The Legend of Zelda: Breath of the Wild

Ein Disclaimer vorab: Ich war nie wirklich ein „Nintendo-Kind“. In einem SEGA-Haushalt aufgewachsen, war ich meist eher der Sonic-Mensch, auch wenn ich die Faszination der Klempner und Prinzessinnen immer zu einem gewissen Teil nachvollziehen konnte. Das letzte Zelda-Spiel, das ich gespielt habe, war Windwaker (nicht Remastered).

Und als ich überall im Internet 10/10 Bewertungen über Breath of the Wild gelesen habe, wollte ich mal schauen, ob das denn überhaupt möglich ist. Ob das in meinen Augen so ist, erfahrt ihr in meinem Zwischenfazit (nach ca. 20 Stunden Spielzeit).

Nehmt euch Urlaub

Wenn ihr denkt, dass Skyrim ein Projekt war, beginnt ab sofort für euch (wie auch für mich) eine neue Zeitrechnung. Breath of the Wild ist nach Witcher 3 der größte Zeitfresser, den ich in den letzten Jahren erlebt habe. Die schiere Größe der Welt alleine ist eine Kampfansage an alles, was sich derzeit auf dem Gaming-Markt tummelt.

Die Karte vollständig aufzudecken und die Welt zu erkunden, wird euch viele Stunden beschäftigen. Selbst wenn ihr keine der etlichen Nebenquests beachten würdet und mit keinem einzigen der zahlreichen Charaktere sprechen würdet. Aber was bringt euch eine riesige Welt, wenn sie leer ist? Hier kann ich vorab allerdings schon Entwarnung geben. Langweilig wurde mir in den ungefähr 20 Stunden, die ich bisher in die Welt eingetaucht bin, nie. Im Gegenteil. An jeder Ecke wurde ich erneut abgelenkt. Ob es nun eine verlassene Ruine war, die mich magisch anzog oder ein riesiger Gegner, der plötzlich auf einem Berg stand.

10 von 10 heißt nicht „Perfektes Spiel“

Die Wertungen der einschlägigen Magazine und sonstigen Medien gingen in den letzten Tagen durch die Decke. Breath of the Wild hat so gut wie alle Wertungs-Rekorde gebrochen. Wenn Tagesschau und heute davon berichten, weiß man: Da ist was im Busch. Eines sollte man dabei jedoch nicht vergessen: Kein Spiel ist perfekt und eine „perfekte“ Wertung deutet oft etwas wie ein „Meisterwerk“ an. Breath of the Wild hat viele Mechaniken und technische Probleme, die es nämlich von einem perfekten Spiel ausschließen. Zumindest ist das meine Meinung. Aber dazu kommen wir gleich, ich wollte das nur bei den Lobpreisungen im Netz zu bedenken geben.

Das offensichtlichste Problem mit Breath of the Wild ist an einigen Stellen leider die Technik. Ich bin kein Mensch, der alles in 4K braucht und Tests zum Thema Framerate könnten mir egaler kaum sein. Wenn aber ein Vorzeigetitel einer neuen Konsole keine konstanten 30 FPS hinbekommt, sollte das zumindest erwähnt werden. Das Problem ist kein unerträgliches und im Handheld Mode auf der SWITCH gibt’s erst recht keine Probleme. Angesprochen werden sollte ein solches Problem allerdings doch, da es oft ohne erkennbaren Grund passiert. Während diverse Bosskämpfe gegen riiiiiesige Gegner teilweise perfekt ablaufen, scheint die Engine mit Gras (!) unglaubliche Probleme zu haben. Und es gibt viel Gras in Breath of the Wild. Zu keinem Zeitpunkt hat es mich allerdings so sehr gestört, dass ich länger darüber nachgedacht habe oder gar der Spielfluss gestört wurde.

Zelda-Charme trotz „Open World“ – Geht das?

Kurze Antwort: Ja. Aber für kurze Antworten lest ihr ja hoffentlich diesen Beitrag nicht. Breath of the Wild bricht mit vielen Zelda-Traditionen. Und einige Hardcore-Fans werden damit eventuell ihre Probleme haben. Wie eingangs erwähnt, zähle ich mich zwar nicht zu den Zelda-Veteranen, selbst mir fallen allerdings wesentliche Unterschiede zur Zelda-Formel auf.

Der offensichtlichste ist die riesige, offene Welt. Selten habe ich eine Welt gesehen, die den Begriff „offen“ mehr verdient hätte, als die in Breath of the Wild. Das geht sogar so weit, dass man den „Endboss“ theoretisch direkt zu Beginn des Spiels aufsuchen kann. Man wird kläglich scheitern, die Möglichkeit besteht jedoch. Und genau das macht dieses Spiel zu dem, was es ist: Du bist der Held. Du bist Link. Du kannst tun und lassen, was du willst. Du kannst zu jeder Zeit überall hin reisen und wirst nicht wie ein kleines Kind an der Hand gehalten. Nintendo hat meiner Ansicht nach eine extreme Kehrtwende hingelegt, da mir bei manchen ihrer Spiele zu viel „Tutorial“ vorkam. Wer das erwartet, fällt bei Breath of the Wild salopp gesagt ordentlich auf die Schnauze. Breath of the Wild ist stellenweise richtig schwer und verzeiht nur selten Fehler. Ihr haltet euch in einer erbarmungslosen Welt auf und jeden Moment kann es vorbei sein. Trotzdem schafft das Spiel es mit guten Rücksetzpunkten und einem Schnellreisesystem, das fairer kaum sein könnte, euch den Spaß nie so wirklich zu verderben.

Game Over, kaputte Waffen und Ausdauer

Breath of the Wild bedient sich etlicher Mechaniken, die aus Survival-Spielen wie 7 Days to die oder ähnlichem stammen könnten. Bereits in den ersten Let’s Plays wurde deutlich, dass Waffen kaputt gehen, man kochen lernen muss, es Loot gibt und dass man genügend Probleme hat, um die man sich kümmern muss. Man könnte meinen, dass diese Systeme dem Spielfluss – oder gar Spielspaß – im Wege stehen. Ich finde es bemerkenswert, dass sie das so gut wie nie tun. Mehr noch finde ich, dass sie teilweise sogar zum Spielspaß beitragen.

Ein Beispiel: Ich habe eine Holzwaffe, die nicht mehr lange durchhalten wird und befinde mich mitten im Kampf an einem Lagerfeuer. Man könnte sich jetzt aufregen, die Waffe wechseln und über das System schimpfen. Man kann aber auch die Waffe ins Feuer halten und sie genüßlich dem Gegner an den Kopf werfen, der daraufhin brennend zu Boden geht. Die Waffe ist dadurch futsch, wäre sie aber ohnehin gewesen. Beispiele wie dieses könnte ich hunderte bringen. Und das ist noch nicht einmal eine Übertreibung. Zugegeben: Es dauert seine Zeit, bis man sich an die verschiedenen Systeme gewöhnt hat. Aber das Gefühl, das man hat, wenn’s dann letztendlich in Fleisch und Blut übergeht, ist überragend.

Ähnliches gilt für die Ausdauer. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber aufgeregt habe, dass Link am Anfang nach gefühlten zwei Metern die Puste ausgeht. Mittlerweile weiß ich ganz genau: „Ah, den Berg da, den musst du so und so besteigen, dann passt das“ – Und wenn man dann oben ankommt, ist das einfach schön und wird meist noch mit toller Aussicht oder einem Schrein belohnt.

Dungeons & Endgegner, es ist zum Schrein

Tolles Wortspiel, ich weiß. Für mich und viele andere sind mit die besten Dinge in einem Zelda Spiel die Dungeons. Auch hier hat Nintendo einen neuen Weg eingeschlagen, der vielen nicht gefallen wird: Es gibt nicht viele. Allerdings wurden Dungeons durch etwas ergänzt, was ich persönlich fast noch besser finde: Schreine. Im Laufe des Spiels erhaltet ihr verschiedene Kräfte, mit denen ihr diese Schreine meistern könnt: Magnetismus, Einfrieren, Zeit anhalten und Bomben. Die Prüfungen in den Schreinen, die überall auf der Welt verteilt sind (es gibt mehr als 100), rechtfertigen in meinen Augen eigentlich schon alleine den Kauf des Spiels. Mit Hilfe eurer Kräfte manipuliert ihr dort Wasserfälle, Kisten, diverse Schalter und Dinge auf die ich hier wegen Spoilern nicht eingehen möchte. Entdeckt ihr über euer Fernrohr einen Schrein von einem Berg oder Turm aus, markiert ihr ihn und sobald ihr am Eingang steht, dient dieser außerdem als Schnellreisepunkt. Egal ob das Rätsel gelöst wurde oder nicht. Fair und praktisch. Und wenn wir schon von fair uns praktisch reden: Ihr könnt übrigens jederzeit (selbst mitten im Kampf) das Schnellreisesystem nutzen.

Die erwähnten Kräfte kann man übrigens nicht nur in Dungeons und Schreinen einsetzen sondern überall. Was wieder sehr tolle Möglichkeiten in der Welt bietet. Haltet ihr die Zeit an und schlagt öfter auf einen Stein, wird die ganze Kraft nach dem Anhalten der Zeit entfaltet. Ihr könnt euch so beispielsweise transportieren lassen, indem ihr euch an den Stein hängt. Oder eben Gegner abschießen. Und das zeigt auch, was Breath of the Wild ausmacht. Und was dieses Spiel zu einem der besten der letzten Jahre oder Jahrzehnte macht: Denkt man „Kann ich denn das machen?“ lautet die Antwort meistens: „Ja!“. Ausprobieren ist die Devise. Und das ist ein unglaublicher Spaß und man wird meistens nicht enttäuscht.

Zwischenfazit

Breath of the Wild zu beschreiben und zu testen ist eine Mammutaufgabe. Ich habe hier aus gutem Grund nur einige der Aspekte beleuchtet, die dieses Spiel zu einem absoluten Meisterwerk machen. Ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte mal so sehr in eine Spielewelt eingetaucht bin. Breath of the Wild schafft es immer wieder, mich aufs neue zu faszinieren und jedes mal wenn ich denke „das können sie nicht mehr toppen“ setzen sie ganz locker noch 20 WTF-Schippen obendrauf. Wer eine Nintendo-Konsole besitzt, die Breath of the Wild abspielen kann, kommt an diesem Spiel nicht vorbei. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, dass dieses Spiel der Grund ist, sich eine solche Konsole zu kaufen. Und bedenkt bei meiner Aussage bitte folgendes: Mich hat weder die SWITCH noch Breath of the Wild auch nur ansatzweise interessiert, als ich mit dem Spiel angefangen habe. Das ist schon eine relativ krasse Aussage. Ich werde nach Abschluss des Spiels gerne noch mein letztendliches Fazit an dieser Stelle loswerden. Bis dahin: Ich muss jetzt aber echt weiterspielen!

Nerdklatsch 005

WWNS023 – Switch Hype 10 von 10