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NBA 2K17

Mit NBA 2K17 starte ich meinen zweiten Versuch in die beliebte und gefeierte Basketball-Simulation. Bei NBA2K15 war mir die Steuerung viel zu komplex, sämtliche Einstellungen zu unverständlich, die Bezeichnungen ein einziges Fachchinesisch – nach nicht mal zwei Stunden hatte ich aufgegeben. Diesmal bin ich besser vorbereitet, habe die englischen Begriffe gelernt und mir mehrere Artikel über NBA-Basketball zu Gemüte geführt. Wie schlägt sich NBA 2K17 diesmal für einen Neuling der Reihe?

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NBA 2K17 ist ein wenig außergewöhnlich, da man das Spiel nicht nur für die aktuellen Plattformen PC, PlayStation 4 und Xbox One kaufen kann, während andere Studios mit grafisch aufwendigen Spielen alte Zöpfe oft aufgrund der geringeren Leistung abschneiden, vertreibt 2K die Basketball-Simulation auch weiterhin noch für Xbox 360 und PlayStation 3. Lediglich die WiiU muss, wie mittlerweile gewohnt, auf eine Version eines AAA-Titels verzichten. Ich spiele die Xbox One Version an.

Nicht kleckern, klotzen!

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Zu allererst fällt mir auf, wie unfassbar stimmig die musikalische Untermalung ist. Der ganze Soundtrack zeigt mir, was die NBA 2K17 sein will: bombastisch. Ich stürze mich sofort in den Story-Modus Meine Karriere. Alternativ zum Karriere-Modus findet man noch die Modi Jetzt spielen, Mein Team, Mein GM / Meine LIGA und 2KTV neben Optionen / Einstellungen im Hauptmenü. Der komplette Anfang lässt sich übrigens auch in NBA 2K17 – The Prelude als Demo kostenlos anspielen. Gerade noch Highschool-Star, darf ich zunächst ein passendes College für meinen Protagonisten aussuchen.

Bei der Kampagne in Meine Karriere steht zuerst die Auswahl der Position, den Körpermaßen und einiger weiterer Personalisierungen an. Wer sich selbst im Spiel wiedererkennen möchte, kann sein Antlitz auch über die MyNBA2K17-App am Smartphone selbst einscannen. Ich persönlich bin relativ unglücklich mir dem Ergebnis, entweder die App meldet zahllose Fehler oder ich erkenne mich überhaupt nicht wieder. Diese Funktion gefiel mithilfe der Kinect bei 2K15 deutlich besser. Schade, dass man aktuell nicht die Wahl hat, wenn man schon über eine Kinect verfügt und das Studio ja die Funktion schon mal integriert hatte. Aber auch mit einem komplett selbst konfigurierten Spieler kann man sich absolut austoben und wirklich glücklich werden. Die Einstellungsmöglichkeiten sind schier unendlich.

Die Kampagne fängt sehr stimmig an, gerade ein erstes Showspiel am College und die Teilnahme an den Olympischen Spielen für das amerikanische Team sind emotional sehr aufgeladen. Aber schon nach kurzer Zeit merkt man dann, dass der Fokus nicht wie im Vorgänger auf der Story, sondern auf dem liegt wofür NBA 2K17 steht: es geht verdammt nochmal um Basketball! Das Storytelling nimmt sowohl in den Videosequenzen als auch den Bemerkungen der Kommentatoren Bezug auf die Handlungsweise des Charakters. Gönnt man seinem Protagonisten keine Auszeiten, nimmt jeden Termin zum Training wahr, geht auf dem Feld immer sehr intensiv vor, dann ermüdet der Spieler irgendwann und braucht Betreuung durch die Physiotherapie des Teams. Nimmt man nur an Werbeterminen & an den Spielen teil, wirkt auch das sich auf die erzählten Elemente aus. Aber die Story selbst ist nicht das Kernelement der Karriere, sondern die Weiterentwicklung des Spielers, entwickeln unseren Basketball-Star im Training, in Spielen, verbessern mit Upgrades seine Fähigkeiten.

Virtual Currency und die Verlockung des Geldes

Allerdings ist diese Entwicklung keine kontinuierliche Steigerung und automatische Verbesserung. Es ist selbst in Rookie-Einstellungen nicht so, dass man Dreier ab der Mittellinie versenkt, jeder Blockversuch den Gegner am Punkten hindert oder jeder Zug zum Korb in einem fulminanten Dunk endet. Das Spiel zwingt mich in eine Demutshaltung. Selbst wenn ich mir einen Vorteil mit Echtgeld erkaufen will, bietet mir das Spiel nicht die Möglichkeit sofort alle Upgrade-Balken bis zum Maximum aufzufüllen. Denn während ich zwar jeden verteilbaren Upgradepunkt mit VC (Virtual Currency) bezahlen muss, bekomme ich diese Upgradepunkte nur durch fleißiges Trainieren freigeschaltet. Während ich mit verschiedenen Aktionen als Ingame-Währung verdiene, erarbeite ich mir zusätzlich im Training Upgradepunkte, die ich mit dem verdienten Geld kaufen und verteilen kann. Quasi eine Doppelbezahlung. Für ein realistisches Spielerlebnis ist das durchaus ein guter Ansatz.

Nichtsdestotrotz muss ich für mich persönlich feststellen, dass ich persönlich deutlich weniger VC verdiene als ich im Verhältnis dazu ausgeben kann und aus Sicht der Anbieter auch soll. Upgrades kosten mit höheren Leveln immer mehr, aber meine Verdienstmöglichkeiten sind gerade am Anfang wirklich bescheiden. Für ein NBA-Spiel, bei dem ich etwa sechs bis acht Minuten Spielzeit als frischgedrafteter Neuling bekomme, verdiene ich mit einer B-Wertung etwas über 400 VC. Während des Trainings kann ich durch bestimmte Aktionen (Dreier, Dunks, Korbleger, fehlerfreie Ketten, etc.) noch ein paar VC extra bekommen. Marketing-Events bringen mir am Anfang zwischen 50 und 130 VC. Die Progression ist überschaubar. Durch die Teilnahme an kurzen Umfragen während der wöchentlichen 2KTV-Folgen kann man zusätzlich noch ein wenig VCs verdienen. Darüber hinaus lässt sich täglich über die mobile App noch eine gute Summe verdienen. Die Preise für Upgrades werden gegenüber dem echten Verdienst allerdings sehr viel schneller teurer und sich sehr bald vierstellig.

Und es gibt auch sonst noch unfassbar weitere viele Möglichkeiten VC zur Personalisierung meines Charakters auszugeben: es gibt Kleidungsstücke und Accessoires für Kopf, Arme und Beine, dazu Oberteile und Hosen oder auch noch Tattoos und Schmuck. Darüberhinaus gibt es unfassbar viele Schuhe von zahlreichen namhaften Sportartikel-Herstellern. Während Tattoos wie im echten Leben immer bleiben, kann man natürlich während eines NBA-Spiels nicht dieselben Klamotten tragen wie in der Freizeit. Also gibt es eine teamspezifische Auswahl für die NBA und nochmal eine Individuellere für Mein Park und Pro-AM, quasi für die Freizeit. Dabei bleibt es dann ebenfalls nicht nur bei Kleidung und Zubehör, man kann zusätzlich Spieleranimationen für Würfe oder Rituale kaufen oder seinen privaten Trainingscourt anpassen. Man gibt VC auch für Attribute, Boni, sogenannte Parkkarten und vieles mehr aus, wenn man es hat und etwas möchte.

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Und immer prangt ein großer Kaufen-Button für den Echtgeld-Store zentral unter allem, in dem man von 5.000 VC für 1,99 € bis zu 450.000 VC für ganze 99,99 € kaufen kann. Mittlerweile sind wir ja Echtgeld-Stores in vielen Spielen schon gewohnt. Bei NBA 2K17 ist mir persönlich nur der selbst erarbeitete Verdienst und die Steigerung der Einnahmen im Spiel zu gering, die Preise für Items dazu im Vergleich zu hoch und die Verlockungen und der teilweise penetrante Hinweis auf den Echtgeld-Store einfach zu aufdringlich und massiv. Hier braucht man schon Geduld und Willensstärke, um nicht schwach zu werden. Zudem hätte ich gedacht, das ein Spiel allein wegen der Authentizität so unfassbar viele Werbepartner an allen Ecken und Enden präsentiert, könnte für mein Verständnis durchaus etwas großzügiger zu den Käufern des Spiels sein. Neben den offensichtlichen und üblichen Sportmarken bei Kleidung und Zubehör werden zahllose weitere verschiedene Sponsoren präsentiert. Es gibt neben eigenen Shops der Sporthersteller eine von einem Autohersteller gesponserte Pre-Show, einen von einer Getränkefirma gesponserten Trainingsbereich mit eigenen Tests und Boni im Shop, die die Vorzüge des Getränks anpreisen. Und natürlich gibt es Einblendungen in Cutscenes oder Bandenwerbung mit allen möglichen Unternehmen an jeder Ecke, vom Sofdrink über den Lieferservice bis zum Büroartikelvertrieb.

Was mich wirklich stört

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Was mich bei NBA 2K17 aber wirklich maßlos nervt, sind die Ladezeiten. Okay, zugegeben, die Grafik des Spiels ist wahnsinnig toll, die Physik und Kollisionsabfrage ist genial, der Sound und die Musik ist bis auf den Trainingsbereich (hier herrscht selbst beim Bankdrücken völlige Stille) großartig und das muss auch alles geladen werden. Lediglich vor NBA-Spielen hat man diese Ladezeiten durch die Berieselung durch 2KTV und die Pre-Game-Show etwas unterhaltsamer gestaltet. Hier hätte ich mir insgesamt etwas mehr Abwechslung gewünscht, bei jedem Besuch in der Trainingshalle dieselben acht Tweets ein bis zwei Minuten lesen zu können ist mir dann zu eintönig oder die Ladezeiten schlicht zu lang.

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Außerdem passiert es gelegentlich, dass der komplette Trainingsfortschritt zur Auffüllung der Upgrade-Fähigkeiten verloren geht, weil ein Mitspieler vor einer Bankdrücken-Einheit nach rechts aus dem Bild läuft und dann das Spiel an dieser Stelle festhängt, weil der benötigte Teamkamerad Feierabend gemacht hat. Nur ein kompletter Neustart des Spiels und eine Wiederholung des Trainings hilft bisher dann als Fehlerbehebung.

Außerdem ist NBA 2K17 für mein Empfinden ganz und gar nicht anfängerfreundlich konzipiert. Erst nach etlichen Stunden und intensiver Suche habe ich viele gut versteckte Hilfen entdeckt und aktivieren können. Nichtmal auf die mögliche Auswahl des Schwierigkeitsgrades wird hingewiesen. Tutorials oder Hilfen werden, wenn überhaupt mal implementiert, dann zu kurz und nicht wiederholbar angezeigt.

Ich persönlich fände eine Lokalisierung der Kampagne noch echt cool, notwendig ist es aber eigentlich nicht. Und wer des sehr verständlichen Englischs, das bei NBA 2K17 gesprochen wird nicht mächtig ist, kommt auch mit den Untertiteln problemlos durch die Story. Alle Menüs und Einstellungen sind ohnehin auf deutsch voreingestellt, hat man seine Konsole nicht anders konfiguriert.

Fazit

Dem einen oder anderen mag diese Review eventuell bis hierher sehr negativ erscheinen, aber ich kann es nicht anders sagen: NBA 2K17 ist mit Abstand das beste Sportspiel, das ich bisher jemals gespielt habe und bietet einen unfassbaren Inhalt und schier endlose Möglichkeiten sich extrem unterhaltsam die Zeit zu vertreiben. NBA 2K17 ist zu Recht der Platzhirsch unter den Basketball-Simulationen. Genau hier könnte meiner Meinung nach EA Sports mit NBA Live tatsächlich sogar eine Nische abdecken als Konkurrent, der dieses Jahr keine neue Version für 2017 herausbringt, denn es fehlt eine echte Arcade-Alternative für Anfänger oder alle, die sich nicht ihren Weg hart erarbeiten oder Skills mühsam erlernen wollen. Für mich fühlt sich NBA 2K17 ein wenig an wie das Dark Souls der Sportspiele. Nichts fliegt einem zu, alles muss man sich wirklich verdienen und wenn es schief geht, hat man selbst einen Fehler gemacht. Für alle Basketball-Fans, die ein authentisches Spielerlebnis mit vielen Möglichkeiten und großartigen Modi haben möchten, ist NBA 2K17 ein absoluter Pflichttitel.Von mir eine absolute Kaufempfehlung, Anfänger und Arcade-Liebhaber müssen viel Geduld mit sich und dem Spiel haben. Je nach Plattform bekommt man NBA 2K17 bereits ab 35,- € bei Amazon.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

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