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Grim Fandango Remastered

Als LucasArts 1998 Grim Fandango auf den Markt brachte, war ich gerade einmal 12 Jahre alt. Ich war ein paar Jahre älter, als ich diesen Klassiker – neben anderen LucasArts Spielen, wie beispielsweise der Dauerbrenner-Reihe Monkey Island – für mich entdeckte. Seit 27. Januar gibt es nun die „aus-alt-mach-neu“-Remastered Version, die es erstmals auch für eine Konsole gibt.

Entwicklung 1998 und 2015

Grim Fandango war eines der ersten Spiele, bei dem die Neuentwicklung GrimE mit der Scriptsprache Lua verwendet wurde und außerdem das letzte eigenständige Adventure von LucasArts. Erstmals in der Geschichte der LucasArts Spiele steuerte man den Charakter nun nicht mehr mit der Maus in einer 2D-Welt, sondern mit der Tastatur in einer 3D-Welt. Aber gerade diese Modernisierung des klassischen Point&Click-Adventures sorgte bereits damals für große Unruhe unter den Abenteuer-Fans und das Spiel floppte kommerziell. Unter anderem führte man dies auf schlechtes Marketing zurück, da es versäumt wurde den Spielern die Grafik und die Steuerung nahezubringen. Dennoch fand Grim Fandango vor allem in den Jahren danach – hauptsächlich aufgrund der außerwöhnlichen Story und des schrägen Humors – eine große Anhängerschaft und erfreut sich auch heute noch bei Fans großer Beliebtheit.

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Ende Januar 2015 wurde nun die Grim Fandango Remastered Version veröffentlicht und neben einer PC, Mac und Linux Version auch erstmals für die Playstation 4 und die PS Vita auf den Markt gebracht. Das Remake verdanken wir niemand geringerem als Tim Schafer (Firmengründer von Double Fine) der in der klassischen Version bereits für LucasArts die Feder geführt hat und unter anderem auch Kult-Spiele wie Day of the Tentacle entwickelte!

Übrigens

Die GrimE-Technik findet man auch bei Monkey Island 4, das ebenfalls für große Diskussionen sorgte, als es auf den Markt kam. Ich persönlich finde die Tastatur-Steuerung in einer 3D-Welt gewöhnungsbedürftig aber grundsätzlich nicht schlecht. Wenn man sich erst einmal daran gewöhnt hat, funktioniert alles. Dennoch gehört vom ArtDesign und der Steuerung Monkey Island 3 (Mausbedienung in einer detailreichen 2D-Welt) zu meinen unangefochtenen Lieblingsspielen! 

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Story

Wir schlüpfen in die Rolle von Manuel „Manny“ Calavera, der im Reich der Toten als Reisebegleiter arbeitet. Zu Lebzeiten hat Manny nicht genug gute Taten vollbracht und muss nun anderen frisch Verstorbenen Reisetickets in die Ewigkeit verkaufen, bis er selbst irgendwann die Reise antreten darf. Doch sein cholerischer Chef und sein Rivale Domingo macht Manny das Leben schwer: denn immer bekommt Manny die wirklich uninteressanten Kunden. Manny beschließt daraufhin Domingo um eine Luxus-Kundin zu prellen und verkauft ihr versehentlich ein falsches Ticket. Die Ärmste macht sich fälschlicher Weise zu Fuß auf den Weg in die Ewigkeit und verschwindet plötzlich spurlos. Manny fackelt nicht lange und begibt sich auf die Suche nach ihr, um seinen Fehler zu korrigieren. Zusammen mit dem freundlichen Glottis beginnt für Manny ein aufregendes Abenteuer rund um Verrat und Korruption, das vier Jahre dauern wird.

Übrigens

Wenn der Spieler längere Zeit keine Befehle mehr eingibt, zündet sich Manny eine Zigarette an und überbrückt so die Wartezeit. Im Handbuch zum Klassiker von 1998 wird der regelmäßige Tabak- und Alkoholkonsum der Figuren mit den Worten kommentiert: „Alle Figuren in diesem Spiel rauchen. Alle Figuren in diesem Spiel trinken Alkohol. Alle Figuren in diesem Spiel sind tot. Denk darüber nach.“

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Was ist neu?

An der Optik wurde nur das Nötigste getan: Charaktere sind deutlich schärfer texturiert und harmonieren besser mit dem Hintergrund. Das Schatten & Beleuchtungssystem wurde komplett überarbeitet. So werfen Gegenstände nun auch Schatten auf die Personen und lassen sie insgesamt lebendiger wirken. Das Artdesign der Figuren selbst blieb unberührt. Daher wirken alle Charaktere trotz leichter Überarbeitung nach wie vor etwas klobig und kantig. Ich persönlich finde das aber nicht schlimm, immerhin ist es keine Neuentwicklung, sondern lediglich eine Aufbereitung der klassischen Version. Problematisch sind die Hintergründe. Hier haben Double Fine keine sichtbaren Änderungen vorgenommen. Die Hintergründe wurden offensichtlich einfach nur skaliert und wirken je nach Bildschirm teilweise etwas verwaschen. Ganz schlimm wird es, wenn man von der klassischen 4:3 Auflösung auf 16:9 Breitbild umstellt. Hier wird das Bild nämlich leider nur gestreckt und verliert für mein Empfinden, durch das einfache Breit-Ziehen, jede Ästhetik. Dann doch lieber die schwarzen Balken am Rand der 4:3 Version… Per Knopfdruck kann übrigens jeder Zeit zwischen klassischer und neuer Version gewechselt werden.

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Die wohl größte Neuerung an Grim Fandango Remastered ist die Steuerung: Double Fine sagt „winke winke“ Tastatur-Steuerung und führt bei den Computer-Varianten die klassische Point&Click-Maussteuerung bzw. bei den PS4/PS Vita eine vernüftige Controller-Steuerung ein. Was ich jedoch vermisse, ist eine Hotspot-Anzeige; denn nach Hinweisen welche Gegenstände wir aufnehmen oder mit welchen Gegenständen wir interagieren können, suchen wir nach wie vor vergebens. Bei manchen Aufgaben ist das dann ganz schön tricky und nervenraubend.

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Sound

Der Soundtrack ist einfach großartig! Von Jazz über latein-amerikanische Rhythmen erleben wir viel Feuer und Leidenschaft in der musikalischen Untermalung von Grim Fandango. Der Soundtrack für die Remastered Version wurde vom Melbourne Symphony Orchestra komplett neu eingespielt. Auch die deutsche Sprachausgabe kann sich wirklich sehen lassen. Mit viel Witz und Charme werden alle Charaktere synchronisiert. Die Stimmen sind uns teilweise sogar sehr vertraut: Hauptcharakter Manny Calavera wird beispielsweise vom Synchronsprecher von „Alf“ gesprochen. Als Zusatz in der Remastered Version kann man sich per Knopfdruck noch Entwickler-Audio-Kommentare anhören. Ich mag solche Audiokommentare eher nicht und empfinde sie als störend. Bei mir sind sie daher standardmäßig immer ausgeschaltet.

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Fazit

Unterm Strich ist Grim Fandango Remastered jeden Cent wert. Egal ob man das Spiel bereits in der klassischen Variante gespielt hat oder ein völliger Neueinsteiger ist: allein die wirklich witzige Sprachausgabe mit den tollen Synchronsprechern ist den Kauf wert. Die fantastische und leicht absurde Geschichte rund um Manny Calavera, ist auch nach all den Jahren für mich noch großes Kino. Die Steuerung wurde in der Remastered Version zum Positiven verbessert – auch die Grafik wurde etwas detailreicher und feiner, blieb im Großen und Ganzen aber weitestgehend unverändert. Als einzigen wirklichen Kritikpunkt kann ich eigentlich nur die schlechte 16:9 Anpassung erwähnen, die einfach wirklich miserabel ist. Bevor man das Bild stumpf auf ein Breitbild streckt, hätte man diese Funktion einfach weglassen sollen… finde ich!

Insgesamt rund 15 Stunden Spiel- und Denkspaß garantiert die Remastered Version und führt euch dabei durch ein spannendes Abenteuer voller Witz und Charme. Ganz im Sinne der klassischen Point&Click-Adventures finden wir allerhand knifflige Rätsel, die uns nicht selten den Kopf qualmen lassen. Ich muss gestehen: obwohl ich die klassische Version kannte, bleibt mir der Blick in eine Komplettlösung manchmal nicht erspart. Grim Fandango ist in meinen Augen definitiv ein Adventure, das Point&Click-Liebhaber gespielt haben sollten!

Shopping

Wer sich selbst ein Bild von Alt und Neu machen möchte, der bekommt die Grim Fandango Remastered Version für ca. 15 Euro z.B. auf STEAM, sowie für die Playstation 4 und PS Vita.

Gespielt auf der PS Vita.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Nancy Stickel

Mein Beruf ist die Mediengestaltung, meine Passion ist das Spielen!
Wenn ich nicht gerade mit meiner Hündin die Welt erkunde, beschäftige ich mich liebend gern mit dem Bespielen von Konsolen und dem Entdecken neuer Gadgets und Spiele.