Hercules DJControl Jogvision

Ich liebe Musik. Um mich herum ist es so gut wie nie still. Und ich bastle mir gerne meine eigenen Tracks, auch um sie für meine Videos nutzen zu können. Früher habe ich auf der ein oder anderen Party oder in kleinen Clubs aufgelegt und auch heute noch stehen neben meinem Ecler-Mixer zwei Technics SL 1210 MKII in unserem Wohnzimmer. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, als Hercules uns den DJControl Jogvision zum Test angeboten hat. Ob mich als eingefleischten Verfechter von Vinyl der DJ-Kontroller überzeugen kann, verrate ich euch in meiner Review.

Hercules_DJControl_Jogvision_9Ein persönliche Disclaimer vorweg

Zuerst eine persönliche Anmerkung: ich bin ein alter Sack und gehöre zu den Traditionalisten beim Auflegen und habe einen minimalen Vorbehalt gegenüber dem digitalen Mixen. Seit Jahrzehnten sind Plattenspieler die Instrumente eines DJs. Aber die analogen Geräte sterben aus und werden aus vielen, größtenteils guten, Gründen durch digitale Varianten ersetzt. Allerdings übernimmt typische Sync-Button des digitalen Mixens einen Hauptteil der Fähigkeiten eines DJs auf Knopfdruck und eliminiert einen Teil dieses Risikos oder Könnens. Natürlich bietet diese Erleichterung mehr Zeit Tracks, Effekte oder Stimmungen zu variieren und sich dem Set zu widmen. Außerdem kann man digital eine unfassbare Mediathek auf einen einzigen USB-Stick ziehen, muss keine teureren Platten kaufen und auch nicht in den Club schleppen. Analoges Mixen empfinde ich dennoch eher als künstlerisches Handwerk, während der digitale Weg für mich der eines Technikers ist. Nichtsdestotrotz bleibt bei beiden Spielarten das Gespür für Musik und Stimmung sowie Kreativität als Ausdrucksformen erhalten. Deswegen bin ich neugierig und offen für Neues.

Hercules_DJControl_Jogvision_1Der erste Eindruck

Der erste Eindruck ist schon mal sehr überzeugend. Der DJControl Jogvision ist mit rund 2,5 kg bei einer super kompakten Gehäuse-Größe von 45.5 x 25.4 cm unerwartet leicht. Aber der Controller fühlt sich trotz Kunststoffgehäuse stabil an und hat ein ansprechendes Oberflächen-Finish. Der Aufbau aus den beidem Jogdials mit je 15 cm Durchmessern und den Mischpult-Elementen wirkt auf Anhieb vertraut. Der Crossfader ist super leichtgängig und sehr präzise, ganz wie man es sich wünscht. Die Kanal- und Pitchfader haben einen extrem angenehmen Widerstand und laufen sehr ruhig. Die vier Drum-Pads pro Deck für je 8 Cue-Points und Samples haben eine rutschfeste Oberfläche und einen perfekten Druckpunkt. Wie die Drumpads, die gleich 4-fach belegt werden, sind die Loop-Tasten gleichzeitig die Effekt-Tasten. Anders sind die vielen Funktionen auf der kompakten Oberfläche kaum unterzubringen, aber die Doppelbelegungen sind raffiniert gewählt und führen dank perfekter Beschriftung nur selten zu Fehlern während des Einsatzes. Wie die Fader haben auch alle Drehregler eine optimale Größe. Das ganze Audio-Interface steht rutschfest auf vier ausreichend groß dimensionierten Gummifüßen. Alles ist übersichtlich und gut kombiniert, ich bin auf Anhieb sehr zufrieden.

Fader links, nächste Platte, weil ich die rechts schon hatte

Hercules_DJControl_Jogvision_8An der Frontseite sind sowohl ein 3,5 mm als auch ein 6,3 mm Klinkenanschluss für Kopfhörer mit einem Lautstärke-Drehpoti sowie zwei Tasten für Cut und Mix untergebracht, daneben ist noch ein weiterer 6,3 mm Klinkenanschluss für ein Mikrofon ebenfalls mit Lautstärke-Regler verbaut. An der Rückseite finden sich der Stromanschluss für das mitgelieferte Netzteil und ein USB Typ B Anschluss für die Verbindung zum Rechner. Daneben gibt es je einen Master-Ausgang mit Cinch-Anschluss und einen mit Klinkenanschluss. Zusätzlich gibt es noch einen Monitor- bzw. Booth-Anschluss, ebenfalls als Cinch-Ausgang, mit eigenem Lautstärkeregler. Zu guter letzt gibt es noch einen Klinkenanschluss als Eingang. Darüber lässt sich beispielsweise ein Smartphone oder ein Tablet als zusätzliche Musikquelle anschließen. Mit einer entsprechenden Software auf meinem iPad hatte ich so sogar ein gefaktes 4-Deck-Setup zur Verfügung.

Hercules_DJControl_Jogvision_11Der DJControl Jogvision arbeitet mit der kostenlosen Version DJ Intro von Serato zusammen, man kann aber optional auch kostenpflichtig auf die Pro-Version Serato DJ upgraden. Sämtliche Features sind auch mit dem Jogvision steuerbar. Bisher kannte ich nur das etwas verbreiterte Traktor DJ von Native Instruments, kam aber auch sehr schnell mit dem Konkurrenzprodukt klar. Der DJ-Kontroller von Hercules besitzt eine umfassende und ausgeklügelte Beleuchtung. Viele verschiedene Tasten werden durch blaues Licht als aktiv dargestellt … was macht es? Es leuchtet blau! ;) Manchmal blinkt es auch. Weitere LEDs zeigen den Pegel der beiden Kanäle an oder das Matching der Beats. Die Drumpads übernehmen die in Serato verwendeten Farben für Cuepoints oder Samples. Die Jogwheels haben eine Anzeige, die sowohl die Geschwindigkeit als auch die Position des Liedes anzeigen, beim Scratchen wird der entsprechende Winkel visuell dargestellt.

Hercules_DJControl_Jogvision_5Überhaupt gehören die Jogwheels zu meinen Highlights. Sie simulieren mit dem im Vergleich einer Schallplatte kleinen Durchmesser von 15 cm trotzdem ein sehr gutes und präzises Gefühl und erinnern ein wenig an die 7-Inch-Platten (Ø 17,5 cm). Leichtes Berühren oder Tippen auf die Oberfläche hat die exakte Wirkung wie bei einem Plattenspieler, mit dem Vorteil, dass die Nadel dabei nie springt. Auch das Gefühl beim Scratchen wirkt sehr authentisch und geht absolut flüssig von der Hand. Die Wheels haben auch eine enorme Laufruhe, es ist überwältigend wie sehr mich das an meine 1210er erinnert. Lediglich der Platz zwischen der Loop-/Effekt-Einheit und den darunter liegenden Jogwheels ist mir für meine riesigen Pranken ein klein wenig zu gering bemessen. Ich muss doch ein wenig aufpassen, nicht völlig in Ekstase zu geraten, damit ich nicht versehentlich während eines Effekt-Feuerwerks zufällig an das Jogdial komme und den Track springen lasse. Ebenso ist der Abstand zum Pitchfader relativ dicht, wenn er ganz nach unten gezogen ist, was allerdings nur extrem selten passiert.

Hercules_DJControl_Jogvision_6Aber es ist tatsächlich schwer sich zu beherrschen, denn in echte Ekstase lässt mich Air Control kommen. Mithilfe eines Sensors lässt sich ein variabler Tief-Pass-Filter mit drei unterschiedlichen Handbewegungen über dem Mixer steuern. Die Modulation wird durch die Entfernung der Hand gesteuert. Die Handbewegungen steuern ’Filter Push’, ‘Filter Cut’ und ‘Filter Roll’. Es wirkt fast magisch und macht irre Spaß, dazu klingt es auch wirklich toll und lässt sich hervorragend ins Set einbauen. Daneben lassen sich insgesamt 3 von 6 verfügbaren Filtern aus DJ Intro per Knopfdruck zuschalten und per Drehrad mit Rasterung präzise dosieren. Auch sonst habe ich nur wenig auszusetzen an der Ausstattung und dem Umfang. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum es für die Booth-Ausgänge einen mechanischen Lautstärke-Regler gibt, der Master-Ausgang aber nur durch die softwareinterne Lautstärkesteuerung geregelt werden kann. Diese beinhaltet allerdings als echt tolles Feature noch einen Software-Limiter, der in DJ Intro eine potentielle Überteuerung anzeigt.

Fazit

Ich bin restlos überzeugt vom DJControl Jogvision, das ist ein absolut fantastischer DJ-Kontroller mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. Ich hatte ewig nicht mehr so viel Spaß wie mit dem genialen Audio-Interface von Hercules und habe unzählige Stunden mit dem geilen Teil verbracht. Durch das optionale Upgrade zu Serato DJ lassen sich die Möglichkeiten noch weiter ausbauen und mit dem Jogvision nutzen. Lediglich zwei Punkte hätte ich bei einem Nachfolger gerne: einerseits würde ich mir nach dem genialen Sessions mit dem Jogvision eine 4-Deck-Version mit zusätzlichen Anschlüssen für meine vorhandenen Plattenspieler wünschen und andererseits fände ich aus persönlichen Vorlieben heraus den Support von Traktor großartig. Letztendlich ist es mir noch nie so schwer gefallen ein Testmuster wieder zurückzuschicken, ich werde wohl beim Packen ein Tränchen wegdrücken. XD Der Listenpreis des DJControl Jogvision laut Hersteller liegt bei fast schon zu günstigen 349,99 €, man bekommt das gute Stück aber sogar bereits für unter 300,00 € bei Amazon.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.