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Madden NFL 17

In den letzten 12 Monaten war die Madden-Reihe für mich ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits habe ich es immer wieder mit Begeisterung gespielt, andererseits hat mich nichts mehr gefrustet, als Woche für Woche auf einen Patch zu warten, denn ein Bug wollte partout nicht weichen (näheres dazu hier auf gdgts.de). Nun ist mit Madden NFL 17 die Reihe in die nächste Runde gegangen. Statt weiter auf den Patch zu warten, habe ich meine Hoffnung auf ein einwandfreies Spiel in neuem Gewand konzentriert. Was wird diesmal überwiegen – Frust oder Begeisterung?

Review Madden 17 Run

Football?

American Football erlebt in Deutschland von Jahr zu Jahr immer mehr Aufwind und nachdem nun auch regelmäßig Fernsehliveübertragungen der großen amerikanischen Liga NFL zu sehen sind, beschleicht mich das Gefühl, dass der Schritt raus aus dem Schatten der Randsportarten endlich geglückt ist. Auch EA sieht das inzwischen so und veröffentlicht nun seine Reihe Madden regelmäßig in Deutschland, denn bis vor ein paar Jahren musste man sogar hin und wieder auf einen Import zurückgreifen, wenn man Football auf der heimischen Konsole spielen wollte. Doch schauen wir lieber in die Gegenwart, besser gesagt schauen wir uns Madden NFL 17 an.

Die ersten Schritte des Spiels haben sich nur im Detail geändert – man steigt bei den Rams gegen die Redskins kurz vor Ende des vierten Quarters ein und erhält einen ersten Ausblick auf die neuen Mechaniken. Durch das Intro-Video zeigt man, dass sich die Entwickler dieses Jahr den Special Teams angenommen haben, um den Realismus noch ein paar Stufen anzuheben. „Icing the Kicker“ nennt man es, wenn das gegnerische Team ein Timeout kurz vor dem Fieldgoalversuch nimmt – eine Taktik, die Unsicherheit schaffen und den Gegner aus dem Konzept bringen soll. Mit Erfolg, wie man hier nun sieht, denn im zweiten Anlauf wird der Kick sogar geblockt und die Rams kommen in Ballbesitz. Bis vor kurzem war dies in der Reihe noch so gut wie undenkbar, anscheinend nun aber wirklich eine realistische Möglichkeit. Sehr gut, statt obligatorischen Kicks bringt dies nun endlich wieder mehr Spannung in die Partie. Nachdem nun die Rams im Ballbesitz sind gilt es natürlich das Spiel noch zu drehen und den Sieg einzufahren.

Ist das geschafft werden wie üblich erste Einstellungen sowie erste Schritte im Training absolviert, bevor man schlussendlich auf das Hauptmenü blicken kann. Das hat sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht geändert – Ultimate Team, Draft Champions, Connected Franchise, Head-to-Head, Practice und Skills Trainer fueld by Gatorade. Ja, statt Gatorade Skill Trainer ist dieser nun fueld by. Beim Sponsoring bzw. Werbung hat sich also nichts geändert, im Gegenteil, mir ist es dieses Jahr sogar noch deutlicher aufgefallen, da wieder während des Spiels (Quarter-, Halftime, TimeOut) Werbeunterbrechungen gezeigt werden, auch für sportfremde Themen bzw. Produkte wie für zB eine Shampoomarke. Auch wenn dies vielleicht im amerikanischen Wohnzimmer zum Ambiente beitragen kann, hierzulande ist dies für mich weiterhin ein NoGo und vollkommen unverständlich.

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Set! Hut! Hut!

Bei den Modi hat sich zum Vorgänger nichts geändert. Online-Spiele finden sich im Head-to-Head wieder, Eure Fähigkeiten testen könnt Ihr im Practice-Mode. Der Skills Trainer umfasst inzwischen zwölf unterschiedliche Kategorien um sein Spiel(-verständnis) in verschiedenen Drills zu verbessern und dadurch wieder Kartenpakete für den Ultimate Team Modus freizuschalten. Das sind Sammelkarten mit denen man sich sein eigenes Team zusammenstellen und gegen andere Mannschaften antritt. Genutzt wird dieser Ultimate Modus auch in anderen EA Sportspielen wie FIFA und NHL, kann er doch für einiges an Langzeitmotivation sorgen. Zumindest solang man nicht mittels Währung, welche auch gegen reales Geld im digitalen Store erhältlich ist, neue Pakete einfach so dazukauft, sondern sich diese Päckchen erarbeitet. Immerhin ist der Kauf der Packs kein Muss. Dennoch macht es mir zumindest immer wieder Spaß die großen Momente der NFL-Geschichte nachzuspielen. Apropo nachspielen, ein weiteres Feature über das ich dieses Jahr gestolpert bin ist die Möglichkeit große Momente der aktuellen Saison nachzuerleben, „Play the Moment“ genannt. So werden einem verschiedene Situationen eines bereits stattgefundenen Spiels angeboten selbst zu spielen und vielleicht so auch anders zu entscheiden. Eine schöne Idee den Franchise-Mode aufzulockern, auch wenn ich dennoch weiterhin lieber die Spiele in ihrer Gesamtheit spiele und so meine Spieler mit Erfahrungspunkten weiterentwickle, zumindest wenn ich die Rolle des Coaches einnehme. Natürlich steht einem auch weiterhin zur Wahl als Manager die Geschicke und HotDog-Preise des Vereins zu leiten. Oder Ihr schlüpft in die Rolle des zukünftigen Starspielers und werdet von Spiel zu Spiel zur Legende.

Schlussendlich ist auch der Modus Ultimate Draft, der im letzten Jahr neu eingeführt wurde mit von der Partie. Vor jedem Spiel wählt man in 15 Runden aus je drei Karten sein Team und tritt dann gegen eine andere Mannschaft an. Ein Modus der meiner Meinung nach mehr auf den kompetitiven Vergleich abzielt, wird das „Teilnehmerfeld“ schließlich vor jedem Spiel neu gemischt und so kommt es mehr auf das Können als die bisher gesammelte Mannschaft an. Jedoch fehlt für mich eben da der Fortschritt, ich bin eben kein Spieler für Duelle. Eine große Zielgruppe abseits von mir gibt es aber dennoch, so dass man dort immer einen Gegner findet.

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Was ist neu?

Neben den bereits angemerkten Arbeiten an den Special Teams hat sich auch beim Laufspiel einiges getan, was auf den ersten Blick nicht ersichtlich sondern erst unter der Haube deutlich wird. An der KI sowohl auf Offense- als auch Defense-Seite wurde geschraubt und auch neue Aktionen sorgen für mehr Spannung im Spiel. Visuell wurde im Gegenzug zwar noch einmal kräftig nachpoliert, so dass die Spieler noch einmal realistischer aussehen und sich auch individueller bewegen. Hut ab, auch wenn die Engine die gleiche geblieben ist, so sieht es dennoch noch einen Tick besser als als letztes Jahr. Dennoch gibt es weiterhin Schwächen zB bei der Kollisionsabfrage, gerade auch in Videoszenen. Vielleicht wäre es doch mal Zeit alte Zöpfe abzuschneiden und sich auf die aktuelle Konsolengeneration zu beschränken? Gerade wo es nun in die Phase geht, bei dem diese in mehreren Versionen unterstützt werden muss (regulär und Pro bzw. Scorpio) sehe ich es als kritisch an, wenn man weiterhin auch noch die Spieler der Last Gen bedienen möchte.

Am meisten begrüße ich natürlich das Ausbügeln der Bugs der letzten Ausgabe, so dass ich mich direkt und ohne großen Frust an den Connected Franchise Modus wagen konnte, welcher noch einmal aufgebohrt wurde. So hat man über die Saison hinweg immer wieder die Möglichkeit wichtige Entscheidungen als Trainer zu treffen, die dann natürlich auch gewisse Konsequenzen nach sich ziehen können. Ein großer Schritt in die richtige Richtung für mich, schaue ich doch dieses Jahr mit großen Augen Richtung FIFA und dessen neuen Legacy-Modus. Wie schon im letzten Jahr wünsche ich mir weiterhin nämlich einen Story-Mode für mein liebstes Sportspiel und hoffe auf großen Erfolg im Fußballbereich, dass wir nun auch bei Madden kurz davor stehen könnten.

Ein weiterer Schwachpunkt bei Sportspielen sind ja auch immer die Kommentatoren. Hier hat EA nun auf ein neues Team gesetzt, welches nicht nur bereits in der ersten Version des Spiels mit einem reichhaltigen Repertoire aufwarten kann, sondern auch noch über die Saison verteilt immer wieder neue Kommentare einsprechen können soll. So würden natürlich aktuelle Geschehnisse der NFL immer auch entsprechende Kommentare im Spiel nach sich ziehen – sehr begrüßenswert. Noch realistischer macht es dann der Ticker, die wie auch bei einer echten Übertragung die aktuellen Spielstände zeitgleicher Spiele anzeigt.

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Update oder Upgrade?

Jedes Jahr ist es die gleiche Frage – lohnt sich ein Griff zur neuen Version oder sind die Änderung nicht ausreichend genug um nicht beim Vorgänger zu bleiben? Auch dieses Jahr ist die Antwort auf diese Frage nicht so leicht. Die schönere Präsentation, die Erweiterung des Franchise-Modus, die neuen Kommentatoren – alles das sind meiner Meinung nach zwar schöne Erweiterungen, aber eben nichts grundlegend Neues. Das auch bis heutige Fehlen eines Patches zu Ausgabe 16 jedoch ließ für mich keine zwei Meinungen zu, auch wenn dies vielleicht bei genauerer Betrachtung etwas paradox erscheint. Doch auch wenn mich die Neuerungen überzeugt haben, so ist dennoch Luft nach oben, sowohl bei KI als auch bei Präsentation in den Spielpausen. Und auch wenn ich mir gut vorstellen kann, dass der Ultimate Team Modus sowohl kurzweilig für den Spieler als auch erträglich für den Hersteller ist, würde ich mich freuen endlich den Fokus mehr in Richtung Franchise und Story gelegt zu bekommen. Gerade beim Vergleich mit den Spielen anderer Sportarten (NHL und FIFA) liegt da die NFL in manchen Bereichen immer noch zurück, auch wenn man den Vorteil des Football-Monopols im Gaming-Bereich hat.

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Fazit

Trotz aller Kritik meinerseits ist für mich Madden NFL 17 wieder ein guter Teil der Serie, zu dem ich jedem Football-Fan raten kann und das nicht nur auf Grund von Mangels an Alternativen. Es ist nunmal in meinen Augen wirklich das beste Madden bisher. Dennoch sollte sich EA und Tiburon von alten Zöpfen lösen und neue Schritte wagen um auch auf Dauer die Fans bei Laune zu halten.

Madden NFL 17 gibt es für die PS4, PS3, Xbox One und Xbox 360 bei Amazon für 59€ bis 70€ und im digitalen Store von Sony und Microsoft zu kaufen.

– Gestestet wurde die Playstation 4 Version –

Wie steht Ihr zu American Football? Verfolgt Ihr die Spiele schon länger oder seid Ihr erst seit kurzem an dem Sport interessiert? Was ist für euch der wichtigste Modus der Madden-Reihe?

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Sven Schmidt

Hi, ich bin Sven, Baujahr 81, wohne im Umland des schönen Hamburgs und würde mich wohl selbst Geek nennen. Ich bin Videospiel-addicted seit dem GameBoy, Fan von Apple seit einem iPhone 3G, fasziniert von Gadgets aller Art und bezeichne mich selbst auch gern als Film- und Serienjunkie.

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