Panasonic RP-HTX80B

Spätestens, nachdem Apple sich entschieden hat, beim iPhone auf den normalen Klinkenstecker zu verzichten, stellte sich mir die Frage nach drahtlosen Alternativen. Im Folgenden teile ich meine Erfahrungen mit dem Bluetooth-Kopfhörer RP-HTX80B von Panasonic mit euch.

Der Karton vermittelt von außen einen wertigen Eindruck und macht Lust aufs Auspacken. Die Vorfreude ist jedoch schnell verflogen, denn im Innern liegt der Kopfhörer begleitet von einem MicroUSB-Kabel in transparentem und scharfkantigem Kunststoff. Gut, beim Preis von 99,- UVP ist darüber hinweg zu sehen, wenn der Kopfhörer sein Versprechen hält.

Panasonic bewirbt ihn mit Bluetooth 4.1 und 40mm Treibern gepaart mit 24 Stunden Laufzeit und einer Schnellladefunktion. Obwohl es sich um einen Kopfhörer handelt ist auch ein Mikrofon verbaut, was sowohl zum Telefonieren als auch zur Kommunikation mit Sprachassistenten dienen soll, wenn man ihn mit einem Smartphone verbindet.

Also aus der Packung geholt und aufgesetzt

Der Kopfhörer im Retrodesign wird rechts und links separat eingestellt und ein mit Nylon umworbenes Kabel verbindet durch das Kopfband, die beiden Hörmuscheln. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, ist darauf zu achten, dass die Polster überall am Kopf anliegen. Tun sie das nicht, wirkt der Klang schnell flach und kraftlos. Bei Brillenträgern wie mir führt das enge Aufliegen schnell zu Druck auf die Bügel und zu Kopfschmerzen. Das ist jedoch der Art und Weise des Retro-Aufbaus geschuldet. Sitzt er jedoch, zeigt sich der Kopfhörer von seiner besten Seite:

Präsente, harmonische Bässe und präzise und unaufdringliche Höhen runden das Klangerlebnis ab und unterstützen das gut aufgelöste Stereofeld. Egal was ich höre, macht er eine gute Figur! Ob Orchesterarrangements, Liedermacher mit Akustikgitarre, Pop, Rock oder Punk – alles klingt harmonisch ohne, dass etwas störend auffiele.  Einzig bei Hardrock und Metal offenbart er kleine Schwächen. Bisweilen klingt es etwas "bemüht" und etwas gedrungen, was ich von meinem anderen halboffenen Kopfhörer nicht kenne.

Von meiner Umwelt bekomme ich beim Hören übrigens nicht mehr viel mit. Damit eignet sich der Kopfhörer super, um in seiner Musik abzutauchen oder in Bus und Bahn dem Trubel zu entfliehen. Für Fußgänger oder Radfahrer würde ich ihn nicht empfehlen. Die Gefahr andere Verkehrsteilnehmer zu überhören ist zu groß.

Ob man sich mit dem Kopfhörer in der Öffentlichkeit sehen lassen möchte, sollte jeder für sich entscheiden. Das Retrodesign hat seinen Gag-Faktor – ich selbst kenne diese Art noch von den Kopfhörern meiner Eltern – aber fällt damit auch definitiv auf. Die Ähnlichkeit mit einem Marsmännchen lässt sich kaum leugnen, wenn man ihn auf dem Kopf hat. Aber über Design und Geschmack lässt sich bekanntlich (nicht) streiten. Die Verarbeitung ist übrigens hervorragend für diese Preisklasse: Keine scharfen Kanten, geringe Spaltmaße und angenehme Haptik und Metallelemente hinterlassen einen angenehmen Eindruck.

Während des Musikhörens kann man mit den am rechten Hörer angebrachten Tasten noch nachregeln: Lauter, Leise und Play/Pause werden bei einfachem, kurzen Druck ausgeführt. Wird die Lauter- beziehungsweise Leiser-Taste für eine Sekunde festgehalten wird ein Titel vor oder zurück gesprungen. Hält man Play/Pause für zwei Sekunden fest, werden Siri, Cortana und Co aktiviert und man kann Sprachbefehle aufgeben. Selbige Taste wird auch zum Annehmen von Anrufen verwendet.

Tasten

So gut der Kopfhörer sich beim Musik hören präsentiert, taugt er fürs Telefonieren nur bedingt. Mein Gegenüber hört mich nur sehr leise und von sehr weit weg. Ebenso werden Umgebungsgeräusche ungefiltert übertragen. Eine Filterung oder Geräuschunterdrückung gibt es nicht, da der Kopfhörer auch nur über ein Mikrofon unten an der rechten Muschel verfügt. Nachdem die Telefonate in der Wohnung nicht viel versprechend verliefen, habe ich es außerhalb der eigenen vier Wände gar nicht mehr versucht. Begleitet von Straßenlärm ist davon auszugehen, dass man noch schwerer zu verstehen ist.
Es ist schön, dass die Funktion gegeben ist, taugt aber eher nur für den kurzen Plausch oder Terminabsprache, als für ein ausgiebiges Gespräch. Bei der Gelegenheit sei erwähnt, dass es möglich ist zwei Geräte gleichzeitig zu paaren; kommt ein Anruf an, wird automatisch umgeschaltet.

Abschließend zur Akkulaufzeit

Beim Auspacken zeigte mir die Akkuanzeige meines Handys 80% Ladestand an.
Trotz Telefonaten und einem ganzen Sonntag voll Musik ist der Ladestand auf lediglich 50% gefallen. Ich habe die Zeit nicht genau nachgehalten, bin aber sehr beeindruckt von dem Dauerläufer! Die angepriesenen 24h Laufzeit halte ich für realistisch bemessen – ohne, dass man auf Flüsterlautstärke Musik hören müsste. Trotz der langen Akkulaufzeit, sitzt er mit seinen 190g Gewicht jedoch leicht auf dem Kopf.

Fazit

Für den Preis bekommt man einen gut klingenden und ausdauernden Kopfhörer, den ich jedoch nur zuhause einsetze. Obwohl für den urbanen Einsatz beworben, halten mich die starke Abschirmung und die Unmöglichkeit ihn kleiner zu falten oder zu schieben davon ab.