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Need for Speed

Eigentlich waren Rennspiele nie mein Fall, jedoch haben es eine Handvoll Spiele aus diesem Genre es mir wirklich angetan. Einer dieser Titel war Need for Speed Underground bzw. auch sein Nachfolger, der zweite Teil. Dementsprechend hatte ich natürlich nach den ersten Ankündigungen auch hohe Erwartungen an Need for Speed – den neuen Teil der gleichnamigen Reihe, die nun nach einer einjährige Pause wieder auf den Plan tritt. Im Gegensatz zu den letzten Teilen der Serie wurde diesmal auf einen Untertitel verzichtet, ob dies jedoch einem Reboot gleich kommt und ob Need for Speed damit an Pole Position oder im hinteren Verfolgerfeld fährt, habe ich getestet.

Aller guten Dinge sind fünf?

Speed, Drift, Schrauber, Style und Outlaw – das sind die fünf Arten, auf denen man Need for Speed spielen kann. Natürlich kann man auch alles verbinden, jedoch ist es Ziel in allen fünf Spielweisen, von Wettbewerb zu Wettbewerb hangelnd, eine Ikone der Szene zu werden. In die Szene eingeführt werden wir von einer Gruppe von Fahrern, welche in allen Zwischensequenzen auftauchen und die Story vorantreiben. Wer hier nun auf Hollywood à la Fast and the Furious erwartet wird schnell enttäuscht sein. Nicht nur, dass die ganze filmische Inszenierung vor Klischee trieft, es war für mich leider auch ein Fremdschämen ohne Ende. Mir ist bis jetzt immer noch unklar, ob dieser ganze Storypart eher absichtlich ins Lächerliche gezogen wird, oder es wirklich auf eine bestimmte Spielerschaft als Zielgruppe abzielt.

Need for Speed
Im krassen Gegensatz dazu steht der eigentliche Mittelpunkt des Spiels – das Fahren. Die Reaktion der Vehikel auf die Steuerung des Fahrers ist zu Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn man sich jedoch daran gewöhnt hat, dass man im ersten Drittel des Spiels nur selten mal die Bremse in einem Rennen betätigen muss, sind die ersten Siege schnell eingefahren. Umso weiter wir jedoch voranschreiten, Siege einfahren und neue Levelstufen erreichen, umso schneller erreicht unser Wagen, welchen wir anfangs aus einer Anzahl von drei wählen konnten, neue Höchstleistungen. So musste ich konsequent an meinen Fahrkünsten feilen, um nicht durch den soeben frisch eingebauten Motor von der Straße abzukommen. Zu Gute kommt mir an dieser Stelle aber auch, dass das Tuning mit neuen Teilen einerseits recht intuitiv ist, teurere Teile entsprechen besserer Leistung, andererseits man keinem Zwang unterliegt, genaue Einstellungen vorzunehmen. Es gibt einen Fundus an Einstellungsmöglichkeiten um den Wagen abzustimmen, jedoch funktioniert auch der große Regler, der unter verschiedenen Stufen alle anderen Justierungen anpasst.

Need for Speed
Um Feinheiten am Gefährt einzustellen, müsst Ihr Euch in die Garage begeben, was mich auf Dauer doch etwas nervte. Neue Wettbewerbsart bedeutete andere Einstellungen am Auto, was wiederum bedeutete, dass ich in die Garage musste. So wiederholt sich immer wieder das Schema Wettbewerb abschließen, in die Garage für Anpassungen am Wagen, Einstellungen testen, ggf. nochmal in die Garage für Justierungen mit folgenden neuen Tests und abschließend wieder zu einem Wettbewerb, nachdem das ganze Spiel wieder von vorn losgeht. An dieser Stelle wäre Optimierung am Spielfluss meiner Meinung nach notwendig gewesen.

Optimierungen hätten auch dem Menü und der Bedienung gut getan. Das Hauptmenü wirkt chaotisch und überladen, meiner Meinung nach wesentliche Funktionen wie zB eine schnelle Wiederholung eines Rennens fehlen im Alltag des Fahrers. Kurzum, Need for Speed ist eins der Spiele, bei denen ich das fehlende Handbuch aus früheren Tagen schmerzlich vermisse.

Driving around the world

Was für den einen vielleicht in den ersten Sekunden plausibel anhört, wird schon nach den ersten Spielminuten als der größte Minuspunkt des Spiels ersichtlich – der durchgängige Onlinezwang. Auch wenn Ihr nur die KI als Gegner im Solomodus wählt, ohne Internetverbindung kein Spiel. Das an sich ist ja schon mal ein Problem, sobald mal kein Internet, zB wegen einem Ausfall, zur Verfügung steht. Wenig später kommen die nächsten Stolpersteine. Wie zum Beispiel Spieler, die ggf. unsere Strecke innerhalb von zwei unterschiedlichen Wettbewerben kreuzen und so sich gegenseitig behindern. Ärgerlich wenn man soeben noch als der sichere Sieger stand und nun nach einem frontalen Zusammenstoß das Feld wieder von hinten aufrollen muss. Zudem fehlt es auch an einer Pausenfunktion, was gerade in einem Rennspiel für mich absolut unverständlich ist, schließlich gilt doch das Schlagen von Zeiten mitunter als ein langmotivierender Faktor in diesem Genre. Solltet Ihr also auf der Überholspur an erster Position das Feld anführen und dann Euer Telefon (in diesem Fall nicht das InGame-Smartphone, mit dem Ihr Kontakt zu Eurer Crew haltet), die Türklingel oder der Backofen nach Aufmerksamkeit schreien, habt Ihr die Wahl – ins Ziel fahren oder der Störung folgen. Grund des Ganzen ist, dass Ihr innerhalb der Wettbewerbe nicht nur gegen die KI, sondern auch gegen reale Gegner antreten könnt. Eine Wahl des Spielmodus, gleich ob Solo oder Multiplayer, ändert an der vermissten Pause nichts. Verzicht auf Online-Zwang und ein Countdown nach Beendigung der Pause gehört für mich eben zu einem Rennspiel dazu.

Need for Speed
Doch auch später kann es zu Problemen kommen. Gerade bei Spielen mit Onlinezwang ist immer ungewiss, inwiefern diese noch spielbar sind, wenn, mit fortgeschrittenem Alter, die Server abgestellt wurden. Wenn hier dann nicht mit einem Patch nachgelegt wird, sieht man sprichwörtlich in die Röhre. Warum dann nicht gleich die Funktion optional von vornherein zur Wahl steht, bleibt mir ein Rätsel, würde es doch sehr viele Probleme direkt lösen.

Here I go again

Die KI ist nach dem Onlinezwang der nächste große Minuspunkt an Need for Speed. Das in einem Rennspiel die viel zitierte Gummiband-KI existieren muss, ist selbstverständlich und trägt ja grundsätzlich zur Spannung dazu. Die übertriebene Reaktion der KI ist von Realismus weiter entfernt als ein fliegender DeLorean. Wenn auf den letzten Metern bei Vollgas und Nitro trotzdem noch die folgenden 3 Wagen einfach mal an einem auf der Außenbahn vorbeiziehen ist für mich nicht nachvollziehbar und trübt den Spielspaß. Und was bei der Renn-KI zuviel ist, ist in der KI der Gesetzeshüter zu wenig. Diese tauchen, obwohl sie einer der fünf Grundpfeiler des Spiels sind, viel zu selten auf und sind viel zu leicht abzuschütteln. Auch hier hoffe ich noch auf einen Patch, der das ganze etwas stimmiger macht.

Need for Speed

Unter der Haube

Technisch gibt es an Need for Speed kaum etwas zu bemängeln. Für mich ist der Soundtrack nicht das Gelbe vom Ei, was jedoch meinem persönlichen Geschmack geschuldet ist, denn am Ende des Tages ist dieser doch recht stimmig zur Story und dessen Inszenierung. Grafisch überzeugt das Spiel durch schöne Licht- und Regeneffekte während die Stadtkulisse im Hintergrund empor steigt. Die vielen lizenzierten Fahrzeuge sind schön in Szene gesetzt, so dass es visuell insgesamt einen runden Eindruck hinterlässt. Auch Abstürze oder andere technische Probleme konnte ich in meinem Test nicht feststellen.

Fazit

Man könnte nun meinen, ich würde an Need for Speed kein gutes Haar lassen, jedoch zeigt es sich, wenn man über die Story mal hinweg sieht, als recht passables Spiel. Einzig manche Designentscheidungen wie Onlinezwang und KI stören teilweise den Spielspaß, was hoffentlich noch mit einem Patch seitens EA aus der Welt geschafft wird. Der erhoffte große Wurf eines Reboots nach der Pause ist somit leider nicht gelungen. Wer aber cineastisch keinen neuen Teil Fast and the Furious erwartet, mit dem Onlinezwang leben kann und sich nicht direkt von der KI ins Boxhorn jagen lässt, der findet mit Need for Speed einen Arcade-lastigen Racer, der für einige Stunden Spielspaß sorgen kann.

Need for Speed gibt es für die PS4 und die Xbox One bei Amazon für ca. 55€ und in den Online-Stores zu kaufen.

– Gestestet wurde die Playstation 4 Version –

Was haltet Ihr von Need for Speed? Seid Ihr froh, dass sich die Serie eine Pause gegönnt hat, um frisch gestärkt zurück zu kommen? Wie steht Ihr zum Thema Onlinezwang?

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Sven Schmidt

Hi, ich bin Sven, Baujahr 81, wohne im Umland des schönen Hamburgs und würde mich wohl selbst Geek nennen. Ich bin Videospiel-addicted seit dem GameBoy, Fan von Apple seit einem iPhone 3G, fasziniert von Gadgets aller Art und bezeichne mich selbst auch gern als Film- und Serienjunkie.