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Trials Rising

Kennt ihr den „Trial“ Sport? Talentierte Menschen die mit Mountain Bikes oder Cross-Motorrädern einen Hindernisparcours abfahren? Es gab immer wieder Entwicklerteams die versucht haben diese Herausforderungen als Videospiel zu realisieren. In der Regel seht ihr euer Zweirad von der Seite, könnt Gas geben, bremsen und euch vor und zurück neigen. Aber es gibt gefühlt nur eine Spieleserie das diese „simple“ Mechanik perfektioniert hat: Trials! Ursprünglich als Flash Spiel entwickelt fand es den großen Durchbruch mit Trials HD auf der Xbox 360. Danach wurde das Entwickler Team RedLynx von Ubisoft übernommen und es entstanden weitere Ableger der Serie. Zuletzt vor 5 Jahren mit Trials Fusion wurden wir in eine futuristische Welt befördert. Nun geht es mit Trials Rising aber wieder Back to the Roots.

Am Grundprinzip hat sich absolut NICHTS verändert. Und das ist auch gut so! Trials lebt durch seine Physik-Engine und durch die Komplexität die sich dadurch schließlich ergibt. Wer denkt das Gas geben, bremsen und ein bisschen nach links und rechts neigen langweilig wäre hat entweder noch kein Trials gespielt oder nur die ersten, einfachen Strecken. Diese sind nur zum warm werden. Später heißt es gezielt beschleunigen statt den analogen Trigger komplett durchzudrücken, die Sprünge genau einschätzen zu können und vor allem zu lernen wie man selbst einen kleinen Bunny-Hop gezielt beeinflussen kann.

All das wird in Trials Rising dem Spieler besser erklärt. Früher™ musste man selber herum probieren. Jetzt gibt es die Trials University bei der ihr parallel zu neuen, schwereren Strecken auch neue Lektionen freischaltet bei denen ihr lernt, was es heißt ein echter Trials Fahrer zu sein. Meine große Kritik hier ist aber, dass ich nie genau weiß, warum ich in den Lektionen eine schlechte Note bekommen habe. Das wird einem am Ende nämlich nicht genau erklärt. Und so habe ich selbst bei den ersten simplen Lektionen nur eine B oder C Wertung bekommen, weiss aber nicht ob ich zu langsam war oder die Technik selbst nicht richtig gemeistert habe.

Reise um die Welt

Während die letzten Teile von Trials sehr abgedreht waren und sogar soweit gingen, dass für Trials Fusion ein DLC herausgebracht wurde indem man eine Einhorn-reitende Katze spielte, geht es nun wieder zurück zum Ursprung. Keine Experimente mit Jump’n’Run Einlagen, keine Alien-Planeten und Fantasie-Welten. Wir befinden uns auf Mutter Erde und nehmen an einer Weltmeisterschaft teil. Man startet in Amerika, arbeitet sich durch Europa bis nach Asien und schaltet nach und nach neue Locations auf der Weltkarte frei. Motorcross durch Maya-Tempel und spanische Dörfer.

Ein Teil der Map

Die Auswahl der Strecken oder Turnieren erfolgt über die große Weltkarte. Hier sind wie Stecknadeln eure Herausforderungen verteilt. Anstatt wie in den Vorgängern eine übersichtliche Liste zu haben, muss man nun immer schauen wo sich die neuen Strecken befinden. Leichte und schwere Strecken sind irgendwann komplett durcheinander und lassen sich höchstens durch einen Filter für die Darstellung etwas sortieren. Hier hätte ich mir den klassischen Weg gewünscht.

Auf den großen Locations ist es das bekannte Prinzip: Macht so wenig Fehler wie möglich, aber seid auch so schnell wie möglich! Neu ist, dass Fehler nicht mehr als zusätzlicher Wert gespeichert werden, sondern ein Fehler bedeutet fünf Sekunden Strafe. Also ist der große Faktor eigentlich nur die Zeit! Wer schneller durch das Ziel fährt erreicht somit die heiß ersehnte Gold Medaille. Wobei: Heiß ersehnt ist bei Trials Spielern eher Platin. Es gibt übrigens noch eine weitere Medaille, aber: Pssst!

Bei Turnieren tretet ihr auf Anfangs 8 Spuren gegen andere NPCs an. Auf etwas kürzeren Strecken in einem Stadion fahren alle Teilnehmer parallel die selbe Strecke. Nach der ersten Etappe halbiert sich die Teilnehmerzahl und man fährt einen neuen Parcours. In der dritten Runde ist man also nur noch zu zweit und fährt die finale Strecke. Euer Ziel ist es natürlich hier auf dem ersten Platz zu landen.

Und ein spaßiger Begleiter seit Trials HD sind die Technik-Parcours. Auch hier bekommt man mit der Zeit immer mehr „Mini-Games“ dazu. Kennt jemand noch das Yeti Sports Flash Game? So etwas in der Art gibt es in Trials Rising! Oder ihr spielt Basketball oder dürft nicht bremsen weil sonst das Motorrad explodiert! Auch wenn einzelne Herausforderungen sehr frustrierend sind habe ich mit den meisten sehr viel Spaß und sie sind immer eine gelungene Abwechslung für zwischendurch.

Mehr Content durch höhere Level

Früher war es immer so, dass man neue Level freischaltet indem man die vorherigen Strecken erfolgreich beendet hat. Zusätzlich gab es dann irgendwann noch zusätzliche Herausforderungen bei denen man eine bestimmte Anzahl an Saltos, Wheelies und Co ausführen musste. Das vermischt sich in Trials Rising sehr stark, denn mit euren Ergebnissen erntet ihr Erfahrung und steigt damit Level auf. An dem Level ist aber auch festgesetzt, welche neuen Level ihr bekommt. Das geht von den Standorten der Strecken über die Technik-Parcours und sogar bis zu den Lektionen der Trials-Universität! Dadurch wird man aber auch gezwungen ein paar der Herausforderungen zu machen um weiter zu kommen. Oder man fährt immer und immer wieder die gleichen Strecken.

Für mich als Veteran war das schon sehr lästig. Ich wollte so schnell wie möglich zu den schweren Strecken kommen, bin aber mit Level 74 nach 18 Spielstunden gerade mal am Anfang dieses Ziels! Und jedes mal werden dann nur eine Hand voll neuer Strecken freigeschaltet die schnell abgefahren sind und dann heißt es wieder grinden. Dadurch lege ich Trials Rising immer mal wieder an die Seite, komme aber immer wieder zurück, weil ich weiss ich habe noch nicht alles gesehen. Auf eine gewisse Art wurde ich aber auch durch die Herausforderungen bereits gefordert. Auch wenn ich absolut kein Fan von Wheelies und Saltos bin mache ich diese Aufgaben trotzdem. Aber es fühlt sich etwas nach Arbeit an.

Cross-Platform – aber nicht so richtig

So langsam wird es immer mehr: Spielen wo man möchte. Egal ob Nintendo, Sony, Xbox oder PC: Gemeinsam zockt es sich eben am besten. Klappt bei Rocket League, geht auch bei Fortnite (Hier werden auch Maus und Tastatur Spieler standardmäßig von den Controller-Spielern getrennt) und auch Trials wollte Cross-Platform sein. Ist es auch… irgendwie. Die Bestenlisten stammen von allen Plattformen und auch im Multiplayer fährt man gegen Personen auf Konsolen anderer Hersteller. Das einzige was nicht Cross-Platform ist sind die Highscores meiner Freunde.

Ubisoft hat seit einigen Jahren den so genannten Ubisoft Club. Hier kann man mit seinem Club-Profil alle Netzwerke verbinden. So sind mein Xbox, PlayStation und Nintendo Konto verknüpft, damit auch alles ordentlich zugewiesen werden kann. Auch die Freundesliste innerhalb des Clubs kann dann entsprechend mit den Netzwerken synchronisiert werden (sofern sich die Personen dort einmal beim Ubisoft Dienst registriert haben). Allerdings tauchen diese Club Freunde nicht im Spiel auf! Nur die Spieler die ihr auf der selben Platform in eurer direkten Freundesliste habt werden euch angezeigt. Ich habe aktuell keine Möglichkeit auf der Xbox die Bestzeiten meiner Freunde von der PlayStation zu sehen obwohl ich sie sogar in meiner Club-Freundesliste habe!

Eine andere Sache die ich häufig bei Cross-Platform vermisse und die auch in Trials Rising fehlt: Progress-Sync. Wenn jemand zum Beispiel auf der Nintendo Switch anfängt zu spielen und merkt „Ohne analoge Schultertasten ist das doof“, hat diese Person keine Chance seine erspielten Strecken und Rekorde einfach auf dem PC oder einer anderen Konsole fortzusetzen.

Bitte Ubisoft, patcht mindestens die Freundesliste! Rekorde knacken ist mit der größte Spaß an Trials!

Fazit

Auch wenn ich hier und da etwas an Trials Rising auszusetzen habe, macht es im ganzen aber doch wieder ziemlich viel Spaß! Grafik ist zwar eigentlich egal bei diesem Spiel, aber es macht auch Spaß zuzuschauen! Oder sich zwischendurch einfach mal die Hintergründe anzuschauen. Red Lynx hat sich hier wieder ordentlich verausgabt und eine großartige Fortsetzung abgeliefert! Bugs sind mir eigentlich auch keine begegnet. Höchstens auf der Hollywood Strecke, aber das ist ein anderes Thema…

Wer sich das Spiel gerne in sein Regal stellen möchte bekommt es für ~30 Euro bei Amazon, digital gibt es die Basis Version ab 25 Euro, die Gold Edition mit Erweiterungspass der uns weitere 55 Strecken via DLCs liefern soll kostet fast 40 Euro und gibt es für PlayStation 4Xbox One und Nintendo Switch.

Von der Switch Version würde ich aber persönlich abraten mangels analoger Trigger (selbst am Pro Controller). Die einzige brauchbare Lösung: GameCube Controller! Ansonsten handelt es sich aber auf den ersten Blick um einen recht vernünftigen Port!

P.S.

Im Zuge dieses Reviews habe ich mir das 10 Jahre alte Trials HD für die Xbox 360 angeschaut welches Abwärtskompatibel auch auf der Xbox One spielbar ist. Das Spiel ist sehr gut gealtert! Auf einer Xbox One S kam es bei mir aber hin und wieder zu Rucklern die bei diesem Spiel sehr unangenehm sein können. Wie es auf einer One X, die deutlich mehr Leistung hat, aussieht kann ich leider nicht sagen. Wer (nochmal) einen Blick darauf werfen möchte: Nur zu! Es kostet im Microsoft Store 9,50€ und ist mit Sicherheit auch gelegentlich in den Angeboten noch günstiger.

Ich bedanke mich beim Hersteller für die Bereitstellung des Testmusters. Informationen zu ethischen Grundsätzen.

Von Christopher Beloch

Technik-begeisterter Gamer, selber App-Entwickler aus dem Münsterland der gerne neues ausprobiert

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