ist.

Ich habe schon zu Beginn erwähnt, dass ich leider nie die Gelegenheit hatte gemeinsam mit Freunden den Online-Modus zu erkunden. Allerdings kann ich ganz klar sagen: bis auf den Koop-Rennmodus stört das zu keinem Zeitpunkt. Man kann jederzeit mit anderen aktiven Spielern die unterschiedlichen Modi in vollen Zügen genießen. Nur die Unterhaltung, das gemeinsame Erlebnis oder gegenseitiges Ärgern oder Helfen fehlt dabei.

Absolut überflüssig am Spiel ist die rudimentäre Fahreranpassung mit den viel zu umfangreichen Kostümen. Man hat wirklich absolut nichts von Klamotten, Gesten oder Hupen beim Renngeschehen. Mir ist es egal, ob ich als einer von etwa zwanzig Charakteren in silbernen Cowboystiefeln, Badehose, Smoking und Zylinder bei einem Sieg dabbe oder ein Tutu, einen Kapuzenpulli, eine Baseball-Cap und glitzernde Sneakers trage. Eine ganz nette Neuerung sind dagegen die eigenen Häuser, die man erwerben kann und dort quasi einen eigenen Festivalzugang mit Fuhrpark und Autosalon erhält. Einige Häuser schalten zusätzliche Perks frei.

Was für mich ist es auch wirklich zuviel des Guten, dass ich Boni pro Fahrzeug freischalten kann. Oder muss. Das war im Vorgänger übersichtlicher und einfacher. Und nötig ist es auch nicht. Da hätte ich mir eher noch ein paar der lustigen Schaurennen gewünscht. Das ist etwas wenig für meinen Geschmack. Dafür haben mir die Kampagnen beispielsweise als Stuntfahrer für Filmaufnahmen wirklich gut unterhalten. Was ich auch im Vorgänger wirklich schon nervig fand, ist nicht die enorme Menge an Bonustafeln, sondern die teilweise unerreichbaren Orte. Auf Häuserdächern, in Baumwipfeln, Steinformationen, in den Bergen – überall treffe ich auf Tafeln, für die ich selbst mit einem geeigneten oder sogar notwendigen Fahrzeug kaum, gar nicht oder nur nach gefühlten einer Million Versuchen durch Zufall erreiche. Herausforderungen in allen Ehren, aber das ist mir teilweise zu nervig und frustrierend.

Jetzt muss ich aber eine Vollbremsung machen und anschließend mit einem der grandioses Drift-Karren von Hoonigan und dessen Gründer Ken Block davonheizen. Es gibt nicht viel mehr zu sagen. Wer Autos mag, ein Rennspiel haben möchte, eine Xbox oder Windows 10 hat, muss das Spiel haben. Wer beides besitzt, sollte wegen des Features von Play-Anywhere über die digitale Variante nachdenken. Egal ob man einen Arcade-Racer möchte oder Rennsimulationen bevorzugt, Forza Horizon 4 beherrscht beides. Die vielen Fahrzeuge in einer tollen Auswahl inklusive der mittlerweile zwei Cockpit-Ansichten sind wundervoll gestaltet, die Strecken sind abwechslungsreich, es gibt massig zu tun ohne es repetitiv oder langweilig werden zu lassen, der Sound und die Grafik sind absolut toll. Für mich ist Forza Horizon 4 mit enormen Abstand das Spiel des Jahres. Und jetzt muss ich mich entschuldigen, es ist in dieser Woche grade Winter und ich will über zugefrorenen Seen driften und die sonst unerreichbaren Inseln erkunden. Gebt Gummi und der Drivartar vor euch, das ist meiner!

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

No Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.