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Homefront: The Revolution

Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das erste Mal von Homefront: The Revolution gehört habe. Und nicht mehr, wann ich den ersten Trailer gesehen habe. Ich war von Anfang an begeistert und habe mich wirklich auf das Spiel gefreut. Angekündigt wurde Homefront als lebendiger Open-World-First-Person-Shooter in der CryEngine, von der man ja wirklich so einiges hübsches gewohnt ist. Ich denke mit Begeisterung an das wirklich optisch beeindruckende Ryse: Son of Rome von 2013 zurück. Auch die Story klang wirklich spannend und machte mich neugierig. Und wie schlägt sich Homefront: The Revolution nach etwa fünf Jahren Entwicklungszeit zum Release?

Homefront_The_Revolution_9Ich muss eins vorab zugeben: ich habe mir wirklich Mühe gegeben, das Spiel zu mögen. Und auf den ersten Blick sieht es auch gar nicht so schlecht aus. Aber gar nicht so schlecht, ist eben auch gar nicht mal so gut. Gerade nach Titeln wie Rise of the Tomb Raider, Quantum Break oder Unchartetd 4: A Thief’s End hat man in letzter Zeit einen Augenschmaus nach dem anderen gesehen. Aber bleiben wir fair: diese Titel sind erstmal exklusiv für eine Plattform von einem Studio entwickelt worden. Aber ein The Division in einer offenen Welt oder Rainbow Six Siege mit seinen begrenzteren Bereichen bieten aktuell deutlich hübschere Spielewelten.Homefront_The_Revolution_11Schon während ich mit meinem stummen Charakter Ethan Brady zum ersten Mal auf den großen Revolutionsführer Walker treffe, werde ich nicht in die Story der Cut Scene hineingezogen, sondern denke nur: „Ist sein Schädel deformiert? Hat er einen Granatsplitter im Kopf stecken?“ Was mich so irritiert ist seine völlig entstellte Frisur. Eine Mütze oder ein Helm hätten hier Wunder gewirkt. Allgemein sind besonders die Gesichter wirklich nicht schön oder fast schon gruselig gestaltet.Homefront_The_Revolution_6Die Welt selbst an sich glitcht nur allzufröhlich vor sich hin. Texturen kommen und gehen wann sie wollen. Mein Freiheitskämpfer kann durch Stahltüren hindurchgreifen, meine Kameraden legen im Gefecht an und snipen mit leeren Händen. Wieder andere Guerilla-Kämpfer schießen hinaus ins Nichts, gegen Wände. Dort sind weder Gegner zu sehen, noch zu erreichen. Denn meine Mitstreiter bewachen eigentlich einen geheimen Tunnel – unterirdisch.Homefront_The_Revolution_10Aber wenigstens kann ich, ähnlich wie in Assassin’s Creed Syndicate, mit bis zu vier Widerständlern in einer Gruppe losziehen, die mich tatkräftig unterstützen. Zum Beispiel schießen sie auf jeden Gegner in Reichweite, an dem ich mich gerade heimlich und ungesehen vorbeischleichen will. Oder sie umzingeln mich an einer Engstelle, so dass es so kuschelig wird, dass ich nur durch das Verlassen des Spiels wieder aus der Umarmung entkommen kann. Oder sie schubsen mich durch wildes Hin- und Herlaufen durch Löcher im Boden, von Brüstungen oder von Übergängen. Gerne führt der Sturz zum Tod und ich verliere meine gesammelten Ressourcen während ich in der letzten Basis wieder spawne.Homefront_The_Revolution_12Gelegentlich spawne ich auch ohne zu sterben. Wenn ich einen Ort eingenommen habe, wird dieser neu geladen, ein Bereich wird auf der Karte als befreit dargestellt und die neue Basis bekommt ein neues Aussehen und meine Einheiten machen sich dort breit. (Vielleicht erinnert das dich auch an ein Spiel, was ich zuvor schon mal erwähnt habe). Hin und wieder stehe ich dann in oder auf einem Regal, einer Kiste oder einem Übergang und kann mich nicht bewegen. Zum Glück haben mir meine befreundeten NPCs ja beigebracht, wie ich das Spiel neu starte.Homefront_The_Revolution_1Was mir eigentlich wirklich gut gefällt, ist die Waffen-Modifikation. Aus einer Pistole lässt sich beispielsweise eine MP bauen, aus einer Armbrust ein Flammenwerfer und alle Waffen lassen sich mit Aufsätzen an die eigene Spielweise anpassen. Am Waffenschrank lässt sich etliches Material kaufen oder Aufrüsten. Lediglich der komplette Umbau einer Waffe wird mit Erfahrungspunkten bezahlt. Verbrauchsgüter, Zubehör oder Bomben werden mit Dollars erworben. Die findet man als Beute von gefallenen Gegnern oder indem ich Fundstücke am Waffenschrank ablege. Leider versäumt Homefront komplett mir zu erklären, welche Aufsätze für welche Waffe sind. So versenke ich mein erstes Geld sofort in eine Erweiterung, die ich überhaupt noch nicht nutzen kann und selbst bei der dritten Waffe, die ich für kompatibel hielt, habe noch keine Verwendung dafür. Erst die vierte Waffe, die ich kaufe, lässt sich endlich mit der Mündungsbremse ausstatten. Warum wird nicht einfach nach Modellen unterteilt? So könnte ich jederzeit sehen, welche Module mit meiner aktuellen Ausrüstung harmonieren.Homefront_The_Revolution_2Aber Tutorials sind insgesamt eher Mangelware, kompliziert oder gänzlich unverständlich. Genau wie die Rufe, Kommandos und weitere Sprachfetzen in Audioform. Unzählige Male wurde ich vor Granatsplittern gewarnt. Doch weder meine Leute noch die Gegner wurden durch eine Explosion bedroht. Teilweise fallen sich die Figuren gegenseitig ins Wort, Kommandos werden unnütz und penetrant wiederholt und nerven statt für die entsprechende Stimmung zu sorgen. Und Stimmung ist der größte Schwachpunkt während der Revolution. Die Charaktere und den Zwischensequenzen sind alle stereotyp, klischeebeladen und langweilig. Die Geschichte ist von der Idee gut, kann mich aber nie mich abholen, geschweige denn mitreißen. Meine Mitstreiter interessieren mich nicht, die NPCs wiederholen sich nach wenigen Augenblicken. Die Revolution bietet mir keinerlei Spannung, keine Motivation.Homefront_The_Revolution_4Die Ladezeit ist an vielen Stellen viel zu lang, Außerdem ruckelt und hakt das Spiel immer wieder. Jedes Mal, wenn ich Munition nachlade oder Equipment am Waffenschrank kaufe, stockt das Spiel für mindestens 3 Sekunden ohne Ladesymbol oder andere Hinweise. Das Klettern braucht bei jedem meiner Versuche mehrere Anläufe. Das macht besonders die Flucht oder ein Verstecken unmöglich. Aber das ist ja auch nicht so relevant. Denn teilweise können mich Gegner durch Wände treffen. Oder durch die Decken mehrerer Stockwerke. Unzählige Male bin ich schon gestorben, während ich scheinbar unsichtbare Gegner einfach nicht orten konnte. Darüberhinaus ist die Steuerung beim Zielen schwammig, anvisierte Gegner ruckeln plötzlich weg, Fahrzeuge machen keinen Spaß, wenn man alle paar Meter an einem Hindernis hängen bleibt. Es gibt Tonaussetzer oder viele zu frühe Toneinsetzer. Homefront_The_Revolution_5Kurzum, ich habe das Spiel nach über sieben Stunden abgebrochen, den Multiplayer habe ich schon gar nicht mehr ausprobieren wollen. Mein bisheriges Spielerlebnis ist einfach zu frustrierend. Man merkt an vielen Stellen, welche tolle Ideen darin stecken, aber für mich hat wirklich nichts gepasst. Ich habe Homefront: The Revolution nur auf der schwächsten aktuellen Plattformen, der Xbox One, testen können. Vielleicht sieht es auf PS 4 oder PC nicht ganz so katastrophal aus und spielt sich flüssiger. Es tut mir wirklich leid, was jetzt nach so langer steiniger Zeit veröffentlicht wurde. Aber ich kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Kaufempfehlung aussprechen und muss vom Kauf abraten. Daher gibt es auch anders als an dieser Stelle üblich auch diesmal keinen Link zu einem Store. Sollten zukünftige Updates das Spielerlebnis deutlich verbessern, werde ich dem grundsätzlich gut gemeintem aber leider katastrophal umgesetzten Spielprinzip von Herzen gerne nochmal eine Chance geben.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

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