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Lovely Planet

Lovely Planet ist ein rasanter Shooter, der seit 2014 bereits zahlreiche positive User-Bewertungen bei Steam und GOG erhält, im Januar kam das FPS-Game auf die Xbox One und feiert in der ersten Aprilwoche den Release auf Playstation 4 (05.04.) und der WiiU (07.04.). Grund genug uns den fröhlich, abstrakten Shooter noch schnell auf der Xbox anzusehen. Zum Testbeginn finden sich 91% positive von insgesamt über 1.300 Nutzerreviews bei Steam. Im Xbox Marktplatz gibt es jedoch bei über 1.200 Bewertungen dann nur 3 von 5 Sternen. Verdient Lovely Planet die Lobeshymnen oder ist es doch nur ein durchschnittliches Indie-Spiel?

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Hinter dem Titel vom Entwickler QUICKTEQUILA verbirgt sich auf den ersten Blick eine bunte, fröhliche Welt mit einem abstrakten Look. Dabei wird man von fröhlicher, schneller, hektischer, japanophiler Quietschmusik beschallt. Oder darf ich auch „gefoltert“ sagen? Und dann geht es Level auf Level auf Level in insgesamt fünf Welten immer darum möglichst schnell durch die skurrilen Schlauchlevel zu gelangen. Und dabei sollte man möglichst auf alles Rote mit lila Pixeln schießen, die beim Treffer in rosa Herzchen explodieren. Denn rot signalisiert hier unterschiedliche Formen von Feinden. Berührt man einen Feind, startet der Level von Neuem. Dabei sind die Ladezeiten so enorm kurz, wie die Welt schlicht.

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Mit dem linken Bumper lassen sich manche Ziele einlocken, der linke Stick steuert die Bewegung, mit dem rechten Stick sieht man sich um. Mit dem rechten Trigger wird geschossen, mit dem Linken wird die Schwerkraft mit enormen Sprüngen außer Kraft gesetzt. Rote Blasen versperren uns teilweise den Weg und wollen zerschossen werden. Dann werden wir von länglichen, roten Dreiecken erwartet, die man anvisieren und zerschießen muss. Schließlich werden wir mit roten Äpfeln beschossen, die uns zum Beginn des Levels zurückportieren, wenn wir sie nicht abknallen, ehe sie den Boden berühren. Ob man in der Nähe des ladenden Apfels ist oder nicht, spielt dabei seltsamerweise keine Rolle. Außerdem warten grimmig blickende Würfel auf uns, die uns ebenfalls mit lila Pixeln beschießen. Bis auf die Äpfel gibt es keine beweglichen Ziele. In höheren Leveln verfolgen uns jedoch die Geschosse der Würfel, wenn wir sie nicht eliminieren. Am nervigsten aber ist das fehlende Fadenkreuz vor allem bei „Bösewichten“, die sich nicht als Ziel einlocken lassen.

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Untermalt von der nervtötenden Musik versucht man erstmal durch die Level zu kommen. Jedes der 20 Level einer Welt wird aber in einer Dauerschleife mit derselben Melodie malträtiert, erst in der nächsten Welt gibt es eine neue Melodie, die sich wiederum bis zum Ende monoton in den Gehörgang bohrt. Der Abschluss eines Levels wird mit einem Stern belohnt. Bis zu drei Sterne lassen sich verdienen, je schneller man die Strecken meistert. Allerdings benötigt man diese nicht, um das jeweils nächste Level einer Welt freizuschalten, sondern kann frei die Level wählen. Hat man eine Welt gemeistert, wird die Nächste freigeschaltet. Zu Beginn wirkt alles abstrakt und verrückt, aber die Schläuche verlieren nach sehr kurzer Zeit ihren Reiz. Alles sieht irgendwie gleich aus, nur die Routen, Sprünge und Hindernisse ändern sich.

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Egal wie putzig das Spiel versucht zu wirken, es verliert durch die immer selbe Aufmachung unter neuem Namen der nächsten Welt sehr schnell seinen Charme. QUICKTEQUILA und Publisher tinyBuild GAMES erklären in ihrem Werbetext ironisch, dass es vielleicht nicht die geeignete Art für ein 3D-Ego-Shooter ist, sie aber hoffen, eine alte Formel in eine neue eigene Version zu übersetzen. Leider bleibt der Spielspaß dabei völlig auf der Strecke. Manchmal sind die Parkours schwierig zu absolvieren, trotzdem sind sie nicht herausfordernd und selbst bei schnellem Abschluss nicht motivierend. Und während das Spiel mit zunehmendem Fortschritt immer langweiliger wird, muss man wirklich die Musik nach einiger Zeit ausschalten, wenn man nicht will, dass einem das Gehirn platzt.

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Von mir bekommt Lovely Planet keine Kaufempfehlung. Selbst eingefleischten Japan-Liebhabern kann ich das Spiel nicht ans Herz legen. Ich fürchte, die zahlreichen positiven Bewertungen der Nutzer sind so ironisch, wie die Spiel-Beschreibung selbst. Wer sich dennoch die Nerven strapazieren lassen will, kann Lovely Planet bei Steam und GOG für PC, Mac und Linux bekommen, im Xbox Marktplatz für die Xbox One und in Kürze dann auch für PS4 und WiiU.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Ryk Thiem

Mein Name ist Ryk Thiem. Geek. Methusalem. Spielkind. Catlover. AFOL. Blogger. Podcaster. Teilzeit-YouTuber.
Kann Spuren von Videospielen & Wahnsinn enthalten.