This is the Police

Quickpick

Ich kann mich für alte Spieleklassiker auf einem Mega Drive ebenso begeistern wie für Amiga- und C64-Perlen. Wenn es dann einem Indie-Titel gelingt den Charme und Flair eben dieser Ära einzufangen und trotzdem seinen eigenen Charakter einzubringen, bin ich selbstverständlich sofort begeistert. This is the Police ist eines dieser Spiele.

Hill Street Blues trifft Blade Runner

Hill Street Blues auf dem Amiga war damals eines meiner Lieblingsspiele. Als Polizeichef hatte man die Aufgabe, seine Einheiten zu Einsätzen auf einer Stadtkarte zu schicken, bevor es „zu spät“ war. Dieser Mechanik bedient sich auch This is the Police. Das in „Another World“ und „Flashback“ Optik gehaltene Indie-Spiel verpackt das ganze allerdings auch noch mit einer fesselnden Geschichte um euch – den Polizeichef. Nur ein Jahr von der Rente entfernt und so kurz vor eurem Ziel genügend Geld für den Ruhestand zu sammeln, werdet ihr immer weiter in die Spirale von Korruption und – natürlich – der Mafia gezogen.

Es liegt nun bei euch – dem Spieler – wie weit ihr euch wirklich um den Finger wickeln lasst. Und eure Entscheidungen haben Einfluss auf die Kollegen, Politik und stellenweise sogar die zivile Bevölkerung.

The same procedure as every day

Der Tagesablauf des Polizeichefs klingt nicht sonderlich spektakulär: Aufstehen, Auto anlassen, aufs Revier fahren. Dort wählt ihr jeden Morgen eine Schalplatte aus, die euch über den Tag begleiten soll (Tolle Jazz- und Klassik-Songs untermalen die 40er / 50er Jahre Atmosphäre hier sehr schön). Welcher Detective muss wann arbeiten? Wer ist zu müde? Wie viel wird heute los sein? All das sind Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Der Großteil des Spielgeschehens wird euch mit einer Vogelperspektive einer Karte vermittelt. Einsätze müssen koordiniert werden und euer knappes Personal muss korrekt eingeteilt werden. Euren Supercop zu einem Streit zweier Eheleute schicken? Wohl kaum. Da kann auch der unfähige Youngster hin. Doch durch diverse Zufälle kann es sehr schnell zur Eskalation kommen. Und dann ist Verstärkung gefragt, nicht selten auch ein SWAT Team. Ist euer SWAT Team gerade im Einsatz und eine Massendemo bricht aus, kann es sehr eng werden. Es gibt also vieles zu beachten. Aber das spiel schafft es, nie unübersichtlich oder zu hektisch zu werden.

Bilder sortieren und Beweise sammeln

Neben dem Streifendienst und den SWAT-Teams habt ihr außerdem Menschen von der Kripo (Detectives) in eurem Personalpool. Größere Straftaten werden dann auf eine andere Art und Weise präsentiert. Zeugenaussagen werden mit Bildern vom Tathergang vermischt und bei längerer Recherche kommen mehr Beweise zum Vorschein, die es dann entsprechend einzuordnen und zu sortieren gilt. Dieser Teil des Spiels erinnert sehr an das Blade Runner Adventure von damals, wo es ebenfalls kleinere Detektivarbeiten zu erledigen gab.

Die stellenweise auf den ersten Blick relativ langweilig wirkende „Karten-Arbeit“ (Wer soll zu welchen Verbrechen fahren, etc) wird sehr schön mit einer traurigen und gesellschaftskritischen Geschichte untermauert. Diskriminierung, Machtspiele, Rassismus und zerstörte Ehen spielen hier eine große Rolle. Die Soundkulisse und die tolle Musikauswahl sowie die sehr stimmungsvolle Grafik runden das Bild ab.

Die Spielmechaniken von This is the Police kann man wohl am besten als Mischung aus Echtzeitstrategie und Management bezeichnen. Wer mit einem von beiden Genres etwas anfangen kann, sollte es sich auf jeden Fall einmal näher ansehen. Für einen Preispunkt von um 20 Euro (Auf nahezu allen Plattformen) ist es das meiner Meinung nach definitiv wert. Und nach knapp 6 Stunden Spielzeit geschieht sowohl in der Geschichte als auch auf der Karte noch immer sehr viel neues. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, was da noch alles kommen wird.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.