SteelSeries Siberia 800

Das kabellose Dolby-Sourround Headset Siberia 800 war bis vor Kurzem das absolute Flaggschiff unter den Headsets aus dem Hause SteelSeries und wird mittlerweile parallel zum neuen Top-Gerät Siberia 840, das zusätzlich mit Bluetooth ausgetastet ist, verkauft. Das 2001 in Dänemark unter dem Namen Soft Trading gegründete und 2007 in SteelSeries umbenannte Unternehmen hat eine lange Tradition im Markt für Gaming-Peripherie und ein starkes Engagement im eSport. Auch Kooperationen mit bekannten Firmen wie Blizzard, EA und Valve haben zum guten Ruf von SteelSeries beigetragen. Kann das SteelSeries Siberia 800 den entsprechend hohen Erwartungen gerecht werden?

Erster Eindruck

Das Gaming-Headset erreicht mich in einer absolut edel gestalteten Verpackung auf der neben der Bezeichnung gleich auch ein starkes Statement aufgedruckt ist: „The world’s best wireless Gaming Headset!“ Die Verpackung versucht dieses Vorhaben deutlich zu unterstreichen. Der erste Eindruck beim Öffnen ist wirklich großartig. Der Gadget-Fan wird seine wahre Freude haben. Selten werden Produkte schon in ihrer Verpackung so gut präsentiert. Hat man das Headset aus der Verpackung geholt, findet man unter der entsprechenden Schale den dazugehörenden Wireless-Transmitter und in einem separaten Fach zahllose Anschlusskabel für alle möglichen Plattformen, ein USB-Netzteil inklusive Stecker für einige Nationen sowie zwei Akkus zum Wechseln. Das Siberia selbst sieht nicht nur edel aus, auch alle Materialien fühlen sich nach hochwertigem Kunststoff und einer langlebigen Verarbeitung an. Es wechseln sich Soft-Touch-Oberflächen mit Klavierlack-ähnlichen Hochglanz ab. Alles fasst sich sehr schön an und schmeichelt dem Auge. Der erste Endruck ist echt wirklich toll. Allerdings muss ich sagen, dass der Materialmix sehr anfällig für Staub und Fingerabdrücke ist und sich der elegante Look ohne enorm häufigen Putztuch-Einsatz nur sehr kurzfristig hält. Hier wäre ein mattes Design oder eine reine Soft-Touch-Oberfläche eventuell optimaler.

Ergonomie & Komfort

Dann ist es an der Zeit das Headset mal anzuprobieren. Die Polsterung der Ohrmuscheln aus dickem Memory Foam ist sehr komfortabel und schmiegt sich angenehm um die Ohren am Kopf an. Der Bezug ist aus einem kunstlederähnlichem Überzug mit optisch stylischen Nähten im klassischen Orange von SteelSeries wie auch der Schaumstoffüberzug über den 40mm Neodymium Treibern. Ein schöner Kontrast zu dem sonst ganz in schwarz gehaltenem Rest des Headsets. Auch der Kopfbügel ist mit derselben Polsterung ausgestattet. Allerdings, auch wenn sie sich im ersten Moment angenehm weich anfühlt, ist sie für meinen Geschmack etwas zu weich und das Kopfband insgesamt zu schmal für das Gewicht des Headsets. Durch die Komponenten für die kabellose Übertragung und den entnehmbaren Akku ist das Siberia 800 mit über 300g zwar nicht enorm schwer für einen Funk-Headset, aber eben auch kein Leichtgewicht. So drückt sich das Polster des schmalen Kopfbands leider punktuell nach einiger Zeit durch und fängt zumindest in meinen Tests nach schon einer halben Stunde an zu stören. Ab diesem Zeitpunkt merke ich nichts mehr von dem Versprechen, ich würde vergessen, dass ich ein Headset trage. Stattdessen rücke ich das 800er immer wieder an eine neue Position. Zudem finde ich das Material an heißen Tagen sehr unangenehm, es wird sehr warm darunter und man fängt schnell an zu schwitzen, sowohl am Kopfband als auch an den Ohrpolstern. Dafür schirmen die Ohrmuscheln Außengeräusche stärker ab, als ich es von Velourpolstern kenne. Obwohl sich das Siberia in verschiedensten Abstufungen mit einem Raster beliebig verstellen lässt, tue ich mich sehr schwer die richtige Einstellung zu finden. Ein Problem, dass ich bisher noch nie mit Headsets oder Kopfhörern hatte.

Klang

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Aber kommen wir zu einem essentiellen Thema bei allen Headsets: dem Klang. Und da weiß SteelSeries wirklich zu überzeugen. Die Unterstützung von Dolby Digital und Dolby Pro Logic IIx lässt beim 7.1 Sound während des Zockens kaum Wünsche offen. Der Sound ist beeindruckend und mächtig, die Lautstärke kann wirklich enorm hoch gedreht werden. Eine Ortung von Gegnern in Shootern klappt wirklich hervorragend. Das Soundbild ist wirklich schön abgestimmt und detailreich. Zudem lassen sich verschiedenen Soundprofile und Einstellungen sowohl über das Headset selbst oder etwas einfacher direkt am Transmitter einstellen. Auch auf weitere Entfernung habe ich nie Verbindungsabbrüche oder Störungen gehabt. Auch bei Filmen und Musik stellt mich das Siberia 800 voll und ganz zufrieden, der Klang ist absolut einwandfrei. Das fast winzige Mikrofon, das sich in der linken Ohrmuschel einschieben lässt, ist an einem flexiblen Arm angebracht. Es lässt sich auf Knopfdruck deaktivieren, eine automatische Mute-Funktion im eingeschobenen Zustand gibt es leider nicht. Wird die Stummschaltung aktiviert leuchtet das Mikrofon rundherum rot, gerade im Dunklen kann das leider auch etwas stören, wenn man aus gewissen Gründen längere Zeit stumm bleiben möchte. Ich nutze die Mute-Funktion beispielsweise, wenn ich ohne eine Party Rainbow Six Siege spiele dauerhaft, um nicht im öffentlichen Spielchat gehört zu werden. Der Klang des Mikrofons ist dagegen besonders für die winzige Bauform wirklich gut. Man kann den Sound natürlich keinesfalls mit einem Großmembran-Mikro vergleichen, aber unter Gamingheadsets schneidet das SteelSeries nicht schlecht ab, trotzdem würde ich von einer Vertonung meiner YouTube-Videos oder Twitch-Streams absehen, für Party-Chat mit Freunden ist es aber vollkommen okay. Nichtsdestotrotz wussten gerade in diesem Bereich andere, auch deutlich günstigere, hier getestete Headsets deutlich besser abzuschneiden.

Ausstattung

In einem Bereich kann aber SteelSeries keiner etwas vormachen. Der Umfang des Zubehörs ist phänomenal! Ich habe noch nie so viele Kabel für sämtliche Plattformen aus einer Headset-Verpackung ausgepackt. Zusätzlich ist noch ein USB-Stromadapter beigelegt, wenn man für den Transmitter nicht einen USB-Platz an seinem Rechner oder der Konsole verschwenden möchte. Da haben die Jungs echt mitgedacht, genauso wie bei der Akku-Lösung. Laut Hersteller soll der Akkuzyklus etwa 20 Stunden betragen, ich habe tatsächlich eher nur die Hälfte mit einer Ladung hinbekommen. Allerdings musste ich dann nicht wie bei anderen Wireless-Headsets kabelgebunden weitermachen oder auf die Lautsprecher zurückgreifen, sondern kann einfach das zweite Akkupack per Hot-Swap einwerfen und das verbrauchte Pack im Transmitter, der gleichzeitig eine Ladestation ist, wieder für den nächsten Einsatz aufladen. Der Akkuwechsel erinnert mich sehr an einen Reifenwechsel bei der Formel 1, so schnell kann es weitergehen. Zudem wird man frühzeitig auf den bevorstehen Wechsel gewarnt. So hat man ausreichend Zeit auch im größten Multiplayer-Stress optimal vorbereitet zu sein.

Features

Der Transmitter selbst umfasst darüber hinaus ein Display, das aktuelle Einstellungen, Ladestände und weitere Funktionen in seinen übersichtlichen Menüs beinhaltet. Gerade auf dem Schreibtisch, wo man nahe genug dran ist, kann man diese Einstellungen auch über ein großes Drehrad direkt am Transmitter verändern. Nutzt man das Headset auf dem Sofa und der Transmitter ist an einer Konsole angeschlossen, gibt es ein einziges Drehrad am Headset mit dem man dieselben Funktionen aufrufen kann. Je nach Entfernung zur Konsole kann das Display dann aber etwas klein sein. Nur der geteilte Ein-/Ausschalter und Mute-Button sind sonst noch an dem Headset verbaut. zu guter Letzt hat das Headset noch zwei Klinkenanschlüsse zum Anschluss des Headsets an Xbox-Controller, Mobilgeräte oder zur Weitergabe des Sounds auf einen zusätzlichen Kopfhörer. So kann man durchaus auch zu Zweit die Audioquellen teilen. Sehr angenehm sind die drehbaren Ohrmuscheln, wodurch das Headset kaum stört, wenn man es mal kurzzeitig abnehmen muss und nur um den Hals trägt. Auch wer verschiedene Plattformen bespielt, wird mit dem SteelSeries Flaggschiff einen umfangreichen Allrounder finden. PC, Mac, PlayStation 3 und PlayStation 4 lassen sich gänzlich kabellos betreiben, für Xbox 360 und Xbox One ist noch ein zusätzliches Chatkabel zum Controller notwendig. Auch unterwegs lässt sich das Siberia an Mobilgeräten per Klinkenkabel nutzen. Zusätzlich kann man auch ein Mobilgerät am Transmitter anschließen und so zeitgleich Zocken und beispielsweise parallel seine Lieblingspodcasts hören. Aber natürlich lässt sich das Headset mit dem optischen Kabel vom Transmitter aus auch an Medienzentren oder am Heimkino nutzen und bietet so einen tollen Surround Sound beim Medienkonsum.Wie gesagt: das SteelSeries Siberia 800 ist ein absoluter Allrounder.

Fazit

Das SteelSeries Siberia 800 ist ein imposantes und ambitioniertes Stück an Gaming-Peripherie. Die Haptik und Verarbeitung ist hervorragend, der Klang ist durchweg detailreich und ausgewogen, zudem lässt er sich an PC & Mac noch durch zusätzliche Software individuell anpassen. Das Mikrofon ist für den Spielchat mit Freunden okay, aber nicht das Gelbe vom Ei. Beim Streaming taugt das Headset eigentlich nur als sehr guter und kabelloser Kopfhörer. Leider muss ich persönlich deutliche Abstriche beim Komfort machen und auch die Wärmeentwicklung an warmen Sommertagen ist unangenehm. Aber jeder Kopf ist anders und kann auch keinen Fall für jeden gelten. Ebenfalls missfällt mir die hohe Staubanfälligkeit und die Fingerabdruckempfindlichkeit der Klavierlackoberflächen. Dafür bietet das Siberia sowohl bei Features und Ausstattung als auch bei der Kompatibilität gleich ein ganzes Füllhorn an Möglichkeiten. Lediglich das neue Modell Siberia 840 kann das nochmal mit dem zusätzlichen Einsatz von Bluetooth toppen. Durch das neue Modell ist der Listenpreis nun auch von 349,- auf 299,- € gesenkt worden. Jedoch liegt der Preis aktuell noch bei rund 330,- € bei Amazon, es dauert wahrscheinlich noch etwas, bis auch dort die Preise angepasst werden. Wer so tief in die Tasche greifen möchte, kann meiner Meinung nach aber auch Modelle finden, die ein besseres Gesamtpaket abliefern.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.