On The Road Again – Durch Portugal mit dem Can-Am Spyder

Vor ein paar Wochen ging es nach Portugal, ich durfte ein paar Tage den Can-Am Spyder F3 ausprobieren. Wie der Trip verlief und wie meine Erfahrungen mit dem Spyder F3 sind erfahrt ihr hier.

Auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel begann die Diskussion, was ist der Spyder denn nun? – Ein dreirädriges Motorrad, oder ein Sportauto ohne Dach? Keines davon lautet die einhellige Meinung. Der Spyder ist ein dreirädriges Freiluftvergnügen, das jedenfalls sollte sich in den nächsten 2 Tagen zeigen. Für wahre Motorrad-Enthusiasten ist an dem Gefährt sicherlich ein Rad zu viel, aber auf drei Rädern fährt es sich erstaunlich gut.

Nach dem Checkin im Hotel, die erste Fahrunterweisung: Starten, beschleunigen, Vollbremsung, beschleunigen und wenden. Klingt einfach, ist es auch, wenn man erst einmal den Weg gefunden hat, wie man den Spyder startet. Mehr dazu aber später. Die ersten Meter auf dem Spyder sind etwas gewöhnungsbedürftig. Als Motorradfahrer wartet man vergebens auf die Seitenneigung in Kurven. Dafür ist es sehr angenehm, dass man an Ampeln einfach warten kann, ohne auch nur einen Fuß auf den Boden zu setzen.

Der Spyder auf der Straße
Am Meer, auf der Straße macht der Spyder eine gute Figur

Der Spyder

Aber starten wir mit den harten Fakten: Was ist ein Spyder und was macht ihn aus: Der Spyder wird von BRP (Bombardier Recreational Products) hergestellt, besitzt 3 Räder und kein Dach. BRP blickt mittlerweile auf ca. 10 Jahre Erfahrung in der Entwicklung des Spyder zurück. Die Technik wurde immer weiter verfeinert. Das Design hat sich vom ersten Modell an nur geringfügig geändert.

Die Befürworter sagen er verbindet die Vorteile von Auto und Motorrad, das Freiluftvergnügen des Motorrads und die Sicherheit eines Autos. Die Gegner argumentieren gleich, allerdings mit den Nachteilen: Wind und Wetter ausgesetzt zu sein und kein „Fahrvergnügen“ in den Kurven wie beim Motorrad. Mit seinen 1000 – 1300 ccm und ca. 100 – 120 PS ist der Spyder ganz passabel motorisiert. Er beschleunigt vom Stand heraus in jedem Gang super und das Schalten mit der Halbautomatik ist ein wahres Vergnügen. Knöpfchen drücken, weiter am Gas hängen und der Schaltvorgang geschieht wie von Zauberhand.

Als Motorradfahrer muss man sich erst einmal daran gewöhnen, dass man sich nicht in die Kurven legen kann, und die Bremse wird einzig und allein mit dem Fuß betätigt. Nach wenigen Kilometern ist man jedoch gut vertraut.

Der Sonne entgegen

Unterwegs durch Portugal

Diese Vertrautheit gewann ich bei der ersten Fahrt entlang der Küste und in der angrenzenden bergigen Landschaft. Der Spyder vermittelt einem mit den Sicherheitsfeatures ein angenehm sicheres Gefühl. Fährt man zu schnell in eine Kurve kann man dank ABS und ESP auch noch in der Kurve die Geschwindigkeit verringern und fährt so immer sicher. Nach den ersten Kilometern war für mich klar, dass der folgende Tagesausflug ein schönes Erlebnis sein wird.

Am nächsten Morgen dann die Ernüchterung: Das Wetter ist alles andere als schön. Nicht gerade wie man sich Portugal im Frühling vorstellt. Die ganze Nacht durch hatte es geregnet und entsprechend grau präsentierte sich die portugiesische Landschaft. Da kam es gerade recht, dass sich der Start wegen Filmaufnahmen noch etwas verzögerte. Pünktlich zum verspäteten Start der Tour kam dann doch noch die Sonne heraus, sodass es ein trockenes Fahrvergnügen werden sollte.

Die Tagestour führte uns von Setúbal über Alcácer do Sal nach Sines und wieder zurück. Insgesamt haben wir an diesem Tag gut 280km mit dem Spyder zurückgelegt. Eine gute Strecke um den Spyder und ein klein wenig der Idylle Portugals kennenzulernen. Der Weg führte uns durch kleine Dörfer, vorbei an Pinienhainen ans Meer und auch über die Autobahn. Auf dieser konnte ich einen kleinen Vorgeschmack des guten Beschleunigungsverhaltens des Spyders gewinnen. Sollte man jedoch planen längere Reisen über die Autobahn mit dem Spyder zu unternehmen, so sollte man sich überlegen eine Windschutzscheibe für den Spyder anzuschaffen. Ohne diese werden die Arme nach einer Weile ziemlich lang.

Spyder F3S on Tour
Aus der Froschperspektive

Die Windschutzscheibe ist nur ein Teil einer Liste von Zubehörteilen die das Fahren noch angenehmer machen. So kann man nicht nur diese hinzuordern, sondern zu einigen Modellen auch noch beheizbare Griffe, ein Radio, bequemere Sitze oder Staumöglichkeiten.

Der von mir gefahrene Spyder F3 S hat leider nur ein moderates Staufach zwischen den Vorderrädern. Je nach Helmgröße passt dieser rein oder auch nicht. Für die Regenkleidung und ein paar kleine Snacks ist das Fach jedoch vollkommen ausreichend. Es gibt allerdings auch Spydermodelle die besser für eine lange Tour geeignet sind und auch Stauraum für etwas mehr als Tagesgepäck bieten.

Die Motorisierung ist bei allen Spyder-Modellen gleich, die Beschleunigung wird vom Hersteller leider nicht angegeben. Für eine Messung fehlten uns leider sowohl Zeit als auch Equipment.

Nach den fast 280km war ich vorerst froh wieder absteigen zu können. Die Straßenverhältnisse in Portugal schütteln den Fahrer ziemlich durch. Den Fehler Schlaglöcher mittig zu überfahren und dann unangenehm mit dem Hinterrad über Huckel zu rumpeln macht man auch nur 1-2 Mal. Danach hat man auch eine gute Taktik um nicht unnötig durchgeschüttelt zu werden.

Technische Daten

Der Spyder wird von einem 1.300ccm Motor angetrieben und hat je nach Ausstattung bis zu 86 kW, das entspricht ca. 115 PS. Das Drehmoment des Motors liegt bei 130 Nm und liegt bei 5.000 U/Min. an. Die Schaltung gibt es in 2 Varianten, manuelle 5-Gang-Schaltung oder halbautomatische 5-Gang-Schaltung jeweils inkl. Rückwärtsgang. Die Kraft wird über einen Zahnriemen auf das zentrale Hinterrad geleitet. Um die ca. 400kg Gewicht immer sicher zum Stehen zu bekommen sind außerdem 3 Scheibenbremsen montiert. Eine davon wird als elektrische Feststellbremse verwendet um den Spyder auch am Hang dort zu belassen, wo er abgestellt wurde. Die Beschleunigungswerte variieren je nach Modell. Der Spyder ist zudem mit ABS, Traktionskontrolle (gut auf rutschigem Untergrund), Stabilitätskontrolle, einer dynamischen Servolenkung und einem Diebstahlschutz ausgestattet.

Fazit

Insgesamt macht es enorm viel Spaß mit dem Spyder durch die Landschaft zu „cruisen“. Das Fahrverhalten ist angenehm und sicher. Die Fußrasten können stufenlos auf den Fahrer angepasst werden und die Sitze sind sehr bequem. Einziges Manko bleibt der Preis von ca. 20.000 € für ein reines Freizeitgefährt. Trotzdem könnte ich mir bei Zeiten gut vorstellen, öfter mal Spyder zu fahren.