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Lego Worlds

Würde man meine handwerkliche Begabung auf einer Skala von 1 – 10 bewerten und 1 wäre das schlechteste Ergebnis, würde ich mir eine 0 geben. Und dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – bin ich absoluter Lego Fanboy. Und das bezieht sich bei mir nicht nur auf die Videospiele und Lego The Movie. Warum ich mich extrem auf Lego Worlds gefreut habe und ob die Freude nach vielen Stunden anhält, erfahrt ihr in meinem Test.

Minecraft trifft auf Astroneer & No Man’s Sky

“Hilfe, nicht noch ein Minecraft-Klon!” könnte man nach den ersten Trailern und Screenshots von Lego Worlds denken. “No Man’s Sky? Bitte nicht!” könnte auch ein Gedanke sein, der einem durch den Kopf schießt. Aber wie bereits in meinem kleinen Einblick in Astroneer erwähnt: das muss alles nicht wirklich schlimm sein. Ein ordentlicher Klon ist doch besser als eine billige Kopie eines mittelmäßigen Spiels. Und hier kann ich direkt vorab Entwarnung geben: Lego Worlds ist ein eigenständiges Spiel, mit eigenen und neuen Spielmechaniken. Der Vergleich mit Minecraft darf durchaus gezogen werden, jedoch setzen die Leute bei Warner Bros. mehr auf Quest- und Aufgaben-Strukturen als das beim vergleichbaren Block-Bau-Simulator der Fall ist.

Liebevolle Gestaltung und eine ordentliche Portion typisch albernen Lego Humor kann man Lego Worlds nicht absprechen.

Gestrandet ohne goldene Steine

Nach der sehr charmanten Intro-Sequenz landen wir mit unserem Raumschiff auf einem kleinen Planeten, um Bewohnern mit kleinen Aufgaben zu helfen. Unser Ziel ist es, goldene Lego Steine zu sammeln, mit denen wir unser Raumschiff wieder fit machen können. Für den Anfang genügen einige Steine, um den ersten Planeten nach wenigen Minuten der Arbeit wieder verlassen zu können. Das endgültige Ziel ist nicht, wie bei No Man’s Sky, das erreichen des Mittelpunktes des Universums. Der Fokus liegt auf Erkundung der Welten und des Weltalls. Die zufällig generierten Welten beschäftigen sich jeweils mit einem bestimmten “Thema”. Ihr landet also sowohl im Wüstensand wie auch auf Eis-, Dschungel- und Süßigkeiten-Planeten. Bewohner, Flora & Fauna sind natürlich entsprechend an die Witterungsverhältnisse angepasst. Neben Affen, Krokodilen und Höhlenmenschen trefft ihr genau so auf Märchen-Charaktere wie Robin Hood, aber auch auf Bauarbeiter, Monster und Indiana-Jones-ähnliche Helden.

Grafisch beeindruckt Lego Worlds mit unglaublichem Detailreichtum.

Es. Ist. So. Schön!! Aber…

Bevor ich auf die Mechanik des Spiels eingehe, muss ich unbedingt ansprechen wie schön dieses Spiel ist. Mir fällt es schwer, Lego Worlds nicht als schönstes Spiel neben Uncharted 4 und Horizon Zero Dawn zu bezeichnen. Deshalb werde ich das jetzt einfach tun. Jeder Gegenstand und jedes Detail ist tatsächlich aus einzelnen Legosteinen gefertigt. Nichts flimmert, es sind absolut keine schlechten Texturen zu erkennen. Abgesehen davon sind die Animationen nicht nur butterweich sondern auch wundervoll niedlich und liebevoll. Jede Ecke, jeder Stein, alles was uns in der Welt präsentiert wird, wirkt durchdacht. Lego Worlds ist ein süßes, schickes und absolut liebevoll bis ins kleinste Detail durchdachtes Grafikfest. Zumindest bis die Ambitionen des Spiels der Hardware im Wege stehen. Ich selbst habe auf der PS4 gespielt (keine Pro) und hatte des Öfteren das Problem, dass Welten sehr langsam geladen haben. Man steht dann öfter mitten auf einem Planeten und sieht einen Abgrund, wo es eigentlich noch weiter gehen müsste. Wirklich geruckelt hat es dafür eigentlich relativ selten. Auf der Xbox One habe ich da leider ganz andere Sachen gehört und die Performance scheint hier leider nicht allzu gut zu sein.

Leider verbringt man viel zu viel Zeit in Ladebildschirmen und wartet sehr oft lange, bis man weiterspielen “darf”.

Ein riesiges Problem von Lego Worlds sind außerdem die absolut unglaublichen Ladezeiten. Der Fokus liegt auf der Erkundung. Man wechselt also des Öfteren den Planeten. Ladezeiten von 2 Minuten zwischen diesen sind keine Seltenheit. Auch nach dem neusten Update. Das ist leider extrem nervig. Richtig schlimm ist es dann, wenn auf eurem Planeten gerade ein Abgrund erscheint, wo eigentlich euer Raumschiff sein sollte. Dann müsst ihr warten, bis dieser gefüllt wird (Die Welt lädt also im Spiel selbst nach). Ist dieser gefüllt, setzt ihr euch in euer Raumschiff und wählt den nächsten Planeten. Ab und zu kommt es auch auf der Weltraumkarte zu Wartezeiten, weil Welten nicht vollständig generiert sind. Ich habe stellenweise auf diese Art für den Weltenwechsel 5 Minuten gebraucht. Fünf! Minuten!

Wenn man nun den kooperativen Aspekt des Multiplayers (Online und lokal) mit einbezieht und dass dieses Spiel durchaus kinderfreundlich ist, geht das absolut nicht in Ordnung. Eurem Kind zu erklären, dass es zwischen Planeten fünf Minuten Ladebildschirme anschauen muss, macht relativ wenig Spaß.

Die Menge der freischaltbaren Werkzeuge ist groß. Die Überforderung damit leider oft auch.

Reizüberflutung, Zufallswelten und Chaos

Lego Worlds ist ein unglaublich komplexes Spiel. Gegen komplexe Spiele ist per se nichts einzuwenden. Geht jedoch der Überblick aufgrund der Komplexität verloren, wird das gerne zum Problem. Und Lego Worlds kann mir persönlich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl geben, tatsächlich die Kontrolle zu haben. Im Verlaufe des Spiels schaltet man diverse Werkzeuge frei. Leider geschieht dies allzu oft durch das Erledigen von relativ belanglosen Quests. Lego Menschen sind gerne einmal in Bergen eingeschlossen und wollen gerettet werden. Lego Polizisten werden gerne mal von Gangstern angegriffen und möchten ungern alleine Faustkämpfe austragen.

Die abgebildete Piraten-Aufgabe ist noch eine der besseren Quests.

Die Quests wiederholen sich bereits nach wenigen Spielstunden zusehends. Da aber ja der Bau- und Erkundungsaspekt eine große Rolle spielt, kann man darüber ja vielleicht hinweg sehen. Leider kann ich das nicht so gut. Ich erkläre euch die leider immer wiederkehrende Unübersichtlichkeit anhand eines Beispiels: das erste Werkzeug ist eine Art Saugblaser (Leider kein original Heinzelmann). Bestimmte Objekte können entdeckt, gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder in die Welt gesetzt werden. Dies können auch Tiere und Menschen sein. Bereits auf dem ersten Planeten werdet ihr etwa 50 solcher Objekte finden und aufsaugen. Es gibt im Katalog dann weder eine Möglichkeit der Sortierung noch eine der Suche. Sobald ihr also mehr als 100 Objekte gefunden habt, ist es nahezu unmöglich hier einen Überblick zu behalten. Später freigeschaltete Werkzeuge sind leider nicht viel besser. Und ein Aspekt des Spieles, über den ich mich am meisten gefreut hatte, war der des tatsächlichen Stein auf Stein Bauens. Hier ist die Steuerung aber in meinen Augen viel zu umständlich und unübersichtlich.

Im nicht korrekt geladenen Bereich dieses Planeten sollte eigentlich mein Raumschiff sein. Nun heißt es – wie so oft – warten.

Kein schlechtes Spiel mit viel Potential

Lego Worlds steht sich leider an vielen Stellen selbst zu sehr im Wege. Ich habe mittlerweile keine Motivation mehr, weiterzuspielen. Das liegt keineswegs daran, dass es sich hier um ein schlechtes Spiel handelt. Für einen relativ günstigen Preis von gerade einmal 30 Euro hat das Spiel extrem viel zu bieten. Vielleicht zu viel. Lego Worlds ist ein unglaublich ambitioniertes Projekt. Der Grundstein (haha!) ist gelegt. Und ich würde mich sehr über einen Nachfolger freuen. Optisch ist es unglaublich, was hier geboten wird. Technisch hinkt es leider ein wenig. Und zufallsgenerierte Welten sind mittlerweile leider auch nicht immer die beste Lösung. Die Variationen sind schnell abgeklopft und sich ein riesiges Haus zu bauen macht wenig Sinn, da man ja nach wenigen Minuten wieder einen anderen Planeten sehen möchte.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

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